Whatever it takes…

… to stay warm! Als bekennende Frostbeule suche ich momentan nach den wärmsten Kleidungsstücken im Schrank. Eins davon ist diese Strickjacke. Sie ist nicht nur super-gemütlich, sondern auch insofern etwas Besonderes, als ich sie fast komplett nach Anleitung gestrickt habe, und zwar aus dem „Filati“-Heft Herbst/Winter 2008/09:

Nur auf den Stehkragen habe ich verzichtet, weil ich Angst hatte, es würde zu kratzig am Hals. Hier also meine Version:

Gestrickt schon vor ein paar Jahren aus Gedifra Golden Tweed. Ein echtes Öfchen!

Und für das erste in diesem Jahr entstandene Kleidungsstück bin ich auf den neuen Trend aufgesprungen – ein „Shacket“ ist offensichtlich die Kombination aus „Shirt“ und „Jacket“, und das sieht bei mir so aus:

Ich hatte mich schon lange gefragt, was ich mit einem anthrazitgrauen Wollstoff anfangen sollte, den ich mal irgendwann günstig bekommen hatte, weil er wegen Webfehlern nicht komplett verwendbar war. Auf der Fahndung nach den wärmsten Materialien im Fundus tauchte er wieder auf und kam als Probestück sofort unters Messer auf den Zuschneidetisch.

Als Schnittmuster habe ich „Isra“ aus der Fibremood verwendet, allerdings ohne die Teilungsnähte. Und, wie mir erst hinterher auffiel, ohne die Ärmelbündchen, weshalb die Ärmel eher dreiviertel lang sind. Ich bin immer noch unentschlossen, ob ich sie nachträglich mit Bündchen verlängern soll. Genügend Stoff wäre auf jeden Fall da. Aber dagegen spricht sowohl meine Faulheit als auch die Tatsache, dass ich Ärmel sowieso meistens hochschiebe.

Auch in diesem Fall hatte ich etwas Sorge um meinen kratz-empfindlichen Hals, denn … Wollstoff?!? Da habe ich doch lieber wieder das getan, was ich in letzter Zeit bei all meinen Blusen gemacht habe: Innensteg und Unterkragen aus einem Kontraststoff nähen. Ursprünglich gab es auf dem linken Vorderteil auch noch eine aufgesetzte Tasche aus dem Hahnentritt, aber bei der Anprobe gefiel mir das überhaupt nicht mehr, also habe ich sie wieder abgetrennt.

Insgesamt ist das Stück eher schlicht. Die abgerundeten Säume, die beim Rückenteil länger sind als vorne, wurden vom Originalschnitt übernommen. Die roten Kam-Snaps bilden noch einen kleinen Farbtupfer. Zwischenzeitlich hatte ich mal Sorge, das Stück könnte zu Trachten- oder Jäger-mäßig daherkommen – tut es aber nicht, so lange ich keine Edelweiß-Aufnäher oder Bordüren aufbringe. Sogar mein Mann hat mir ein Lob für mein neues „Shacket“ ausgesprochen, und das will was heißen!

Und wie ihr seht, strahlt sogar die Sonne heute. Fürs Fotografieren auch wieder nicht optimal, aber ich werde nicht klagen, wenn sie mal scheint! Stattdessen warte ich mal ab, was die anderen Kreativen bei Du für Dich am Donnerstag so vorzuführen haben.

Und nun kommt noch ein kleiner Werbeblock, weil am Sonntag Valentinstag ist: wenn man sonst schon nichts machen kann und in manchen Bundesländern sogar die Blumenläden geschlossen sind, habe ich hier eine kleine Valentinsgeschichte für euch zum Selberlesen oder Weitergeben. Viel Spaß!

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Lockdown-Couture

Was machen diese Lockdown-Zeiten mit euch? Mir gehen sie langsam an die Nerven. Komplette Gesichter sieht man nur noch auf Bildschirmen. Wenn ich wirklich mal das Haus zum Einkaufen verlasse, fühle ich mich als Brillenträgerin immer wie im Nebel, weil ich bisher noch keine FFP2-Maske gefunden habe, die mir wirklich passt (was auch nicht gerade für die Sicherheit spricht). Schön war es wenigstens, als genug Schnee lag, so dass die Familien den Rodelhang hinter unserem Garten nutzen konnten, da konnte ich mich richtig mitfreuen.

Genäht habe ich dieses Jahr noch gar nichts. Aber mir fielen einige Sachen in die Hände, die noch letztes Jahr entstanden sind, jedoch noch nicht fotografiert werden konnten. Im Prinzip sind es unspannende ‚Basics‘, aber gerade die braucht man ja momentan am meisten. Also ab in den Nähkeller, wo das Licht wenigstens halbwegs mitspielt.

Noch rechtzeitig vor dem Lockdown habe ich ein paar gestreifte Jersey-Stoffe bei Stoffe Werning kaufen können, weil ich den Eindruck hatte, einige Streifen-Longsleeves könnten meiner Garderobe nicht schaden. Hier ist zunächst der schwarzgrundige, wie immer nach meinem Grundschnitt zugeschnitten. Ich weiß nicht mehr, ob es einen Grund gibt, weshalb das Halsbündchen so extrem schmal geworden ist – tun wir mal so, als wäre das geplant gewesen.

