Küsten-Oma

Natürlich muss es in der Mode regelmäßige Trends geben, damit die Magazine was zu schreiben und die Hersteller von Konfektionskleidung was Neues anzubieten haben. Aber wer die erfindet und woher die kommen, erschließt sich mir nicht immer. (Lila ist das neue Schwarz? Diesen Herbst tragen wir alle Hahnentritt? Wer hat das Recht, das zu behaupten?!?)

Einer der letzten Schreie, so versichert es sogar die renommierte „New York Times“, ist ein Stil mit den Namen „Coastal Grandmother“. Da liege ich natürlich total im Trend, weil ich ja im April endlich Oma geworden bin. Aber was hat das mit Küste zu tun? Da denke ich doch automatisch eher an Küstensocke, die mir mit ihrem vorbildlichen Prinzip, jedem Beitrag des Me Made Mittwoch einen positiven Kommentar zu hinterlassen, gelegentlich ein schlechtes Gewissen macht, weil ich mir die Zeit oft nicht nehme. Aber die hat selbst eine Vorliebe für strukturierte Kleider in kräftigen Farben. Die getrendete Küsten-Oma hingegen bevorzugt Natur- und Pastelltöne für weiche, lässige Kleidungsstücke (vermutlich, weil sie ihr Berufsleben schon hinter sich hat) aus hochwertigen Materialien wie reines Leinen und Kaschmir. Darüber hinaus dekoriert sie gern auch ihr Landhaus einschließlich Bauerngarten in diesem Stil (da der Trend – wie sollte es anders sein – aus den USA kommt, steht es natürlich in Martha’s Vineyard oder den Hamptons), backt gesunde Obsttorten und kocht Kürbis-Gerichte mit selbst gezogenen Kräutern, wofür sie ihren Naturholz-Esstisch liebevoll mit handgewebter Tischwäsche und edlem Geschirr dekoriert. Pinterest ist derzeit voll mit Vorschlägen zu diesem Stil.

Versteht mich nicht falsch, mir gefällt das besser als manche anderen Styling-Vorschläge. Deshalb traf es sich günstig, dass ich plötzlich die Eingebung hatte, mir ein weiteres Patchwork-Oberteil zu nähen, dieses Mal aus genau jenen sanften Natur-Tönen und Materialien, die ich gerade beschrieben habe. Und weil mich schon mehrere MMM-Leserinnen dazu befragt haben, habe ich mal die einzelnen Schritte festgehalten.

Natürlich beginnt alles mit der Sichtung meiner Stoffe – hauptsächlich Reste, die ich gern weiterverwenden möchte. Ich schneide sie zu Streifen mit etwa 40 cm Länge. Die Höhe variiert zwischen 10 und 20 cm. Zunächst habe ich sie nach Geschmack so kombiniert, bis ich vier etwa 60 cm hohe Stoffstreifen daraus legen konnte.

Wie man hier sieht, habe ich die zunächst alle mit dem Overlocker zusammengefügt und die schmalen Überstände auf der Rückseite in eine Richtung gebügelt.

Erfahrungsgemäß können locker gewebte Stoffe aus Overlock-Nähten ausfransen, deshalb habe ich alle Nähte noch mal abgesteppt. Ich finde außerdem, dass das schön aussieht.

Als nächstes nähe ich jeweils zwei der so entstandenen Stoffstücke zusammen – wie zuvor erst mit Overlocker, dann mit einer zusätzlichen Absteppung. Damit habe ich das Material für Vorder- und Rückenteil.

Die Mittelnaht bildet in diesem Fall den Stoffbruch – das könnte man natürlich auch asymmetrisch gestalten, wenn man möchte. Hier sieht man, dass ich mal wieder meinen geliebten selbst gezeichneten Grundschnitt verwende, den ich mir inzwischen der Haltbarkeit wegen auf ein Stück durchsichtige Plastikfolie übertragen habe.

Die beiden zugeschnittenen Teile versäubere ich noch einmal von Schulter zu Schulter mit dem Overlocker. Den Halsausschnitt lasse ich frei, weil ich nun überlege, wie er endgültig verlaufen soll: höher oder tiefer ausgeschnitten, eher rund oder lieber mehr in Richtung U-Boot-Ausschnitt. Wenn ich das entschieden und zugeschnitten habe, bastele ich mir die entsprechenden Belege.

Auch die werden mit dem Overlocker an den Außenkanten versäubert.

Ich schließe die Schulternähte von Oberteil und Belegen und nähe dann den Halsausschnitt. Der wird umgebügelt und knappkantig abgesteppt, und damit er nicht versehentlich nach außen rutscht, steppe ich noch die Schulternähte nach (auf Englisch heißt das ’stitch in the ditch‘ – den deutschen Begriff kenne ich nicht.)

Weil mein Schnitt überschnittene Schultern hat, kann ich Ärmelstücke ohne Armkugel zuschneiden und direkt mit einer geraden Naht ansetzen. Vermutlich schaudert es spätestens jetzt jede korrekte Schneiderin, weil ich das alles eher ‚aus dem Handgelenk‘ mache: ich messe die Länge des Armausschnittes, damit ich die Ärmel zuschneiden kann, und lasse sie nach unten schmaler zulaufen. Die Verarbeitung entspricht natürlich der der bisher entstandenen Stücke einschließlich Versäuberung mit der Overlock, das ist auf diesem Foto noch nicht passiert.

