Viele Wege …

… führen zu warmen Oberteilen für den Herbst, und weil wir im letzten Beitrag schon bei den Trilogien waren, kann ich euch auch heute drei Beispiele zeigen.

Erstens: der klassische Weg. Man strickt sich einen Pullover.

Schon lange hatte ich mit einem Streifenpulli geliebäugelt, nun habe ich ihn mir gestrickt. Ohne Vorlage, ein ganz schlichter Raglan-Schnitt, dessen Halsausschnitt vorn und hinten gleich lang ist. Leider kann ich ihn euch nicht angezogen zeigen, weil ich mir gleich beim ersten Tragen einen Tomatenfleck eingefangen habe, und den muss ich jetzt erst mal wieder rauskriegen. Wünscht mir Glück!

Zweitens: das Gesetz der Serie. Oder: mal wieder ein Marlo-Sweater-Hack.

Der vierte seiner Art in meinem Kleiderschrank und aus einem der ersten Sweat-Stoffe, die ich mir nach langer Nähpause vor einigen Jahren im Internet bestellt hatte. Das ursprünglich daraus genähte Sweatshirt ist längst entsorgt – ich hatte damals weder einen Overlocker noch irgendwelche Erfahrung mit Strickstoffen, so dass das Ding nach kurzer Zeit ziemlich erbärmlich aussah. Aber der Rest davon begegnete mir immer wieder in meinen Beständen, bis ich beschloss, ihn mit einem Uni-Rest in ähnlichem Grau zu kombinieren. Ein weiteres Reststück ist das graugrüne Samtband, das mir bei meinen Ausgrabungen ebenfalls in die Finger fiel. Und weil nach dem Aufnähen auf das Vorderteil noch eine kleine Länge übrig war, habe ich sie mit Handstichen auf die Overlock-Naht im Nacken gesetzt, weil ich eh Sorge hatte, die wäre eventuell etwas kratzig.

Ist es das, was ich neulich mal als „Streber-Bändchen“ in einem Beitrag bezeichnet fand? Eigentlich sehe ich mich nicht als Streber (und im Bereich Nähen schon gar nicht), aber natürlich gefällt mir das kleine Extra schon gut, auch wenn es keiner sieht.

Drittens: man versucht es mit Recycling!

Mein Mann kleidet sich weder besonders spektakulär noch extrem modebewusst, aber er liebt hochwertige Pullover. Zum Beispiel diesen, den er seit Jahren trug … bis sich die Bündchen unten und an den Ärmeln aufzulösen begannen. Schweren Herzens musste er sich trennen. Nun kann man so ein Teil ja auch nicht mehr in die Kleiderkammer bringen, denn wer will schon einen Pulli, bei dem sich die Bündchen aufribbeln?

Der eigentliche Pullover war aber noch völlig in Ordnung, so dass ich auf die Idee kam, ihn für mich wiederzuverwerten. Und zwar so:
Schritt 1: Bündchen abschneiden und messen, wie lang der Ärmel sein soll.
Schritt 2: Seitennähte einschließlich Ärmelnaht aufschneiden.
Schritt 3: Ärmelenden und untere Enden mit dem Overlocker versäubern.
Schritt 4: Seiten/Ärmelnähte mit dem Overlocker wieder schließen (ich habe dabei auf jeder Seite etwa 2,5 cm abgeschnitten, damit das Stück mir besser passt).
Schritt 5: Ärmel- und Unterkante umbügeln und mit einem Zickzackstich abnähen.

Ich bin selbst überrascht, wie professionell das aussieht. Natürlich rutscht die Naht, mit der die Ärmel angesetzt sind, weiter nach unten – ich hätte mich nicht getraut, den Pullover dort auseinanderzunehmen, und ich habe kein Problem mit dieser Form. Vor allem aber habe ich einen neuen Pullover, der alles andere als selbstgemacht aussieht. Vielleicht bringt euch das ja auch auf neue Ideen? Ich bin gespannt.

Diese Woche ist wieder Me Made Mittwoch, und da wage ich mich mit meinen Oberteilen auch mal hin.

Maritime Trilogie

Trilogien sind gefragt, sagt meine Verlagslektorin. Irgendwie mögen die LeserInnen Geschichten mit Fortsetzung, aber zu lang darf es sich auch nicht ziehen. Deshalb ist die Drei eine angemessene Zahl, mehrere und doch nicht zu viel. Das habe ich dann auch bei meinem neusten Nähprojekt beherzigt.

Ich muss gestehen, dass ich den #marlosweater von ‚True Bias‘ nie als Schnitt erworben habe. Ich konnte mir schon auf den im Internet reichlich vorhandenen Fotos anschauen, nach welchem Prinzip er funktioniert: zuerst wird unten das Bündchen angesetzt, dann eine Blende über die gesamte Ausschnittlänge gesetzt. Ich war sofort überzeugt, dass das auch mit meinem Grundschnitt funktionieren würde, und das hat es auch.