Das helle Gegenstück hat etwas breitere Streifen und auch ein breiteres Halsbündchen. Ich wollte es mit der Kette etwas aufhübschen – aber die hat leider dafür gesorgt, dass der Stoff nun etwas zusammengestaucht wurde und das ganze Teil nicht sitzt. Und ein besseres Foto hab ich leider nicht. Aus mir wird nie eine aufmerksame Portraitfotografin.

Hier noch mal ein näherer Blick auf die Kette: einfach ein paar gleich große Perlen auf ein Lederband gezogen und abgeknotet, auch das keine oscar-verdächtige Tat. Mit gefällt aber der Ton-in-Ton-Effekt mit dem restlichen Outfit, das schließlich noch durch eine naturfarbene Sweatjacke vervollständigt wird.

Der Stoff ist ein Reststück aus dem Tedox, es reichte gerade für die Schnitt-Teile und die durchgehende Blende, die im Nacken geteilt ist, aber Taschen waren nicht mehr drin. Ist vielleicht aber auch besser so, weil der Sweat nicht besonders dick ist und aufgesetzte Taschen möglicherweise rasch ausbeulen würden. Geschlossen wird die Jacke wieder mal mit Kam-Snaps, in diesem Fall in Silbergrau.

Weil die Blende kein angepasstes Schnittteil war, sondern einfach ein gerader Stoffstreifen, steht sie am Hals etwas ab. Das gefällt mir gar nicht so schlecht, obwohl es nicht so toll aussieht, wenn ich versuche, eine Bluse mit Hemdkragen darunter anzuziehen. Insofern ganz praktisch, dass ich jetzt noch mehr Shirts habe, oder? So kann man sich jedenfalls alles schön reden.

Das graue Bündchenmaterial hatte ich noch als Schlauchware bei mir herumliegen. Natürlich war es nicht breit genug für den unteren Abschluss, da musste ich also etwas stückeln und habe dann die Naht unter dem karierten Zierband versteckt. Den Patch aus braunem Kunstleder (beziehungsweise fühlt sich das Zeug eher ein bisschen wie Gummi an) habe ich irgendwann mal aus dem TEDI mitgebracht.

Und das war’s auch schon. Schlicht und simpel, passend zur Nicht-Frisur (neulich habe ich mal das Wort ‚Krisen-Frise‘ gelesen – ich hatte natürlich meinen Friseurtermin just an dem Tag, als der Lockdown im Dezember begann). Aber vermutlich bewegen wir uns ja momentan alle auf Rapunzel-Niveau, wenn man nicht gerade eine(n) Friseur(in) in der Wohngemeinschaft hat.

Schau’n mer mol, was diese Woche beim Me-Made-Mittwoch noch so vorgestellt wird. Ich bin jedenfalls wieder als Nähkeller-Kind mit dabei.

Spezialrezept

Man nehme einen weißen Baumwollcanvas, ursprünglich gedacht für eine Kochjacke für meinen Mann (der inzwischen aber lieber eine schwarze anzieht, wenn er in der Küche hantiert) und verrühre ihn mit dem Erscheinungsbild des Ilford Jacket, einigen passenden Stoffresten, Kam-Snaps und einer Schachtel LEGO. Dann könnte ungefähr dies herauskommen:

Manche Leute haben ja ein durchgängiges Farbkonzept. Ich gehöre nicht dazu. Mein Pinterest-Board hat diverse Abteilungen, unter anderem Pastell für sanfte Farben und Blumenmuster, aber auch Colour für alle möglichen bunten Kombinationen, manche klassisch, manche … hm … mutig.

Wie mutig ihr das hier findet, bleibt euch überlassen. Ich hatte wieder mal beim Stoff-Umschichten diese Reste entdeckt, und weil ich mir vorgenommen habe, erst mal Bestände abzubauen, bevor ich neuen Stoff anschaffe (der Lockdown erleichtert diesen Vorsatz), kam mir die Idee dieser Jacke. Sie ist schon vor Weihnachten entstanden, danach musste ich meinen Nähkeller als zusätzliches Übernachtungsquartier zur Verfügung stellen.

Jetzt steht er mir wieder zur Verfügung, und tatsächlich bietet die Beleuchtung dort die einzig brauchbare Möglichkeit, Fotos zu machen. (Hier im Sauerland ist es gerade entweder dunkel oder es schneit, was ich den Kindern gönne, die auf dem Hang hinter unserem Haus Schlitten fahren. Zum Glück ist der so versteckt, dass der allgemeine Tourismus ihn noch nicht entdeckt hat – die offiziellen Ski- und Rodelgebiete sind ja völlig überlaufen und müssen jetzt gesperrt werden.)

Ich habe die Jacke gefüttert und vor Ansetzen des Kragens sogar daran gedacht, einen Aufhänger anzubringen.