Jetzt muss ich nur noch Ärmel und die Unterkante säumen und ein letztes Mal das Ganze anständig bügeln. Für dieses Stück habe ich insgesamt 4 Abende gebraucht, weil natürlich das Patchworken etwas Zeit in Anspruch nimmt, ansonsten ist das ein schneller Schnitt, weil ja nichts angepasst werden muss. Und um noch eine weitere Frage zu beantworten: innen sind zwar viele Nähte, aber mich kratzt oder stört da nichts, auch wenn ich das Teil direkt auf der Haut trage. Und das sagt jemand, der sich Rückenschildchen immer sofort aus fertig gekauften Sachen raustrennt, weil die mich wahnsinnig machen!

Das war’s erst mal. Ich geh mich trendgerecht mal wieder über mein Enkelkind freuen, während der Weg an die Küste ziemlich weit ist (zum Glück wohnt der Öggelmann in Köln, das ist noch erreichbar). Aber ich fürchte, ‚Sauerland-Großmutter‘ hört sich einfach nicht stylish genug an, was meint ihr?

Blaue Stunde

Als ich mir rückwirkend angesehen habe, was ich in letzter Zeit genäht habe, musste ich feststellen: alles blau. Sogar die Filzhülle für meinen neuen E-Reader. Passiert euch das auch manchmal? Geplant war das nämlich nicht.

Fangen wir mit diesem Hemd an. Ich fürchte zwar, ich habe bei der Stoffauswahl einen Fehler gemacht (notiert hatte ich, dass es sich um 80% Baumwolle und 20% Kunstfaser handelt, aber höchstwahrscheinlich ist es genau anders rum) – ich muss mal abwarten, wie es sich trägt. Aber von der Optik her ist es eine gute Mischung zwischen Leinenbluse und Jeanshemd. Also genau mein Ding.

Der Schnitt ist mal wieder mein Verena-Fertigschnitt von 1993, den ich vermutlich verwenden werde, bis das dünne Papier sich in seine Bestandteile auflöst. Aber mir gefällt der Oversized-Look, und überhaupt bin ich ja kein Freund von neuen Schnittmustern, zumal wenn ich sie auskopieren muss.

Leider hatte ich außen am Kragen nicht aufgepasst und tatsächlich fing es da an auszufransen, weil die Nahtzugabe quasi nichtexistent war. Bevor ich aber den ganzen Kragen wieder abmontieren müsste, rät mir meine Faulheit lieber zu Alternativ-Lösungen – zum Beispiel in Form dieses Zierbands, das ich von Hand aufgenäht habe, um das Gefranse zu verstecken. Und tatsächlich finde ich, dass es als Design-Element gar nicht übel aussieht.

Der Karostoff am Kragen gehört zu diesem Kleid:

Ursprünglich war es ein Sack, da gibt es nichts dran zu rütteln. Stellt es euch zehn Zentimeter länger vor (das habe ich leider/zum Glück nicht fotografisch festgehalten) und seht euch an, was passiert, wenn man es in seiner ganzen Weite betrachtet:

Ein halbes Jahr früher hätte ich es meiner schwangeren Schwiegertochter leihen können. So aber habe ich es nicht nur gekürzt, sondern auch Bindebänder in der Seitennaht mitgefasst, die ein bisschen Weite nach hinten wegnehmen.

Es ist gar nicht so viel, aber es macht den Unterschied. Wie ihr erkennen könnt, ist der Stoff eine Spur durchscheinend und deshalb total leicht – ein angenehmes Sommerkleid!

Das dritte blaue Stück ist diese kurzärmlige Bluse. Die bedruckte Viskose fiel mir mal wieder im Tedox als Reststück vor die Füße, und da ich schon länger wissen wollte, ob dieses in letzter Zeit so hochgelobte Material was für leichte Sommersachen taugt, musste es natürlich mit. Ich bin in dieser Hinsicht noch unschlüssig; im Achselbereich ist die Bluse etwas eng, der nächste Versuch sollte deutlich lockerer werden. Was sind eure Erfahrungen mit Viskose?

Gleichzeitig habe ich auch eine Restrolle klare Kunststoff-Folie gekauft – keine Ahnung, was man normalerweise damit macht, ich verwende sie jedenfalls ab sofort, um langlebige Schnittmuster damit auszuschneiden.

Da ich ja meinen selbstgezeichneten Grundschnitt immer wieder verwende, lohnt sich das vermutlich. Netter Nebeneffekt ist, dass man bei Mustern sehr gut erkennen kann, wo sie liegen (auch wenn ich selten sehr große Muster vernähe) und dass man mit Folienstiften alles Mögliche nicht nur markieren, sondern auf Wunsch auch wieder entfernen kann. Und schließlich kann man selbst bei den Burda-Musterbögen gut nachzeichnen, wo die einzelnen Schnitt-Teile verlaufen. Der einzige Nachteil: man muss die Folienschnitte aufrollen, denn wenn man sie faltet, kriegt man sie nur ganz schwer wieder glatt. Dafür werde ich also zukünftig die Papprollen von Geschenkpapier verwahren.