Das weiße Jäckchen habe ich zuerst genäht. Den leichten Sweatstoff hatte ich als Rest mitgenommen und gar nicht erwartet, dass sich daraus so ein vielseitig verwendbares Kleidungsstück ergibt.

Ähnlich ging es mir mit der roten Version. Es ist ja immer schwierig, auf Fotos die Originalfarbe darzustellen – das Rot ist bei Tageslicht noch etwas dunkler, ein wenig ins Bordeauxfarbene gehend. Deshalb erscheint hier das Bündchen auch etwas mutig kombiniert, aber tatsächlich ist es ein Streifen-Strick, bei dem der dunklere Farbton genau der Jackenfarbe entspricht. Hier sieht man es noch besser:

Den Lederpatch habe ich von einer alten Jeans meines Mannes gerettet.

Und schließlich kommen wir zur dritten Jacke im Bunde, dieses Mal in Blau.

In diesem Fall war es eher so, dass ich noch eine blaue Jacke in meiner Alltags-Garderobe vermisste. Ich habe eine, die sehr leicht und beinahe knielang ist, aber sobald man eine – bei diesen Temperaturen oft notwendige – andere Jacke überziehen möchte, sieht das ziemlich doof aus. Also grub ich in meinen Beständen und fand tatsächlich noch ein Stück French Terry, das groß genug war – die vordere Blende ist deshalb ein bisschen schmaler ausgefallen, aber das ist nicht schlimm. Schön war, dass ich in meinem Fundus sogar noch einen gut harmonierenden Aufnäher fand.

Insgesamt also eher unspannende Projekte, dafür aber äußerst alltagstauglich. Und darum geht es ja, finde ich. Wer wie ich von zuhause aus arbeitet und wenig Anlässe hat, sich schick anzuziehen, braucht nun mal keine Kostüme. Bei mir kommt außerdem noch das Stichwort ‚instant gratification‘ hinzu, ich möchte schnell Erfolge sehen und bin immer froh, wenn ich nach zwei Abenden im Nähkeller wieder ein neues Kleidungsstück mit nach oben nehmen kann. Mein ehrlicher Respekt gilt denjenigen von euch, die sich wochenlang Zeit nehmen, um sich nach zwei Probestücken einen Blazer oder Mantel zu nähen, der dann wie aus dem Atelier geschneidert aussieht. Aber so bin ich nun mal nicht. Und dazu stehe ich auch.

Übrigens erkannte ich die im Titel erwähnte maritime Farbgebung erst, als ich die drei Jäckchen zusammen aufhängte. (Wäre ich Französin oder US-Amerikanerin, könnte ich es auch patriotisch nennen.) Geplant war es nicht, stellte sich aber im Nachhinein als sehr vielseitig kombinierbar heraus. Jetzt suche ich nach weiteren Farben, weil dieser Schnitt so schön zu nähen und das Teil so angenehm zu tragen ist … Grün zum Beispiel oder Lila vielleicht? Ihr dürft gespannt sein!

(Alle Stoffe einschließlich Bündchenmaterial stammen aus dem TEDOX und nein, ich werde von denen nicht für die Namensnennung kompensiert.)

Und weil ich nichts Aktuelleres zu zeigen habe, segle ich mit meinen maritimen Jäckchen noch zum Me-Made-Mittwoch, in dem es schon spurenweise herbstlich wird.

Verlängerung

Keine Ahnung, ob ihr die Fußball-EM verfolgt habt. Ohne Verlängerung ging es da ja selten ab. Und dann kommt die Olympiade direkt hinterher. Da fiel mir natürlich sofort der Begriff als Titel meines neuen Beitrags ein – hoffen wir mal, dass ich mit meinen neuen Projekten langfristig erfolgreicher bin als die deutsche Elf. Schließlich gab es auch Eigentore …

Fangen wir also mal mit dem Funktionärs-Dress an. Als ich mitbekam, dass es beim Tedox Baumwoll-Seersucker in Schwesternstreifen gab, musste ich natürlich sofort auch ein Stück davon haben. Ganz klassisch in Blau-Weiß, bitte. Dann erst stellte sich die Frage, wie ich damit meine innere Florence Nightingale zum Ausdruck bringe?!? Hemdblusen habe ich inzwischen mehr als genug. Also ein Kleid. Damit es schnell und einfach geht (es schien gerade die Sonne), kam mein treuer Grundschnitt mal wieder zum Einsatz: angeschnittene Schultern mit einer breiten Blende, ein Hemdkragen (selbst gezeichnet, ich bin ganz stolz) und eine durchgehende Knopfleiste mit weißen Kam Snaps, weil meine Nähmaschine und ich beide nicht viel für Knopflöcher übrig haben (ich glaube, da wiederhole ich mich bereits, sorry).