Und weil ich das immer praktisch finde, habe ich auch eine Innentasche eingesetzt, die im Prinzip groß genug ist für ein Handy oder mein Portemonnaie. Ob das wirklich funktioniert oder ob sie nicht stabil genug ist, wird sich wohl erst beim praktischen Gebrauch zeigen.

Und das wird vermutlich noch ein Weilchen dauern. Ich habe diese Jacke genäht, weil ich total Lust darauf hatte, nicht weil jetzt die passende Saison dafür ist. Im Haus trage ich sie nicht: die Farbe ist zu empfindlich, die Machart spricht eher dafür, sie wie eine Jeansjacke zu verwenden. Hoffen wir also mal auf schönes Wetter zu Ostern, denn dazu passt sie ja wirklich gut.

Trotzdem habe ich mich nun beeilt, rechtzeitig Fotos für den Me Made Mittwoch zu machen – der ist nur einmal im Monat, dafür kann man sich ja mal Mühe geben. Als ich die Seite zum Verlinken geöffnet habe, sprang mir Sylvias fabelhafte Strickjacke ins Auge. Ach ja, sowas hätte ich mir mal besser zugelegt, die passt ideal zur Jahreszeit … Aber Nähen und Stricken sind ja nachhaltige Hobbys. Und eines Tages wird auch das richtige Wetter für meine Lego-Jacke sein.

Ahoi

Jetzt war es einige Wochen sehr still hier, das lag aber nicht an meinem mangelnden Einsatz beim Nähen, sondern eher daran, dass ich nicht zum Fotografieren gekommen bin. Aber jetzt rufen wir mal „Alle Mann an Deck!“ oder sonst was Nautisches, denn das ist heute das Thema.

Weil ich so einen schönen Baumwollstoff gefunden hatte, habe ich mir eine Bluse in Königsblau genäht. Oder Royal, wie man auch sagt.

Aber so eine königlich-krasse Farbe ist ziemlich dominant. Womit kombiniert man die am besten? Entweder man ist mutig und greift zu weiteren Primärfarben: pink, grün, dottergelb … in meinem Schrank aber nicht besonders gut vertreten, und ich muss gestehen, das wäre mir auch zuviel gewesen.

Aber solo geht gerade auch nicht, dazu ist mir viel zu kalt. Also greife ich lieber zu den gedeckten Tönen und habe mir zunächst mal – haltet euch fest! – eine dunkelblaue Hose mit klassischem Reißverschluss genäht. Der Schnitt ist von Stoff&Stil und lag schon eine Weile hier herum.

Der Stoff ist ein Baumwoll-Canvas aus dem Tedox (als braver Lemming rufe ich jetzt: WERBUNG!), und ihr seht, dass er etwas knittert – aber das tun auch deutlich teurere Stoffe, wenn man einen ganzen Vormittag damit am Schreibtisch sitzt. An den Außennähten habe ich einen leicht glitzernden Zierstreifen aufgenäht.

Die Passform ist gut, ich habe allerdings schon beim Zuschneiden etwas mehr Stoff an den Oberschenkeln zugegeben, weil das immer meine Problemzone ist.

Die dunkle Farbe verschluckt in Kombination mit den winterlich-dunklen Lichtverhältnissen gnädig den Blick auf den Reißverschluss, der mir nicht ganz perfekt gelungen ist – aber immerhin gut genug, dass ich die Hose anziehen kann. Das muss ich definitiv noch üben.

Und schließlich habe ich mich durch meinen Pinterest-Feed inspirieren lassen und mir dazu noch ein Sweatshirt genäht. Weißer und dunkelblauer Sweat sowie weißes Bündchenmaterial befand sich in meinem Fundus, und das Ganze zusammenzusetzen hat richtig Spaß gemacht. Ich habe zuerst die drei Streifen mit dem Overlocker zusammengenäht, gebügelt und mit der Nähmaschine abgesteppt. Dann kam mein allerliebster Grundschnitt zum Einsatz, und schließlich wurden alle Kanten mit Bündchenmaterial eingefasst, so dass es richtig professionell aussieht.

Als krönenden Abschluss konnte ich dem Teil noch ein Aufbügelmotiv spendieren, das ich in meinen Beständen fand – wenn schon Marine-Stil, dann auch richtig!

Ehrlich gesagt habe ich es heute mit etwas Ehrfurcht angezogen – so viel Weiß … und meine Befürchtungen waren berechtigt. Natürlich habe ich beim Mittagessen mein Messer fallen lassen, was ich sonst sehr selten mache, und schon befindet sich ein Fleck auf dem hellen Teil (wo sonst?!?), den ich nun mit Gallseife behandeln werde. Aber ich kann es schließlich auch nicht in Acrylharz gießen, damit ihm nichts passiert!

Volle Kraft voraus ist also das passende Motto, und damit werde ich mich natürlich diese Woche auch wieder bei Du für Dich am Donnerstag sehen lassen.

Ein frisches Hemd, bitte

In meinem vorigen Beitrag habe ich erwähnt, dass bei Picasso auf die blaue auch eine rosa Periode folgte. Habe ich deshalb unterbewusst schon Ausschau nach rosa Stoff für mein nächstes Projekt gehalten oder war es Zufall? Auf jeden Fall fand sich kurz darauf rosa gestreifte Bettwäsche, die nur danach schrie, eine Bluse zu werden.