Jetzt geht es erst mal in den Urlaub, und für die Zeit danach habe ich schon weitere Pläne. Zum Beispiel möchte ich mir noch eine Hose nähen. Natürlich in Blau. Was sonst?

Mix & Match

Wie ihr seht, habe ich mal wieder meine Reste begutachtet und verarbeitet. Ob ich mit dieser Kombi oft vor die Tür gehen werde, weiß ich noch nicht – eventuell bietet mir noch ein BVB-Fan an, mit ins Stadion zu kommen? (Versteht mich nicht falsch, der Verein stimmt schon, aber als krasser Anhänger wollte ich mich auch nicht outen.) Und die Farbstellung ist schon ziemlich auffällig, oder?

Vielleicht ist es mit den Pastellfarben einfacher, denn mit denen habe ich mir auch ein Top genäht.

Kann sein, dass der Rock schon mal in diesem Blog aufgetaucht ist. Beziehungsweise sein Vorgänger, der mir irgendwann leider etwas zu eng geworden ist, nachdem ich meine Vorliebe für abendliche Desserts mit Eiscreme entdeckt hatte. Aber es war noch genug Stoff da, um denselben Schnitt (soweit ich mich erinnern kann, aus einer BURDA Easy) mit etwas mehr Nahtzugabe zu nähen. Ich mag einfach die Farben so gern.

Hier auch die ungebügelte Rückenansicht. Meine Erfahrung mit diesem naturfarbenen Baumwollstoff ist, dass er nach einigen Wäschen etwas weicher und bügelfreundlicher wird, da hoffe ich wieder drauf.

Hier ein Tragefoto, wie wir es ja beim Me Made Mittwoch gerne sehen. Und wenn es mal nicht so sonnig ist, passt auch eine Bluse zu dem Rock, die ebenfalls schon etwas älter ist.

Ich hab etwas den Überblick verloren, welche Stücke ich hier schon vorgestellt habe und welche nicht – aber im Grunde geht es beim Nähen ja auch nicht darum, immerzu etwas Neues zu produzieren, so schön das auch ist, sondern sich eine Garderobe zusammenzustellen, die ebenso zu einander passt wie zum Leben der Trägerin. Und augenblicklich ziehe ich Sachen in dieser Farbstellung total gerne an.

Dieses Foto gibt leider das blaustichige Rosa des Stoffes (ein fabelhafter Doubleknit, bestellt bei stoffe.de) nicht exakt wieder, und ich finde auch keine Funktion, mit der ich es drehen kann. Da müsst ihr also jetzt durch, denn das ist auch ein nähtechnischer Meilenstein des Monats: Oma und der Öggelmann im Partnerlook. Gemeinsam getragen wurde es noch nicht, hoffen wir mal, dass die Oma nicht rauswächst, bevor der Enkel reingewachsen ist. Sonst war’s das dann wohl endgültig mit dem abendlichen Dessert.

Nun ist der Mai auch schon vorbei

Seit Jahres verfolge ich die Aktion „Me Made May“, bei der Kreative sich vornehmen, jeden Tag des Monats selbstgemachte Sachen zu tragen – manche von Kopf bis Fuß einschließlich Schuhe und Unterwäsche, andere (z.B. ein Weichei wie ich) beschränken sich da lieber auf wenigstens ein selbstgefertigtes Kleidungsstück pro Tag. Aber immerhin war ich auf Instagram dabei!

Manchmal war es ein Pullover wie dieser Baumwollpulli aus Resten, dessen Farben mich immer an Eiscreme erinnern (bis aufdas Schwarz natürlich).

Manchmal entdecke ich auch Sachen in meinem Schrank, die ich total cool fand, als ich sie genäht habe – und dann prompt ein wenig vergaß. Wie dieses Sweatshirt hier. Dabei scheint es mir typisch zu sein für die Art, wie ich nähe.

Das Shirt hier ist brandneu. Ich hatte es noch nicht an, weil es momentan affenkalt ist und wir (nicht nur, aber auch wegen Putin) nicht bereit sind, die Heizung wieder anzustellen. Aber es zeigt sehr schön, wie ich ticke, denn es besteht aus drei verschiedenen Stoffresten – alle für sich nicht ausreichend, um daraus ein Einzelteil zu nähen – und einem Zierband – die horte ich, als ob es nächstes Jahr keine mehr gäbe – sowie einer kleinen Auswahl von Knöpfen aus meiner Sammlung. Inspiration dafür war eine Bluse, die ich auf Pinterest gesehen hatte.

In meinem Nähkeller liegen zur Zeit mindestens acht Stoffstapel, aus denen ich weitere Blusen, Hemden u.ä. nach diesem Prinzip nähen könnte. Und das beabsichtige ich auch, weil ich mal wieder festgestellt habe, dass ich zwar nie Lust habe, neue Schnitte auszukopieren, aber ohne Probleme Stunden damit verbringen kann, die optimale Kombination von Mustern und Farben auszutüfteln. Ich verspreche mir davon erstens den Abbau meiner Vorräte, vor allem der Stücke, die nicht mehr einzeln zu verwerten sind (es sei denn, ich beginne wieder mit der Produktion von Babysachen für den mittlerweile fast 8 Wochen alten und mit Kleidung augenblicklich gut versorgten Öggelmann). Zweitens könnte ich mir vorstellen, dass dabei sehr originelle Sachen entstehen. Wenn sie mir an meiner Person nicht gefallen, kann ich sie immer noch der Kleiderkammer im Sozialen Bürgerzentrum stiften, wo sie vielleicht auf andere Liebhaberinnen treffen. Aber vor allem macht es mir drittens einfach Spaß.