Hier der Blick von vorn. Frisch, würde meine Tante sagen, wobei ich nicht sicher bin, ob man das nicht auch mit ’spießig und langweilig‘ übersetzen kann. Was mir vorher nicht klar war: der Stoff ist so hell und leicht, dass ich plötzlich Angst hatte, er könnte zu durchsichtig sein. In dem Fall würde daraus wohl eher ein Nachthemd, das bietet sich an. Aber hier sieht man nix, und auch mein Mann hat sein Okay gegeben, der normalerweise eher kritisch eingestellt ist.

Trotzdem habe ich das Kleid noch nicht angehabt, weil … Ihr wisst schon, das Wetter. Und ebenso geht es mit meinem nächsten Stück, farblich sozusagen das Gegenteil. Die EM-Schiedsrichter hatten solche Shirts an, damit man sie auf dem Platz gut erkennen kann.

Erkennt ihr es? Seit Jahren nähe ich mir jeden Sommer mindestens ein #hotsummerdress von Schneidernmeistern. Das ist quasi schon Tradition. Und als ich diese Double Gauze sah (da kann man nicht von Finden sprechen, der Farbton springt dich eher an und ringt dich nieder), war sofort klar, was damit passieren würde. Ich habe nur einen großen Fehler gemacht: erst genäht und dann gewaschen. Ihr ahnt bestimmt, was dann passierte. Die Baumwolle lief ordentlich ein. Wieder ein Nachthemd?

Aber nun kommt das Stichwort ‚Verlängerung‘ zu seinem großen Einsatz, denn zum Glück war noch Stoff übrig, und da macht man dann den „was-wollt-ihr-eigentlich-das-muss-doch-so“-Freistoß, schneidet noch ein bisschen ab und setzt einfach ein Stück an. Tor.

Was könnte ich jetzt noch an Fußball-Redensarten verwenden? Gerade fällt mir nichts ein. Also bleiben wir bei „aller guten Dinge sind drei“, bevor ich mir zu lange den Kopf zerbreche. Immerhin wird hier die Verlängerung fortgesetzt:

Auch dieser geblümte Viskose-Stoff stammt aus meinem Lieblings-Baumarkt und musste einfach mit. Der Gürtel kaschiert, dass es sich um einen Zweiteiler handelt: das Top habe ich von einem vorhandenen Kleidungsstück kopiert, den Rock wie die aus den vorhergehenden Beiträgen in Falten gelegt. Dieses Mal gibt es aber keinen durchgehenden Knopfverschluss vorn, sondern nur zwei Seitennähte mit einem Reißverschluss.

Wieder mal ist es mir nicht gelungen, ein gutes Foto des weit schwingenden Rocks zu machen, aber das glaubt ihr mir sicher auch so.

Welches Fazit würde also die Expertenrunde nach dem Abpfiff ziehen? Ich tippe mal auf „nicht viel Neues gesehen“ oder „keine Überraschungen“. Aber auch keine rote Karte. Jetzt fehlt nur noch eins: das Wetter, um die Stücke auch zu tragen! Vorläufig gehe ich erst mal zum Me Made Mittwoch damit. Der Rest wird sich zeigen. „Schau’n mer mol“, wie ein früherer Bundestrainer sagte.

Lang und breit

Heute ist wieder Me-Made-Mittwoch – für mich könnte er auch Mehrfach-motivierender-Mittwoch heißen, weil er mich zunächst daran erinnert, endlich mal meine Sachen zu fotografieren, und dann auch antreibt, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Schließlich ist es nach dem quasi ausgefallenen Frühjahr doch noch Sommer geworden, und da sind in meinem Nähkeller einige neue Stücke entstanden, die ich ruhig mal vorführen könnte.

Zum Beispiel das Top aus einem Viskose-Rest von stoffe.de. Längere Zeit bin ich um den Stoff herumgeschlichen, viele Möglichkeiten zur Verarbeitung gab es nicht, weil es einfach so wenig war. Ich entschied mich schließlich zu einer einfachen ärmellosen Bluse mit V-Ausschnitt (ein uraltes Muster aus einem Verena-Fertigschnitt der späten Neunziger) und brachte es tatsächlich fertig, die Vorderteile viel zu weit zuzuschneiden. Zum Glück ist das Muster ja so auffällig, dass kleine Korrekturen kaum sichtbar sind, und der jetzt asymmetrische Verschluss sieht fast so aus, als ob er so geplant gewesen wäre.

Passend dazu habe ich mir einen langen weiten Rock genäht, und darüber war ich selbst überrascht. Die Frau, die seit Jahrzehnten auf kurze schmale Röcke steht, kehrt plötzlich in die Fünfziger Jahre zurück?