Bringen wir die übliche Selbstkritik schnell hinter uns: ja, die Streifen am Kragen sind nicht symmetrisch. Die Streifen sind insgesamt nämlich krumm und schief, als hätte man sie mit einem Pinsel von Hand aufgemalt, und ich habe es einfach nicht hingekriegt. Also muss das so. Designelement.

Ansonsten bin ich aber ganz zufrieden mit dem Teil. Es ist wieder der weite Schnitt aus der alten VERENA geworden, bei dem ich inzwischen allerdings bei Ärmel und Seitennähten jeweils über einen Zentimeter weggenommen habe und nur mit minimaler Nahtzugabe zuschneide. Aber ich liebe einfach die Lässigkeit dieser weiten Form – und ich habe angesichts der neuen Herbstkollektionen vieler Anbieter den Verdacht, dass Oversize wieder in Mode kommt.

Es gibt ja Theorien, dass in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Kleidung voluminöser wird, so als wollte man sich dadurch intuitiv schützen. Keine Ahnung, ob das wissenschaftlich haltbar ist – aber mir soll’s recht sein, denn ich mag einfach keine zu körperbetonte Kleidung. Meine Speckröllchen gehen niemanden was an, und ich hasse es, wenn ich mich eingezwängt fühle.

Das kann mir mit diesem Blusenschnitt genauso wenig passieren wie mit den Sweatshirts, die ich mir mit meinem selbst gebastelten Grundschnitt genäht habe. Ich arbeite ja nicht erst seit Corona im Home Office, da ist bequeme Kleidung meine tägliche Uniform.

Da es sich um Wendebettwäsche handelte, verfüge ich im Prinzip über zwei gleich große Stoffstücke mit umgekehrtem Dessin. Deshalb konnte ich wie üblich den Unterkragen, den inneren Steg und die innere Schulterpasse aus dem gegensätzlichen Stoff nähen. Wer weiß, ob ich irgendwann auch die restlichen Stücke zu einer Bluse verarbeite, die weiß mit rosa Streifen ist … Wir werden sehen, denn ich habe inzwischen noch mindestens drei andere Blusenstoffe in der Warteschleife und außerdem noch mehrere andere Projekte, mit denen ich liebäugele – mittlerweile ist ja auch eine neue Fibremood erschienen, obwohl ich noch Schnitte aus der vorigen kopieren will … Mein Feierabend ist einfach zu kurz!

Mal sehen, wozu mich die Beispiele aus Du für Dich am Donnerstag motivieren, da muss ich natürlich auch diese Hemdbluse vorstellen.

Picasso und ich

Was haben Picasso und ich gemeinsam? Nicht viel vermutlich. Er ist ein berühmter Künstler und ich bin … nicht ganz so berühmt. Er hatte viele Lebensgefährtinnen, die er meistens nicht gut behandelt hat und denen er nicht treu war, während mein Mann nach beinahe 45 Jahren mit mir hoffentlich ein positiveres Urteil fällen würde. Aber er liebte Südfrankreich – wie ich auch, obwohl ich mir dort kein Schloss leisten kann – und er hatte eine blaue Schaffensperiode. Was mich zum heutigen Thema bringt.

Beim Hochladen meiner Fotos fiel mir nämlich auf, dass ich in letzter Zeit fast nur blaue Sachen genäht habe. Zum Beispiel diesen Raglan-Pullover, der gleichzeitig eine Maßnahme zur Resteverwertung ist. Vorder- und Rückenteil stammen aus den Überbleibseln meiner kuschligen Strickjacke:

Auf diesem Foto sieht sie grauer aus als in Wirklichkeit

Für die Ärmel reichte es aber nicht mehr. Zum Glück fand sich dafür noch ein ordentliches Stück blauer Sweat in meiner Reste-Sammlung, aus dem ich dann auch die Bündchen am Hals und an der Taille genäht habe.

Der Halsausschnitt ist ziemlich weit geworden. Ich finde nämlich, die halsnahen ‚klassischen‘ Sweatshirt-Ausschnitte stehen mir nicht. Dafür habe ich mir ein Longsleeve genäht, das dieselbe Halsform hat, aber einen Tacken enger ist. Der Jersey dafür muss ungefähr so lange in meinen Beständen geruht haben wie Dornröschen im Tiefschlaf lag, denn ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann und wofür ich ihn gekauft habe. Aber zu diesem Pullover passt er ideal und musste nicht erst von einem Prinzen wachgeküsst werden, das kann mein Overlocker auch.

Wie man hier sieht, habe ich ihm noch eine Verzierung gegönnt, die aber momentan nie zu erkennen ist, weil mir viel zu kalt ist für einen Soloauftritt dieses Shirts. Im Gegenteil, ich habe aus den letzten Resten noch ein Tank-Top genäht (früher hätte man ganz prosaisch ‚Unterhemd‘ dazu gesagt), das ich darunter tragen könnte, wenn es tatsächlich Winter wird.