Manchmal bin ich total begeistert, manchmal eher skeptisch (so wie auf diesem Foto), aber grundsätzlich finde ich es einfach spannend, sich auf solche Abenteuer einzulassen. Denn so fühlt es sich an, weil man vorher nie weiß, wie der Gesamteindruck des fertigen Teils sein wird.

Ich glaube, dieses Oberteil habe ich schon mehrfach gezeigt, es gehört zu meinen Lieblingsstücken. Jeder der verwendeten Stoffe steht für ein anderes Stück, das ich vorher genäht habe. Aber in der Kombi wirkt es wieder ganz anders. Da braucht es keine raffinierten Schnitte, auch wenn sie mich bei anderen immer zu neiderfüllten Seufzern bewegen. Je einfacher, desto besser lautet die Devise, wenn man so viele Stücke zu einem neuen Textil zusammenfügt. Das ist mein Ding. Momentan jedenfalls.

Damit ich zum Me-Made-Mittwoch aber wenigstens noch was Neues mitbringen kann, zeige ich euch zum Schluss meinen gerade fertiggestellten Pullover.

Natürlich ist er unifarben und völlig ohne Patchwork. Er besteht nicht aus Resten, sondern aus extra dafür angeschaffter Wolle. Er ging noch nicht mal schnell von der Hand (bereits im März angefangen, jetzt endlich zusammengenäht). Ihr merkt: mir muss man nicht widersprechen. Man kann einfach abwarten, bis ich es selber tue.

Manchmal kommt es anders

Kennt ihr diese Sätze, die mit „eigentlich“ anfangen? Meistens kommt da ein dickes „aber“ hinterher. Gutes Beispiel: Eigentlich hatte ich mir nämlich vorgenommen, keinen neuen Stoff mehr zu kaufen. (Ich höre schon das höhnische Gelächter aus den MMM-Kulissen, denn da gibt es eine Menge Frauen mit viel Erfahrung, die es besser wissen.) Deshalb habe ich auch monatelang der Versuchung widerstanden, den Jacquard Cotton von Merchant&Mills zu bestellen, auch wenn ich ständig wieder neue tolle Sachen daraus auf Instagram fand. Natürlich trug der Preis von 24 Pfund pro Meter (120 cm breit) plus Porto ebenso zu meiner Standhaftigkeit bei wie meine Unentschlossenheit, was die zu wählende Farbe anging.

Dann verschlug mich das Schicksal zu JYSK (the store formerly known as Dänisches Bettenlager), und da lag auf einem Ausstellungssofa eine Decke in einer sehr ähnlichen Verarbeitung. Farbe: ein matt hingehauchtes Orange. Größe: 130 x 170 cm. Preis: keine 33 Euro. (Ich weiß, als Blogger weist man jetzt darauf hin, dass diese Angaben KEINE WERBUNG sind und man dafür nichts bekommt außer Freude und den Kassenbeleg, weil man das Zeug ordnungsgemäß erworben hat.)

Am selben Abend noch habe ich mir eine Jacke genäht.

Ich wusste sofort, ich wollte so ein „worker jacket“ haben und hätte natürlich auch den entsprechenden Schnitt kopieren können (z.B. „Madou“ aus der neuen Fibremood), aber ich gestehe, noch nicht mal dazu hatte ich genug Geduld. Es musste wieder mein heißgeliebter Grundschnitt herhalten, den ich ja für fast alle Kleidungsstücke verwende, die oberhalb der Taille getragen werden. Hier seht ihr sie auch von hinten:

Immerhin habe ich mir die Mühe gemacht, alle offenen Kanten mit Schrägband einzufassen, das ich aus Reststücken des Stoffs zugeschnitten habe, denn zwischen den beiden Lagen Baumwollcrinkle befindet sich noch eine Schicht Füll-Vlies, die abgedeckt werden sollte. Die Stoßbänder, mit denen Schulter- und Ärmelnaht versteckt sind, stammen von dem Band, mit dem die Decke wie ein Geschenk zusammengebunden war. Ich habe sogar daran gedacht, einen Aufhänger in die Kragennaht einzuarbeiten. Als mir ein winziges Stück Schrägband an einer der Taschen fehlte, habe ich das durch ein Etikett mit meinem Blognamen verdeckt, das ich neulich bei Nominette bestellt hatte.

(Keine Ahnung, warum meine Kamera hier das Orange nicht mochte.)

Und dann habe ich meine Jacke wieder anprobiert. Und festgestellt, dass der Kragen ziemlich weit vom Hals abstand. Irgendwie muss ich mich vermessen haben, wie das halt geht, wenn man so im Rausch ist. Dazu kam, dass der Stoff sich ordentlich dehnt. Den Kragen hätte ich neu zuschneiden können. Den Halsausschnitt aber nicht.