Dazu habe ich allerdings eine Theorie (nein, die ist nicht von mir, sondern irgendwann mal im Internet aufgeschnappt, und jetzt finde ich sie nicht wieder. Sucht mal fleißig, liebe Plagiatsforscher.) Vermutlich war es ein(e) Soziolog*in, der/die behauptet hat, dass große Krisen auch in der Mode einen Umschwung auslösen. Nach dem ersten Weltkrieg verabschiedeten sich die Frauen endgültig von den durch Korsetts erzwungenen Wespentaillen und den unpraktischen bodenlangen Röcken, schnitten sich die Haare ab und trugen plötzlich eher kastige, lockere Kleider. Nach dem zweiten Weltkrieg war es Christian Dior, dessen „New Look“ neue Akzente setzte.

Jetzt wäre es wohl vermessen, die Corona-Pandemie mit einem Krieg gleichzusetzen; ich bin auch keine Soziologin und verfüge nicht über eine Spur von verwendbarem Datenmaterial. Aber ich erinnere mich noch an eine andere These, nämlich dass immer, wenn es wirtschaftlich schwierig wurde, mehr Stoff angesagt war. Boomzeiten wie die Sechziger brachten uns den Minirock – und im Gegenteil bewegen uns angeblich Krisenphasen dazu, uns mehr zu verhüllen. Mag sein, dass es uns Sicherheit gibt (Psychologin bin ich auch nicht, aber jeder kennt doch das schöne Gefühl, wenn man sich so gemütlich einmummeln kann). Eine andere Erklärung wäre, dass die wohlhabenderen Schichten damit zum Ausdruck bringen, dass sie sich so viel Material leisten können, und die weniger Reichen dahinter nicht zurückstehen möchten.

Aber dies ist ein Nähblog und keine gesellschaftswissenschaftliche Veröffentlichung, deshalb kommen wir besser mal zu meinen langen Gewändern zurück. Jawohl, ich verwende den Plural, denn neben dem marineblauen Rock gibt es auch einen grauen, der sogar noch 5 Zentimeter länger ist.

Beide Röcke habe ich ohne Schnittmuster genäht. Zuerst wurde die Taille vermessen und festgelegt, wie breit der Rockbund sein soll. Momentan gefällt es mir gut, wenn der Gürtel deutlich schmaler ist und sich farblich vom Rockstoff absetzt; dementsprechend habe ich dann auch die Gürtelschlaufen geplant. Dann hieß es nur noch, die Stoffweite in gleichmäßige Falten zu legen. Und das war nicht wenig: bei dem grauen Material (eine Baumwoll-Polyester-Mischung, die ich schon lange in meinen Beständen hatte) waren es immerhin 2,40 m, die blaue Baumwoll-Double-Gauze (aus dem Tedox) bringt es auf 2 Meter. Die Gesamtlänge ab Taillenbund ist 73 cm. (Zum Maßstab: ich bin 1,70 m groß.)

Damit die Hüften nicht unnötig betont werden, habe ich die Falten nicht gleichmäßig ringsum gelegt, sondern an den Seitennähten ausgespart. Wie man sieht, öffnen sie sich von beiden Seiten zur Mitte hin (dafür gibt es sicher einen Fachbegriff, der mir aber fehlt). Das ist hinten ganz genauso. Der graue Rock lässt sich mit Kam-Snaps komplett öffnen (ich hatte keine Lust auf Knopflöcher, genau wie meine Nähmaschine).

Für den marineblauen Rock fand ich keine farblich passenden Snaps. Vielleicht wäre schwarz gegangen, aber hier habe ich mich für eine andere Lösung entschieden, weil ich noch sechs Perlmuttknöpfe aus den Beständen meiner Schwiegermutter fand; ich mag die Kombination von Marinestil und Perlmutt immer gern, deshalb habe ich einfach die Knöpfe durch beide Lagen des Stoffs angenäht. Ganz oben ging das natürlich nicht, weil ich eine Öffnung zum Einsteigen brauchte; meine Lösung war ein Stück Klettband (so lang, wie sonst ein Rock-Reißverschluss wäre), das diese Öffnung sicher verschließt. Der oberste Knopf wurde dann nur zur Zierde aufgenäht. Der Bund hat einen schwarzen Kam-Snap als Verschluss, der vom Gürtel verdeckt wird.

Die Fotos, auf denen ich versuche, den Rock schwingen zu lassen, sind leider nichts geworden. Aber ich vermute, ihr könnt es euch trotzdem vorstellen. Weil es leichte Materialien sind, fühlen sie sich auch bei Wärme gut an – ich bin ganz überrascht, wie problemlos ich plötzlich diese neue Form für mich angenommen habe. Zurück zu den Wurzeln! Schließlich bin ich ein Kind der Fünfziger Jahre.

Geometrie für Anfänger

Ihr müsst meine Pinterest-Boards nicht gesehen haben. Vermutlich reicht es völlig, wenn ich euch berichte, dass einige davon ziemlich viele Kleidungsstücke in Schwarz-Weiß enthalten. Darauf fliege ich einfach: Streifen, Pünktchen, Color-Blocking – wenn es in Schwarz-Weiß ist, wird es als Inspiration festgehalten. (Dabei mag ich das Leben ansonsten lieber bunt.)