Was man hier noch ganz schwach erkennen kann ist die Nahtlinie, wo ich auf dem Rücken einen Streifen anstückeln musste, weil es sonst nicht gereicht hätte. Da wäre Picasso vielleicht kreativer vorgegangen, aber dieses Kleidungsstück wird ja nicht im Museum hängen, sondern vermutlich von niemandem (bis auf meinen Mann vielleicht) gesehen werden.

Solchermaßen für einen vielschichtigen Lagenlook gewappnet kann ich jetzt getrost blau machen und abwarten, was die anderen bei Du für Dich am Donnerstag diese Woche zeigen. (Übrigens hatte Picasso nach der blauen eine rosa Periode. Mal sehen, was meine Bestände in der Hinsicht hergeben.)

Stolz und Fehlurteil

Natürlich kann man Menschen in unterschiedlichste Gruppen einteilen. Zum Beispiel in diejenigen, die im Brustton der Überzeugung verkünden, wie gut sie alles machen, und im Gegensatz dazu die, die zunächst mal erklären, was alles schiefgegangen ist: „Die Kartoffeln hätten ein bisschen länger gekonnt, und an der Sauce ist zu viel Pfeffer.“ Wohin tendiert ihr?

Ich versuche jedenfalls, mir diese vorwegnehmende Selbstkritik ein bisschen abzugewöhnen. Man ist nicht gleich ein überheblicher Narzisst, wenn man sich selber gelegentlich lobt. Und deswegen fange ich – gemäß meiner Überschrift – mal mit dem an, auf das ich stolz sein kann. In diesem Fall eine weitere Bluse.

Wie ihre Vorgängerinnen hat sie wieder einen kontrastierenden Unterkragen / Innensteg. Den Effekt mag ich einfach total gern.

Dieses Mal habe ich aber auch bei den Manschetten nicht geschummelt. Zugegeben, es gibt aufwändigere Methoden, einen Schlitz zu konstruieren, aber weil ich hier ohne Schnittanleitung (sozusagen im Blindflug) unterwegs war, habe ich es erst mal dabei belassen, ein Stück Stoff nach innen zu verstürzen und zu versäubern.

Geht es euch auch immer so, dass ihr den letzten überflüssigen Faden erst auf dem Foto entdeckt? Das ist vermutlich wie mit Spinnweben, die man erst sieht, wenn Besuch da ist.

Hier noch mal das komplette Teil, mit deutlich überschnittenen Schultern (vor dreißig Jahren hätte man diese gigantischen Schulterpolster eingesetzt, manche erinnern sich vielleicht noch) und bronzefarbenen Kam-Snaps, die den sportlichen Jeanshemd-Eindruck noch verstärken. So weit, so gut!

Damit komme ich jedoch zum zweiten Teil: den Fehlurteilen, die ich euch auch nicht verschweigen will. Es fing schon damit an, dass ich den Stoff in dem Glauben gekauft habe, es wäre ein Chambray-Gewebe – dabei hätte mich der günstige Preis (im T***X, wo sonst) ja schon stutzig machen können. Aber weil er doppelt lag, stellte ich erst beim Einstecken in die Waschmaschine fest, dass der Effekt nur aufgedruckt war. Allerdings täuschend echt, meint ihr nicht auch? Und deshalb finde ich mich auch ohne großes Bedauern damit ab, dass die linke Seite schon mal hell hervorblitzt, z.B. wenn man die Manschetten umklappt.

Das schlimmere Fehlurteil lag allerdings woanders: Ich hatte mich nach der Anprobe entschieden, die durchgehende seitliche Naht ein paar Zentimeter enger zu machen, weil der Stoff etwas steifer fällt. Das klappte auch ganz gut, bis ich mich entschied, die neue Naht noch schnell mit der Ovi zu versäubern. Ohne die beiden Lagen noch mal ordentlich festzustecken. (Ihr ahnt schon, hier würde im Kino die ominöse Musik folgen.) Eine Sekunde nicht aufgepasst, und schon hatte sie unter der Achsel den Stoff doppelt gefasst. Manche von euch kennen vielleicht das Gefühl, wenn einem klar wird: du hast dir gerade einen fiesen Winkelhaken in dein fast fertiges Stück geschnitten …

Letztlich habe ich mich damit beruhigt, dass der Schaden direkt unter dem Arm entstanden war. Also tapfer ein Rechteck aus den Resten geschnitten und darüber gesetzt in der Hoffnung, dass es sich in dem Chambray-Effekt ziemlich gut verstecken wird.

Die Nahaufnahme zeigt es natürlich deutlich, von weiter weg fällt es weniger auf. Ich überlege aber bereits, ob ich nicht auf die andere Seite das gleiche Stück setze und so tue, als ob das so muss – momentan darf man sich designmäßig ja so etwas erlauben. Und überhaupt, es ist meine Bluse, meistens wird sie wohl mit Jacke oder Pulli drüber getragen, und wenn nicht, ist immer noch der Arm in der Gegend …

Hier seht ihr noch die Schulterpasse mit der Rückenfalte, die von der Weite her eigentlich nicht nötig wäre. Haben wir in den Neunzigern wirklich so riesige Klamotten getragen? Wie schon in meinem ersten Beitrag über meine augenblickliche Hemdblusen-Phase erwähnt, stammt der Schnitt von 1990.