Deshalb kommt hier das gestreifte Zierband ins Spiel. Das habe ich von außen so auf den Kragen gesetzt, dass ich ihn um insgesamt mehr als 5 cm einhalten konnte. Jetzt steht er erstens besser hoch, was ja immer so cool aussieht, und zweitens leiert er nicht weiter aus.

Ja, der Kragen ist immer noch recht halsfern (leider kann ich euch mal wieder keine Vorher-Ansicht zum Vergleich zeigen), aber zumindest sieht er nicht mehr aus, als hätte ich die Jacke einem 220-kg-Gorilla weggenommen. Und das Band wirkt doch wirklich wie „muss so“, oder?

Hier könnt ihr außerdem erkennen, dass ich soweit wie möglich die Außenkanten der Decke verwendet habe – die Rundung an der Unterkante finde ich super, und so symmetrisch hätte ich ich sie selbst vermutlich nie eingefasst bekommen. (Was ich spätestens bei der Herstellung der Taschen gemerkt habe.) Die bronzefarbenen Kam Snaps sehen aus, als wären sie genau für diesen Farbton angefertigt worden.

Ich war sogar heute schon mit meiner Jacke unterwegs. Der Wärmeeffekt ist ungefähr so, wie ich mir das vorgestellt habe – muckelig, aber nichts für Arktis-Expeditionen. Und zum Me Made Mittwoch im Mai darf sie natürlich auch.

Ansichtssache

Was treibt eine Frau Mitte Sechzig an einem sonnigen Sonntag dazu, in mehreren mühsamen Anläufen mit Selbstauslöser ihren Hintern zu fotografieren, um ihn dann ins Internet zu stellen? Da kann es doch nur eine logische Erklärung geben: sie führt einen Nähblog und hat sich eine Hose genäht.

Das Material: ein dunkelblauer, leicht ins Petrol tendierender Feincord. Er lag schon länger im Fundus, weil ich mehrfach geschwankt hatte, ob daraus nicht doch lieber eine Jacke werden sollte – aber die Überprüfung der Bestände ergab eindeutig, dass es in meinem Schrank reichlich Jacken und andere Oberteile gibt, eine weiter geschnittene blaue Hose jedoch nicht.

Der Schnitt war bereits vorhanden, denn schon vor einiger Zeit habe ich ja meine Hosen-Phobie überwunden und mir unter anderem eine Bundfaltenhose nach einem alten Patrones-Schnitt genäht. Dabei nahm ich mir vor, bei einem weiteren Einsatz des Schnittes die Taille weiter zuzuschneiden, damit die Bundfalten etwas tiefer werden.

Dieses Bild zeige ich mit weniger Begeisterung als das von meiner Kehrseite. Zum einen habe ich mir inzwischen abgewöhnt, Shirts in den Bund zu stecken und dadurch meiner Taille noch etwas mehr Volumen zu verleihen, aber so sieht man nun mal die komplette Hose am besten. Zum anderen zeigt sich deutlich, warum man die Passzeichen nicht leichtfertig ignorieren und die Falten nach eigenem Geschmack legen sollte – sie fallen dann einfach nicht so schön wie geplant. Aber ich fand es nun auch wieder nicht so schlimm, dass ich dafür den Bund abtrennen und alles von vorn beginnen sollte – wer weiß, was für Katastrophen sich daraus ergeben würden … Man sollte das Schicksal nicht unnötig herausfordern! Deshalb bleibt das jetzt so.

Ich hatte nämlich schon vorher einen Aha-Moment. Weil ich mir, wie gesagt, vorgenommen hatte, den Schnitt an der Taille weiter zu machen, hat sich das in meinem Unterbewusstsein wohl so eingeprägt, dass ich alle Schnittteile mit mehr Nahtzugabe zugeschnitten habe. Ergebnis der ersten Anprobe: viel zu weit! Ich musste an jeder Außenkante fast einen Zentimeter wegnehmen. Da waren aber die Taschen schon fertig, so dass die Eingriffe jetzt wesentlich enger sind. Aber weil ich die Hände noch ohne Probleme reinschieben kann, habe ich das in Kauf genommen.

Dermaßen ermutigt habe ich dann mit demselben Schnitt eine weitere Hose zugeschnitten, dieses Mal aber mit den vorgegebenen Nahtzugaben. Auch hier fangen wir mal mit der Rückansicht an:

Vermutlich sind nur ganz wenige Frauen mit jedem Aspekt ihres Körpers zufrieden, und ich mache da keine Ausnahme. Meine Sitzfläche und ich sind nicht immer glücklich miteinander. Aber abgesehen davon, dass ich hier wohl etwas schief stehe, bin ich doch positiv überrascht. Ja, die Taschen springen leicht auf – da hätte ein Zentimeter mehr Stoff nicht geschadet. Aber insgesamt bin ich ganz angetan. Auf jeden Fall hatte ich schon teure Kauf-Hosen, die längst nicht so gut gesessen haben.

Hier mal eine Seitenansicht mit leichter Bügelkante. Der Stoff stammt – wie sollte es anders sein – aus dem Tedox; eine Baumwoll-Poly-Mischung, die eigentlich als Deko-Stoff ausgewiesen war. Sie trägt sich gut, allerdings wird erst der Dauertest zeigen, ob es eine gute Idee war, daraus eine Hose zu nähen.