Das Foto oben habe ich schon sehr lange gespeichert, jedenfalls funktioniert der Link zur Herkunftsseite nicht mehr. Habt ihr Pinterest? Was macht ihr mit euren Boards? Ich scrolle jedenfalls immer mal wieder durch und freue mich daran, was kreative Menschen auf der ganzen Welt für tolle Sachen machen und dass ich sie gesehen und gepinnt habe und … ja, was dann? Gelegentlich kommt es tatsächlich vor, dass ich mich von einem Pin motivieren lasse, ihn nachzuarbeiten.

Natürlich ist es keine hundertprozentige Kopie. Man nennt es Inspiration. Oder auch Verwalten des Mangels, denn während ich tatsächlich in meinen Beständen einen Streifenstoff wiederentdeckte, der für diese Sommerbluse (oder nennt es Shirt, das überlasse ich euch) passte, gab es weder in Schwarz noch Weiß einen geeigneten Rest für den unteren Abschluss.

Ich war schon kurz davor, meine bunten Uni-Stoffe zu prüfen. Einerseits könnte ich mir eine Blende in einer Primärfarbe gut dazu vorstellen. Rot, Grün, Gelb, Royalblau … wäre alles denkbar. Aber damit ist man doch etwas eingeschränkt bei den Kombinationen, wenn man nicht gerade ein Papagei ist oder wenigstens ein Storch. Und dann fiel mir dieser Rest Pünktchenstoff in die Finger.

Weil ich so begeistert war, habe ich direkt auch einen Streifen davon als Armabschluss verwendet. Die Original-Vorlage hat natürlich „richtige“ Ärmel, während ich wieder meine üblichen überschnittenen Schultern genäht habe. Aber irgendwie mag ich kurze Ärmel nicht so, ich weiß auch nicht warum.

Fällt euch was auf? All mein Überlegen und stundenlanges Rumgeschiebe von Schnittteilen hat nämlich nichts geholfen, ich habe trotzdem ein Stück für das Vorderteil verkehrt zugeschnitten. Man kann sich nur streiten welches. Bei der Vorlage stoßen ja zwei weiße und zwei schwarze Streifen in der Mitte aneinander. Bei mir ist das nicht so. Eigentlich (da ist es wieder, dieses vertrackte Wort) wollte ich alle Streifen in der Mitte schwarz haben. Inzwischen bin ich aber nicht unzufrieden, dass es nicht geklappt hat, weil es mich sonst vielleicht zu sehr an ein Hakenkreuz erinnert hätte. Und das wollen wir ja auf keinen Fall. Und deshalb bleibt das jetzt so mit meiner ganz persönlichen Note.

Ich finde, jetzt habe ich genug Worte um ein im Prinzip doch recht einfaches Teil gemacht. Da halte ich doch lieber die Klappe und warte, was die anderen sich für den Me-Made-Mittwoch haben einfallen lassen.

Vorhang auf

Schon im vorigen Beitrag habe ich mich ja dazu geäußert, wie ich meine Projekt-Entscheidungen treffe. Während ich mich in anderen Bereichen meines Lebens ganz gut an Pläne und Vereinbarungen halten kann (sonst wäre man als Freiberuflerin vermutlich auch zum Hungertod verurteilt), folgen meine Nähprojekte nicht unbedingt einem langfristigen Konzept.

Dieses Kleidungsstück ist ein gutes Beispiel dafür. EIGENTLICH hatte ich vor, der erstaunten Nähwelt zu beweisen, dass ich auch aktuelle Schnitte nähen kann, und mir schon mal die ‚Rozan‘ aus der letzten Fibremood auskopiert. Jetzt ging es nur noch um die Stoffauswahl, weil diese Bluse mit ihren Raffungen ja doch etwas mehr Material als ein schlichtes Top benötigt.

Also ging in meinem Keller die typische Archäologen-Arbeit los: Schicht für Schicht legte ich bei meinen Ausgrabungen mögliche Kandidaten für mein Vorhaben frei. Und stieß dabei auf diesen blau-weiß gestreiften Baumwoll-Canvas.

Das war mal eine IKEA-Gardine aus einem unserer Kinderzimmer, an bestimmten Stellen deshalb von einer Seite schon etwas verblichen, aber wie ihr seht, grundsätzlich noch ganz gut in Schuss. Für einige kleinere Projekte hatte ich bereits ein paar Stücke rausgeschnitten, aber ihr kennt ja Gardinen und wisst, dass das eine Menge Stoff an einem Stück bedeutet. Dieses Teil war bestimmt seit zehn Jahren nicht mehr im Einsatz, wurde von mir garantiert fünfzig Mal umgeschichtet und wieder weggepackt, aber heute war es dran: ohne Zweifel musste jetzt sofort daraus etwas genäht werden!!!