Aber ich mag ja Oversize-Kleidung allgemein – und diese Bluse im Besonderen. Soweit erst mal dazu. Bei Du für Dich am Donnerstag werde ich mich wieder einreihen und bin gespannt, was die anderen diese Woche zu zeigen haben.

(„Stolz und Vorurteil“ ist übrigens eins meiner Lieblingsbücher, und den Titel habe ich hier nicht zum ersten mal verhunzt. Wenn ihr Weihnachtsgeschichten mögt, findet ihr in dieser Sammlung auch eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Holz und Vorurteil“. Soweit zum Werbeblock der Woche.)

Serientäterin

Erst waren es Sweatshirts, dann Hosen, jetzt befinde ich mich offensichtlich auf dem Hemdblusen-Trip. Wenn ich einmal zugange bin, nähe ich in Serie, und das soll der Titel ausdrücken. Seid froh, dass ich meine erste Idee wieder verworfen habe: „Battle of the Blouses“! Häh?

Tatsächlich ist es aber so: ich wiederhole das Match zwischen zwei Blusenschnitten, das sich schon vor einigen Wochen hier zugetragen hat. Ring frei! Wer tritt an? In der dezenten Ecke: die grauen Tupfen, ein Oversize-Schnitt mit Rückenpasse.

Ich musste es nach dem Blümchen-Desaster einfach noch mal wissen: Kann man einen dreißig Jahre alten Schnitt heute noch verwenden? Ich finde man kann. Der Senior aus Baumwolle schlägt sich tapfer und punktet (ha, dieses Wortspiel!) mit Unterkragen und innerer Passe in einem Kontraststoff mit Sternchen.

Illustrer Gegner ist in der anderen Ecke die Fibremood Isra (wieder ohne verdeckte Knopfleiste). Allen FM-Fans ist klar, dass es inzwischen zu jedem Schnitt einen eigenen Hashtag auf Instagram gibt, was ich immer total spannend finde, weil man dort alle möglichen Farben, Materialien und Patternhacks findet, die neue Inspirationen bieten. Begeistert war ich vor allem von dieser Version im Patchwork – es liegt im Grunde ja nahe, die bereits geteilten Schnittteile auch aus unterschiedlichen Stoffen zuzuschneiden. Da erwachte natürlich der kleine Nachmacher in mir.

Dazu muss ich vielleicht eine Erläuterung abgeben. Früher, wenn meine Kinder über Langeweile klagten, bekamen sie von mir regelmäßig zu hören: „Dann geh und räum dein Zimmer auf!“ Ich sah das als eine dieser vielgepriesenen win-win-Situationen: entweder wurde das Zimmer aufgeräumt oder sie fanden schnell etwas, das sie lieber tun wollten.

Das Prinzip habe ich für mich selbst übernommen. Wenn ich mich nicht entscheiden kann, was ich nähen möchte, fange ich erst mal an, meine Stoffe umzuschichten, bis einer davon besonders laut nach Verarbeitung ruft. Und in diesem Zuge stellte ich überrascht fest, dass ich drei Reststücke völlig unterschiedlicher Herkunft besitze, die alle die gleichen Farben haben. Keins davon war groß genug für ein Kleidungsstück (von den aktuell so wichtigen Gesichtsmasken mal abgesehen), aber im Zusammenspiel mit ein paar unifarbenen Resten könnte ja was draus werden. Deshalb hier meine Isra von vorn:

und von hinten:

Abgesehen davon, dass ich einen Denkfehler gemacht und die beiden karierten Stücke direkt aneinander platziert habe, bin ich sehr zufrieden mit dem farblichen Eindruck. Aber das liegt vermutlich daran, dass ich von vornherein auf diese Farben stehe – warum hätte ich wohl sonst all diese Reste gehabt?

Die Gesamtoptik ist natürlich schon lebhaft, um es mal vorsichtig auszudrücken. Zumal das Muster, das ihr gerade unten am Ärmel sehen könnt, mich fatal an diese Harlekin-Kostüme erinnert, ihr wisst schon. Müsste ich mir noch eine spitze Mütze aufsetzen und eine Träne auf die Wange malen? Blass genug bin ich ja …

Hier die Rückansicht mit dem Schwerpunkt auf dem Sechziger-Jahre-Muster.

Vergessen wir aber auch die andere Bluse nicht. Die ist viel dezenter, und deshalb hatte ich sie schon mehrmals an und musste sie für die Fotos extra noch mal bügeln.

Vielleicht wird sie eins dieser Basis-Teile, das man immer wieder rausholt, um es im Winter mit einem dicken Pulli oder einer Strickjacke zu kombinieren, wahrend man es im Sommer schnell über ein T-Shirt wirft. Die Schulterpasse und die Rückenfalten machen sie jedenfalls so bequem wie ein Nachthemd, während die Isra etwas körpernäher sitzt.

Man kann sich zwar problemlos in ihr bewegen, aber so voluminös wie die graue ist sie nicht. Was ja auch nicht immer ein Fehler sein muss.