Dazu die Vorderfront (ebenfalls mit widerwillig eingestecktem Shirt) und eine Nahaufnahme:

Ich habe nun mal eine Schwäche für Grau einerseits und strukturierte Stoffe andererseits und hoffe jetzt auf gutes Wetter, um das neue Teil auch ausführen zu können. Zu Ostern vielleicht?

Zum Schluss übernehme ich noch einen Ausdruck, der mir erst beim Lesen von Näh-Blogs untergekommen ist, und zeige euch hiermit die „hundertdrölfzigste“ Version meines Schlichten Grundschnitts für Oberteile, dieses Mal aus einem leichten Strickstoff in Beige-Braun, eine für mich eher ungewöhnliche Farbe. Aber plötzlich finde ich, dass sie in Kombination mit meiner blauen Cordhose gar nicht schlecht aussieht. (Von den Falten mal abgesehen, die ich vor dem Selfie hätte wegstreichen können.)

Diese Woche ist wieder Me-Made-Mittwoch, und da werde ich natürlich meinen Hintern auch noch hinbewegen. Habt ihr auch frisch genähte vorösterliche Kleidungsstücke, die ihr dort vorstellen möchtet?

Minusgrade

Zum einen wortwörtlich. Vor allem nachts, während tagsüber die Sonne so tut, als ob es schon Frühling wäre. Aber ich lasse mich da nicht täuschen und dazu verführen, meine warmen Pullover schon wegzulegen. Im Gegenteil, ich habe gerade noch einen fertiggestellt zum Einkuscheln. Wieder ist es eine Mischung aus dunkelrotem Sockengarn und einem Kidsilk-Garn von DROPS. In der Nahaufnahme sieht man es besser, genau wie auch das Flechtmuster auf dem Vorderteil:

Das Rückenteil ist langweilig glatt, das habe ich zuerst gestrickt. Dann fand ich die Anleitung für dieses Muster auf Pinterest und habe es am Vorderteil gleich ausprobiert. Der Vorteil ist, dass ich jetzt schon von weitem und ohne Brille erkennen kann, wo an diesem Pulli vorne und hinten ist.

Bei anderen Teilen ist das nicht so einfach. Deshalb habe ich an diesem Pünktchenshirt mal wieder einen Stern aufgesetzt.

Sonst gibt es dazu nicht viel zu sagen – der Stoff war ein Rest von stoffe.de aus dem letzten Sommer, den ich jetzt endlich mal verarbeitet habe.

Ja, ich habe mal wieder was für mich genäht. Wenn auch nichts besonders Spannendes. Zum Beispiel diesen Nickipullover:

Angeblich ist dieser Stoff grau, aber das kann ich nicht so recht glauben. Für mich sieht er eindeutig grün aus, nicht nur auf dem Foto. Deshalb habe ich auch einen grünmelierten Rippenstrick für die Bündchen verwendet. Und um es noch deutlicher zu machen, einen silbergrauen Stern aufgenäht.

Aber Minusgrade gibt es augenblicklich ja auch im übertragenen Sinn. Wer hätte geglaubt, dass es plötzlich wieder Krieg gibt in Europa? Da werde ich an bessere Zeiten erinnert, als unsere damaligen Nachbarn gelegentlich Besuch aus der Ukraine hatten. Manchen Sommerabend haben wir miteinander am Lagerfeuer gesessen und ‚ukrainische Volkslieder‘ gesungen – darunter fiel alles, was in der Mundorgel stand und mit der Gitarre begleitet werden konnte. Inzwischen sind die Söhne erwachsen und müssen ihr Land verteidigen. Ich mag gar nicht darüber nachdenken.

Im Zuge dieser Erinnerungen habe ich auch eine Strickjacke wieder ausgegraben, die schon etwas älter ist, aber noch nicht verbloggt. Als ich sie strickte, um Reste zu verbrauchen, habe ich bestimmt noch gar nicht an einen Blog gedacht.

Schwarz-weiße Streifen zwischen unterschiedlichen Farben ist offensichtlich ein wiederkehrendes Thema bei mir. Gefällt mir auch immer noch! Und weil ich gerade das Hemd trage, das mir mein Sohn vererbt hat, zeige ich euch das auch noch.

Ihm war es zu eng und mir zu weit, also habe ich es mir etwas enger gemacht. Wenn ich jemals in einem Stoffgeschäft über so einen Stoff stolpere, würde ich ihn in allen Farben kaufen. (Aber vermutlich hat der Textilschwede, von dem das Hemd stammt, alle Bestände abgegriffen.)

So, das war der Bericht über alle meine textilen Aktivitäten dieses Monats, mit dem ich mich jetzt zum Me Made Mittwoch begebe. Aber wie immer in den letzten Monaten will ich euch auch ein paar Dinge nicht vorenthalten, die für den Öggelmann entstanden sind.

Vielleicht lässt sich erkennen, dass dazu noch ein paar weitere Hemden verwendet wurden. Wenn das Kind erst mal da ist, hoffe ich auf Tragefotos.