Könnt ihr euch noch an das klassische Friesenhemd erinnern, in dem zum Beispiel Hannes Wader (googelt ihn ruhig mal, jüngere Semester, und hört euch seine Liedermacher-Nummern auf Youtube an) auftrat? Zu Anfang unserer Ehe habe ich meinem Mann solche Stehkragen-Modelle genäht. Die mussten in irgendeiner Form gestreift sein und einen gewissen alternativen Touch haben. Fun Fact: als ich bei Pinterest nach diesem Stichwort suchte, wurde der Begriff sofort in „Riesenhemd“ geändert. Daran erkennt man, wenn etwas endgültig nicht mehr modern ist. Nur unser Schreiner trägt die noch bei der Arbeit.

Macht aber nichts, da stehe ich ja drüber. An dem Foto oben erkennt ihr schon, dass ich auch ohne Pinterest-Anregungen arbeiten kann. Ich wollte es erst aussortieren, weil ich darauf beinahe schwanger wirke (das ist jedoch in meinem Alter ziemlich unmöglich, also denkt euch dabei, was ihr wollt), es zeigt aber ziemlich gut, was daraus geworden ist: eine Mischung aus Kittel und Hemd in – ach, ihr ahnt es – meinem bewährten Grundschnitt mit den überschnittenen Schultern.

Hier ein Detailfoto besagter Schultern, weil ich ziemlich zufrieden bin damit, wie gut sich die Streifen treffen. Natürlich habe ich auch meine Kiste mit dem Schnickschnack und Kleinkram durchsucht, um ein paar dekorative Designelemente zu finden, zum Beispiel den Lederpatch auf der Bauchtasche (oben zu sehen) und ein weiterer Gardinenrest als unterer Bund, durch den ich dann ein Band gezogen habe.

Hier seht ihr auch ein bisschen davon, wie verschossen der Stoff teilweise ist. Aber ich sage einfach mal, das gibt dem Teil Charakter – meine Haare haben ja auch nicht mehr ihre Originalfarbe.

Die unterschiedlichen Streifenrichtungen habe ich ganz bewusst so zugeschnitten, damit es nicht so langweilig wirkt. Der Druckknopf-Verschluss ist nicht zwingend notwendig, ich kann das Hemd auch so überstreifen, aber ich finde, dass es so lässiger wirkt. Ich fühle mich jedenfalls ganz wohl in dem Teil und bin froh, dass ich nun die Gardine wieder einem guten Zweck zugeführt habe. Verzeiht mir den abschließenden Kalauer: es reut mich friesig!

Heute ist wieder Me-Made-Mittwoch, da trete ich natürlich auch mal auf.

Spontan statt strategisch

Wie geht ihr vor, wenn ihr näht? Plant ihr mit Bedacht, was ihr in den folgenden Monaten fertigstellen wollt, oder lasst ihr euch spontan inspirieren? Sucht ihr erst den Schnitt aus und kauft dazu passend den Stoff? Oder entdeckt ihr zufällig ein tolles Material und überlegt euch dann, was ihr daraus machen könntet?

Da das hier ein Blog ist und keine interaktive SchneiderInnen-Selbsthilfegruppe, erzähle ich erst mal von mir. Ich gehöre – zumindest was das Nähen angeht – eindeutig zu den Spontanen. Das oben gezeigte Twin-Set ist typisch dafür: bei meinem einzigen Präsenz-Stoff-Einkauf in diesem Jahr bisher (ich brauchte unbedingt Leuchtmittel und hatte deshalb per click-and-meet einen Termin im Tedox vereinbart) fiel mir dieser grau-blau melierte Stoff in die Finger, und der musste natürlich mit. Ihr solltet ihn anfassen können, ein sehr leichtes und weiches Material mit hohem Baumwoll-Anteil … aber was macht man damit?

Okay, wer sich schon mehrmals meine Beiträge angeschaut hat, weiß, was jetzt kommt. Im Zweifelsfall wird mein bewährter Grundschnitt für ein schlichtes Oberteil mit überschnittenen Schultern eingesetzt. Da kann nichts schiefgehen und die kann man immer brauchen.

Aber weil ich beim Einkaufen natürlich noch keine Ahnung hatte, was daraus werden sollte, hatte ich mir mal 2 Meter abschneiden lassen (bei den Preisen kann man das unbesorgt machen), und nun war noch mindestens die Hälfte des Stoffs übrig. Das Ergebnis habt ihr oben bereits gesehen: zusammen mit einem früher schon auf Verdacht gekauften Reststück Bündchenware wurde ein an den momentan so beliebten #marlosweater angelehnter Cardigan daraus. Vermutlich habe ich seit dreißig Jahren kein Twin-Set mehr besessen – darf man sie überhaupt ohne Perlenkette und Faltenrock tragen? Ich habe beschlossen: man darf.