In beiden Fällen habe ich Kam-Snaps statt Knöpfe mit Knopflöchern verwendet. und das werde ich auch zukünftig tun, denn abgesehen von der einfacheren Verarbeitung finde ich das auch beim An- und Ausziehen viel angenehmer. Kleine Knöpfchen in enge Öffnungen zu piddeln – dafür habe ich wenig Geduld. Ein Hoch also auf diese Snaps, die es inzwischen ja in ganz vielen Farben gibt!

Ich bin kein Ringrichter und habe wenig Ahnung vom Boxen. Deshalb gibt es hier auch keinen Sieger, sondern den salomonischen Entscheid, dass ich mit beiden sehr zufrieden bin.

Zum Schluss noch ein Foto davon, wie ich meine Isra momentan tatsächlich trage. Es ist mir nämlich viel zu kalt für ein Hemd ohne was drüber, so attraktiv es sich auch präsentiert. Ich war in den letzten Tagen etwas kränklich (nein, nicht Corona, es gibt auch noch andere unerfreuliche Bazillen) und finde mich deshalb ziemlich blass und struppig. Aber den Me-Made-Mittwoch wollte ich nicht verpassen, deshalb gibt es Tragefotos, auch wenn Visagistin und Coiffeur nicht bereit standen. Schließlich geht es – zumindest hier – ja um die Kleidungsstücke, oder?

Wieder Flieder

Irgendwann musste es ja mal was werden mit einer tragbaren Hemdbluse. Deshalb präsentiere ich euch hiermit die Fibremood Isra, zweiter Versuch. Weil ich mir momentan eine Art Stoff-Kauf-Verbot auferlegt habe angesichts der sich türmenden unverarbeiteten Stücke, habe ich mir dafür ein ziemlich durchscheinendes, locker gewebtes Material aus meinen Vorräten gefischt. (Gekauft als rosa, aber tatsächlich ist es eher fliederfarben, und das passt ja auch.)

Bei diesen Temperaturen brauche ich sowieso ein Unterhemd, bekennender Frierlappen der ich bin, deshalb ist das nicht das Problem. Das liegt eher in der Materialzusammensetzung – hatte ich doch fest geglaubt, der Stoff wäre zu großen Teilen aus Baumwolle, stellte sich bei einer neuen Expedition in den T***X heraus, dass der Naturfaseranteil nur bei 18% liegt. Da war aber schon alles zugeschnitten, ein passendes Garn in meinen Vorräten ausgegraben (habt ihr auch immer das Problem, dass eure Farben im Zweifelsfall zu dunkel, zu hell, zu gelbstichig oder einfach zu wenig sind?) und sogar Kam-Snaps in exakt dem richtigen Farbton vorhanden. Da habe ich das Ding zu Ende genäht und werde nun abwarten, wie es sich im Dauerbetrieb verhält.

Hier seht ihr einige typische Merkmale der Isra, die ja eine Kreuzung zwischen Bluse und Jacke ist. Der Kragen kommt mir größer vor als auf den Fotos in der Zeitschrift, obwohl ich mit gehöriger Nahtzugabe genäht habe. Der Schnitt ist locker – auch im Brustbereich klafft nichts, was ich sonst immer so doof finde – und die Ärmel werden nicht durch eine richtige Manschette abgeschlossen, sondern einfach durch einen zusätzlich angesetzten Stoffstreifen. Den habe ich ganz zum Schluss angebracht, als ich inzwischen noch ein farblich perfekt harmonierendes Schmuckband in meinen Vorräten gesichtet hatte, deshalb sitzt das nun völlig zweckfrei darauf.

Hier erkennt man gut die lockere Leinenbindung des Materials – man könnte es fast für eine Kreuzsticharbeit verwenden. Und weil ich ganz stolz darauf bin, wie gut ich den Kragen mal wieder hingkriegt habe, hier noch ein Foto davon:

Und da dachte ich, das sei so ein Angstgegner!

Was wäre sonst noch anzumerken? Im Schulterbereich ist die Bluse eine Spur zu eng. Ich weiß nicht, woran das liegt, denn beim ersten Anlauf war das nicht so, und dabei ist der Canvas ja deutlich störrischer als dieses weiche Material.

Hier sieht es auch nicht so aus, als ob der Rücken zu knapp ist – es scheint eher an den Ärmeln zu liegen. Aber es ist auch nicht dramatisch.

Auf jeden Fall werde ich diesen Schnitt noch mal verwenden. Bei Instagram sah ich zum Beispiel eine Patchwork-Isra – eine tolle Idee, weil man für so eine Bluse ja immer überraschend viel Stoff braucht -, ich habe aber auch noch ein Urlaubs-Souvenir, das sich ebenfalls eignen würde. Kommt darauf an, auf was ich als nächstes Lust habe.

Mal sehen, was sich diese Woche bei Du für Dich am Donnerstag tut – ich bin mal wieder mit dabei.