Bis dahin lasst uns für Frieden beten (falls ihr das von eurer Überzeugung her könnt) und hoffen, dass sich die kriegerischen Auseinandersetzungen so schnell wie möglich beilegen lassen.

Philosophisches aus dem Nähkeller

In diesem Monat habe ich absolut nichts für mich selber genäht. Aber weil ich gestern ein Kleid anhatte, das eines der ersten Stücke war, die ich nach jahrelanger Nähmaschinen-Abstinenz hergestellt habe, kam mir der Gedanke, mich hier mal eher grundsätzlich zu den Erkenntnissen zu äußern, die ich dazu hatte. Ich habe viel Verständnis für alle, die darauf nicht so viel Bock haben – beim Me-Made-Mittwoch im Februar findet ihr hoffentlich genug neue Anregungen und Schnitte, so dass ihr ohne Bedenken weiterklicken könnt.

Hier erstmal das gute Stück:

Es handelt sich also um ein graues Sweat-Kleid mit Stehkragen und einer Tasche. Die ist ziemlich groß und unversäubert mit Zickzack-Stich aufgesetzt. Ich erinnere mich noch, dass ich eigentlich zwei symmetrische Taschen aufnähen wollte, dann aber die Panik bekam, weil mir klar wurde, dass ich die nie und nimmer genau auf gleicher Höhe hinkriegen würde. Außerdem war die eine schon so groß und so sehr in die Mitte gerückt, dass es gar nicht gepasst hätte.

Inzwischen würde ich mich vermutlich eher zu einer großen Känguruhtasche entscheiden, in die man so schön beide Hände stecken kann, aber die Idee ist mir offensichtlich damals nicht gekommen. Schön finde ich nach wie vor den Kragen mit der farblich genau passenden Kordel (ich will nicht ausschließen, dass das mal ein Schnürsenkel oder ein Anorakband war, denn als die Kinder noch zuhause wohnten, hatte ich die in allen Farben und Längen in Reserve).

Das Kleid ist 2017 entstanden, als ich noch keinen Overlocker hatte. Ich erinnere mich, dass ich damals im Tedox diesen dicken Sweatstoff entdeckte und auf der Stelle mehrere Meter kaufte, ohne zu wissen, was ich daraus nähen würde. Im Prinzip habe ich dieses Verhalten immer noch: erst kommt der Stoff, dann der Plan. Das Problem ist, dass ich dadurch oft entweder zu wenig Stoff habe (dann wird der Plan zähneknirschend umgeworfen) oder zu viel. Diese Überbleibsel stapeln sich dann in meinen Aufbewahrungskisten und bringen mich gelegentlich zur Verzweiflung, weil ich einen Keller voll Stoff habe und trotzdem oft genug nicht das Passende für meine Projekte.

Mit der Verarbeitung des Kleides bin ich längst nicht mehr zufrieden – es wäre ja auch traurig, wenn man in fünf Jahren nichts dazugelernt hätte. Aber zu meiner Überraschung ziehe ich es immer noch gerne an. Merke: es kommt nicht so sehr auf die perfekte Technik an, sondern darauf, dass das Kleidungsstück zum Leben passt! Und das tut es, kuschlig und bequem wie es ist. Gestern durfte es unter dem gelb-grau gestreiften Mantel, den ihr im Hintergrund an der Garderobe seht, sogar mit zu einer Foto-Ausstellung.

Habe ich etwas über mich gelernt? Ich bin ein Hamster. So sehr ich versuche, dagegen anzugehen, ich werde wohl immer wieder Stoff kaufen ohne zu wissen, wie viel davon ich für mein Projekt brauche. Manchmal entstehen dann Teile, mit denen ich versuche, Herr über meine Restekisten zu werden:

Aber machen wir uns nichts vor, das beseitigt nur die Spitze des Eisbergs.

Dass ich außerdem wenig Lust auf ständig neue Schnitte habe, zieht sich ja bereits seit Jahren durch diesen Blog. Da bewundere ich diejenigen, die Schnitte aus den Burda-Stadtplänen kopieren oder sich neue Schnittmuster kaufen und erst mal auf der Festplatte parken, bis sie sie dann wohlgeplant und mit viel Hingabe umsetzen. Aber es ist ja gut, dass wir verschieden ticken, oder?

Außerdem habe ich jetzt eine ganz neue Möglichkeit, meine Reste abzubauen: der für April angekündigte Öggelmann. Für den nähe ich, bis einer kommt und es mir verbietet. Es ist Entspannung pur, in den Keller zu gehen und z.B. einen Dufflecoat zu fabrizieren:

Oder einen Superhelden-Einteiler:

Okay, ihr habt mich ertappt. Der Batman-Stoff ist natürlich kein Rest eines Stückes, aus dem ich mir schon ein T-Shirt genäht habe, den habe ich neu gekauft. Ich habe auch noch etwas mehr davon. Aber der Junge wird ja auch wachsen und braucht dann bestimmt noch ein T-Shirt.

Basics mit Stern

Weihnachten zuhause. Silvester zuhause. Da stand mir der Sinn – ganz unabhängig von der Tatsache, dass ich momentan sowieso hauptsächlich Babysachen fabriziere – nicht nach schicken Kleidern oder ähnlich aufwändigen Projekten. Stattdessen habe ich mir ein paar neue Basics für meine Home-Office-Uniform genäht, die sich hauptsächlich aus Jeans und Pullover zusammensetzt.