Nächstes Beispiel: diese Bluse. In dem Fall hatte ich dem Drängen meines inneren Kindes nachgegeben, das der Meinung war, ich sollte mir doch endlich mal wieder was gönnen. Eine Bestellung bei stoffe.de zum Beispiel, weil das Leben ja sonst so unspannend ist gerade. Ein Reststück dieses getupften Baumwoll-Crinkle fand widerstandslos den Weg in meinen Einkaufskorb.

Und nein, dieses Mal habe ich nicht zu meinem Grundschnitt gegriffen. Stattdessen habe ich einen Schnitt ausgegraben, den ich schon vor langer Zeit mal genäht hatte, weil vor meinem geistigen Auge nun mal eine lässige Bluse mit V-Ausschnitt aufgetaucht war.

Was ich nicht bedacht hatte: in den neunziger Jahren hatten wir diese extrem breiten Schultern, ausgepolstert wie der Anzug eines Mafia-Killers, und auch wenn ich neulich las, dass Schulterpolster wiederkommen, war ich der Meinung, dass ich das jetzt nicht brauche. Was tun? Gut, dass wir alle so kreativ sind: bei den Vorderteilen habe ich kleine Fältchen gelegt, abgeguckt bei Prüllas #blusebellah. Und beim Rückenteil war die einfachste Lösung eine Kellerfalte.

Sieht das nicht aus, als ob das einfach so muss? Auf jeden Fall ist das Stück jetzt tragbar. Auf eine der Taschen habe ich noch einen Schriftzug gesetzt, der ursprünglich mal ein Lanyard für mein Kongress-Namensschildchen war. (So was hat jemand, der alles hortet, was noch im Entferntesten brauchbar sein könnte – wie man sieht, kommt es gelegentlich sogar wirklich zum Einsatz.)

Hier wird das neue Teil kombiniert mit meiner Sweatjacke aus dem letzten Jahr. Wer genau hinschaut, erkennt das Bündchenmaterial wieder. Es sieht fast so aus, als hätte ich mit einem langfristigen Plan gearbeitet … Verratet mich nicht, wenn wieder jemand vorbeikommt, der so bewundernswert strategisch vorgeht.

Ab die Post zu Du für Dich am Donnerstag – ich bin gespannt, welche Inspirationen dort auf mich warten.

Für jedes Wetter eine Jacke

Ostern ist gerade vorbei, und ich bin heute zu 10 cm Schnee aufgewacht. Was soll das denn bitte? Zum Glück konnte ich am Karsamstag noch meine neue Jacke zu einem kleinen Spaziergang ausführen, denn jetzt ist es schon wieder zu kalt dafür.

Als gerade mal kein Lockdown war (ihr könnt euch erinnern? Es gab ab und zu mal solche Viertelstunden …), habe ich diese boucléartige Kochwolle (nennt man das so? Den Begriff habe ich noch von meiner Mutter im Kopf) bei Stoffe Werning gekauft. Und wie üblich bin ich dann erst mal wochenlang darum herumgeschlichen und habe mich nicht getraut ihn anzuschneiden. Aber irgendwann habe ich mir doch einen Ruck gegeben und überlegt, wie ich den am besten verarbeite.

Seit ich auf Instagram immer häufiger Beispiele des #lisboncardigan sah, vor allem eine Version in Gelb mit schwarz-weißen Bündchen, wollte ich auch so etwas in der Art. Letztlich habe ich dann wieder auf meinen Grundschnitt zurückgegriffen und mir die Jacke daraus selbst zusammengezimmert. Das Bündchenmaterial ist so schmal gestreift, dass es auf dem großen Foto regelrecht verflimmert, deshalb hier noch mal eine Nahansicht:

Hier sieht der Woll-Stoff eher babyrosa aus, tatsächlich ist er aber deutlich blaustichiger. Dabei seht ihr auch bereits den Futterstoff. Den hatte ich zwar irgendwann mal gekauft, um mir daraus eine Bluse zu nähen, aber dann verließ mich doch der Mut. Ich glaube, das wird nichts mehr mit mir und auffälligen Blümchenstoffen. Aber als Jackenfutter macht er sich ganz hervorragend!

Ich glaube, auch mein Mann – der absolut kein Fan von Blümchen und derlei lieblichen Mustern ist – war sehr erleichtert, dass ich daraus ein Futter und kein eigenes Kleidungsstück genäht habe. Deshalb erklärte er sich sogar bereit, mal den Instagram-Husband zu geben und mich zu fotografieren, zumal ich inzwischen auch meinen Friseurtermin hatte, wie man hoffentlich sehen kann.