Kittel-Couture

… oder „Was habe ich mir dabei gedacht?“

Vor ein paar Jahren wurde eine Freundin von mir mit über siebzig km/h im Ort erwischt, und sie sagte, was sie dabei am meisten geärgert hätte, war die Frage des Polizisten: „Was haben Sie sich denn dabei gedacht?“ Denn hätte sie sich was dabei gedacht, dann wäre sie nicht zu schnell gefahren. Wenn man sich bei allem rechtzeitig was denken würde!

Ich hätte zum Beispiel diese Bluse nicht genäht. Dabe ist sie ganz toll geworden, aber nicht für mich. Hier ist die Vorgeschichte: ich wollte mal wieder einen Hemdkragen nähen, aber das habe ich seit gefühlt 20 Jahren nicht gemacht. Also habe ich im Baumarkt meines Vertrauens einen günstigen Stoff für ein Probestück gesucht – und diese Blümchen-Baumwolle für 4 Euro/m gefunden. Überhaupt nicht mein Stil – aber spontan verliebt, vielleicht kennt ihr das. Am selben Tag noch wurde in meinem Fertigschnitt-Fundus ein Blusenschnitt ausgegraben, der aus einer Verena um 1990 herum stammt. Vorsichtshalber habe ich eine Größe 36 zugeschnitten, aber selbst der war schon beim Auflegen unglaublich voluminös.

Seht euch diesen Kragen an! Mit Steg! Er klappte sofort ohne Tücken. Die Schulterpasse machte ebensowenig Probleme wie die Position der (riesigen) Brusttaschen. Das Schicksal gab sich wirklich Mühe, mich in trügerischer Sicherheit zu wiegen. Nur bei den Manschetten habe ich geschummelt und einfach einen Druckknopf verwendet, um die Weite einzuhalten.

Alles lief sozusagen wie am Schnürchen. Bis zu dem Moment, als ich das Teil anzog und mir aus dem Spiegel eine Person entgegenstarrte, die ich nicht kannte – in einem riesigen Hemd, das aussah, als hätten ein Schlafanzug und eine Kittelschürze ein überdimensionales geblümtes Baby bekommen. Ich werde euch kein Tragefoto zeigen, weil es mir einfach zu peinlich ist. Falls ich doch noch mal einen Bestseller lande und Journalisten das Internet nach Fotos von mir durchsuchen. Man weiß ja nie.

Also habe ich tief durchgeatmet, das gute Stück auf den Stapel für die Kleiderspende gelegt und mir stattdessen die letzte Fibremood zur Hand genommen. Wenn ich eins beim Nähen hasse, ist es das Auskopieren von Schnitten. Aber ich war ja jetzt geläutert und bereit, mir diese Mühe zu machen und mir eine #Isra zu nähen. In völlig ungeblümtem Grau.

Das Material ist ein recht fester Canvas. Um das Projekt etwas interessanter zu machen, habe ich einen passenden Reststoff gesucht für den Unterkragen und den inneren Steg.

Die Bildqualität ist bescheiden, ich weiß; aber hier regnet es und ich wollte den Beitrag trotzdem hinter mich bringen.

Dieses Mal war das Nähen etwas tückischer. So habe ich es geschafft, einen Ärmel links auf links einzunähen und musste alles wieder auftrennen. Bei zweiten Mal lag er dann links auf rechts, so dass zwar die Schulter stimmte, die schön abgesteppte Ziernaht sich aber innen am Ärmel statt außen befand. Da ich sowieso überlegt hatte, noch irgendeinen Gimmick mit dem Kontraststoff zu basteln, wurde nicht noch mal getrennt, sondern die Naht stattdessen mit einem Streifen davon versteckt.

Nun ist das gute Stück fertig. Ich habe am Schnitt nichts geändert bis auf die Vorderkante, die ursprünglich eine verdeckte Knopfleiste haben sollte. Aber das habe ich neulich bei einer Bluse gemacht und wollte es jetzt nicht schon wieder.

Fazit: alles gut bis auf die Farbe. Was habe ich mir dabei gedacht? Schon beim Aussuchen des Nähgarns war mir aufgefallen, dass meine sämtlichen Grautöne nicht passten und ich tatsächlich in die Abteilung mit dem Lila greifen musste. Aber mein Nähkeller hat kein Tageslicht, deshalb kam es erst jetzt raus: dieses Teil sieht aus wie ein Arbeitskittel. Das Grau hat einen unverkennbaren Rotstich, und weil es nicht weich fällt, fühlt man sich darin, als wäre man von einem Anbieter für Berufskleidung versorgt worden. Es fehlt nur noch das Firmenlogo. Und die passende Latzhose.

Shit happens, ich weiß. Immerhin habe ich jetzt einen neuen Schnitt, den ich natürlich mit allen möglichen anderen Stoffen noch einmal verwenden kann, ich bin ja bekennende Wiederholungstäterin. Aber mir blutet das Herz, wenn ich die beiden Stücke, an denen technisch wenig auszusetzen ist, jetzt zum Bürgerzentrum bringen muss in der Hoffnung, dass sie neue Besitzer finden, zu denen sie besser passen.

Und ich werde mir zukünftig rechtzeitig was denken. Ich schwör.

Auch diese Woche wieder verlinkt zu Du für Dich am Donnerstag.