Zum Beispiel dieses graue Sweatshirt. Das ist zeitlos, bequem und trägt zum Projekt Stoffabbau bei, weil ich diesen French Terry mal „für alle Fälle“ mitgenommen hatte. An was für Fälle hatte ich dabei wohl gedacht? Aus einem grauen Sweatstoff näht man nun mal ein graues Oberteil. Den passenden Bündchenstoff hatte ich auch. Alles lief wie am Schnürchen. So gefällt mir das.

Wenn irgendwas so problemlos funktioniert, werde ich sofort zum Wiederholungstäter. Und der schwarze Sweat lag ja auch schon länger da, genau wie der Rippenstrick für die Bündchen, den ich in vielen Varianten besitze. Also gab es das nächste Sweatshirt in freundlichem Schwarz.

Aber fällt euch was auf? Da hat sich doch jeweils ein Stern reingemogelt! Vielleicht weil Weihnachten war?

Vielleicht lag es eher daran, dass ich irgendwo (TEDI? KiK? Drogeriemarkt?) eine Tüte mit Sternen erworben habe. Vermutlich nicht unbedingt als Aufnäher für Kleidungsstücke gedacht, aber da sie bereits erste Durchgänge in der Waschmaschine unbeschadet überstanden haben, ist mir das ziemlich egal. Hier seht ihr meinen restlichen Vorrat, der noch auf seinen Einsatz wartet:

Ihr ahnt schon, was euch in nächster Zeit erwartet. Dunkelblauer Sweat ist jedenfalls bereits vorhanden …

Bevor ich mich damit zum nächsten Me Made Mittwoch begebe, bei dem es auch im neuen Jahr bestimmt deutlich interessantere Kleidungsstücke zu bewundern gibt, schummele ich aber fix noch die Collegejacke ein, die ich für das im Frühjahr zu erwartende Enkelkind genäht habe. Dafür kam nämlich ein Rest des schwarzen Sweatstoffs zum Einsatz, und auch Ärmel und Streifenbündchen stammen von Materialien aus meiner Restekiste. Sogar der typische Buchstaben-Aufnäher fand sich in den Beständen.

Gut, dass ich auf diese Weise die Wartezeit überbrücken kann. Und dass die Schwiegertochter sich bisher noch über alles freut, was ich hergestellt habe. Wenn sie das nicht mehr tut, kann ich mir immer noch zusätzliche Sweatshirts nähen. Mit Sternen.

Etwas Warmes braucht der Mensch

Seit ich weiß, dass ich Oma werde, habe ich das Nähen für mich selber erst mal eingestellt. Stattdessen werden momentan in meinem Nähkeller alle möglichen Reste verarbeitet, denn der Neuankömmling (Codename „Öggelmann“) braucht ja im Frühjahr was zum Anziehen, und nach dem Motto „Nähen statt Kaufen“ werde ich dazu möglichst viel beisteuern. Weil es nicht nur sinnvoll ist, sondern auch Spaß macht.

Wer Pinterest hat, braucht sich noch nicht einmal Schnittmusterbücher anzuschaffen. Denn es gibt tolle Anleitungen für Baby-Bodys …

… oder Hosen …

… oder „Wo ist Walter“-Longsleeves …

(wobei ich mir den Schnitt in Anlehnung an den Body selber so angepasst habe, dass sich Vorder- und Rückenteil an der Schulter zum einfacheren Anziehen überschneiden). Mein Lieblingsteil ist augenblicklich aber ein Hemd:

Nachträglich finde ich ja, dass die Tasche etwas größer sein könnte, aber da der Träger vermutlich sowieso nichts hineinstecken wird, bleibt das jetzt so.

Nun ist morgen wieder Me Made Mittwoch, und da sind Tragefotos erwünscht. Was tun, wenn der zukünftige Träger der Stücke noch ungeboren ist und man selbst nichts Neues genäht hat? Zum einen präsentiere ich einfach noch mal die Bluse, von deren Herstellung dieser Stoffrest übriggeblieben ist.

Sie war einer der ersten Versuche, und ich bin erstaunt, wie oft ich sie anziehe, obwohl ich mir ihrer Unzulänglichkeiten bewusst bin. Aber demnächst können der Öggelmann und ich dann im Partnerlook auftreten.

Neu ist hingegen der Pullover. In dieser Jahreszeit können mir die Sachen gar nicht warm genug sein, und so habe ich für dieses Teil eine relativ dicke Sockenwolle aus meinen endlosen Beständen zusammen mit Kid Mohair von Drops verstrickt. Das ging schön schnell, weil die beiden Fäden zusammen ordentlich räumen und die geraden Teile nicht kompliziert sind.

Das ist nun meine Uniform für jeden Tag, weil ich das Haus so selten wie möglich verlasse. Auch als komplett Geimpfte habe ich Respekt vor den neuen Varianten, und meine Booster-Impfung ist noch nicht dran. Da bleibe ich doch lieber zuhause und treffe mich nur virtuell mit Gleichgesinnten. Gut, dass es diese Plattformen gibt, und vielen Dank an das Team, das den MMM weiterhin aufrecht erhält.