Ursprünglich wollte ich die Jacke übrigens gar nicht füttern, aber schon die erste Anprobe zeigte, dass sie – egal bei welchem Material als Unterkleidung – absolut nicht die Arme hochgleiten wollte. Und eine Jacke, bei der man immer Minuten braucht, um sie mit viel Geduld zentimeterweise anzuziehen, braucht ja keiner. Nun hat sie ein Futter, das sie besser gleiten lässt, aber natürlich viel wärmer macht – im Haus kann ich sie nicht mehr anziehen …

Schließlich zeige ich euch noch eine Nahaufnahme der Tasche, die ich offen verarbeitet habe, weil das fabelhafte Material nicht franst. Das ist auch gut so, denn sonst wäre es vermutlich ziemlich dick an den Ecken geworden. Den einzelnen Knopf fand ich noch in meinem Fundus, und wenn ich inzwischen auch meine Liebe zu Kam-Snaps an allen Kleidungsstücken austobe, wollte ich ihn als Deko-Element nutzen und habe ihn deshalb zusammen mit einem Rest Zierband auf die Tasche gesetzt.

Jetzt kommt der Teil, auf den sich der Titel bezieht. Noch während unserer kleinen Foto-Session entwickelte mein Mann nämlich die Theorie, dass ich für jeweils zwei Grad Temperaturan- bzw. abstieg ein anderes Kleidungsstück brauche. Andere Leute (damit meint er natürlich sich) hätten eine Jacke für jedes Wetter, ich brauche für jedes Wetter eine Jacke – merkt ihr den Unterschied? Ich habe da gar nicht widersprochen. Schließlich muss ich ja diese Sachen nicht kaufen, sondern bin in der glücklichen Lage, sie mir selbst nähen zu können. Ich wette, ihr könnt das nachvollziehen. Dafür treffen wir uns ja zum Beispiel so gern beim Me-Made Mittwoch, auf den ich auch dieses Mal wieder ganz gespannt bin. Für welches Wetter habt ihr genäht?

Osterbunt

EIgentlich (und ihr ahnt schon, wenn EIn Satz so anfängt, endet er mit dem GegentEIl) wollte ich EIn wenig von mEInem endlosen Stoffvorrat abbauen, bevor ich mir neues Material anschaffe. Hat nicht geklappt, denn zunächst musste ich EInen Termin im Tedox machen, um EInige Leuchtmittel zu kaufen, und da kommt man direkt an der StoffabtEIlung vorbEI. Und dann landete ich auch rEIn zufällig auf der SEIte von stoffe.de und konnte EInen Blick auf die Reststücke werfen … ach ja. Man gönnt sich ja sonst nix.

Ehrlich gesagt ist es mir zu anstrengend, weiterhin im gesamten Text EIER zu verstecken. Da greife ich doch lieber zu einer meiner Neuerwerbungen und nähe mir fix ein österliches Oberteil aus meinem liebsten Grundschnitt, aus dem man ja so ungefähr alles machen kann außer Hosen und Bikinis. Das Reststück von stoffe.de ist eine kreppartige Viskose mit Farben, die einem geradezu ins Gesicht knallen. Vielleicht hat der/die DesignerIn gar nicht an Ostern gedacht, aber mir kam natürlich schon der Gedanke.

Weiter habe ich dazu wenig zu erzählen, die ganze Aktion war gestern innerhalb von zwei Stunden über die Bühne, denn bei einem so lebhaften Muster braucht man ja nun wirklich keine weiteren Verzierungen. Stattdessen greife ich schon mal dem Osterhasen vor und präsentiere das neue Stück mit saisongerechter Deko.

Auf der Suche nach einer nicht so winterlichen Jacke (für die steigenden Temperaturen, wenn man trotzdem dem warmen Braten noch nicht so recht traut) stieß ich dann auf dieses Stück, das ich schon letztes Jahr genäht, aber aus unerfindlichen Gründen nie verbloggt hatte. Natürlich kommt auch hier der Grundschnitt mit den überschnittenen Schultern zum Einsatz, ich weiß, so langsam könnt ihr es nicht mehr ertragen. Die rote Kochwolle hatte ich schon sehr lange im Fundus; es gibt ja so Stücke, die traut man sich einfach nicht anzuschneiden aus Angst, man könnte es verbocken. Stattdessen liegen sie jahrelang rum und nützen niemandem.

Ein bisschen verbockt habe ich es tatsächlich, denn ich bin mit dem Kragen nicht zufrieden. Damit das Ganze nicht zu dick wird, habe ich die Belege aus einem anderen Stoff geschnitten. Das hat bei den Vorderteilen auch ganz gut geklappt, aber der Stehkragen ist ein bisschen verzogen. Ich muss es noch mal mit Dämpfen versuchen. Und ich muss mal in meinen Resten graben, ob ich noch genug Stoff für Taschen habe – was hatte ich mir bloß dabei gedacht, mir eine Jacke ohne Taschen zu nähen? Es sieht ja ganz edel aus, aber praktisch ist es nicht.

Vielleicht sehen wir uns ja gegenseitig noch bei Du für Dich am Donnerstag? Ansonsten wünsche ich euch wunderschöne Ostertage – blEIbt gesund!

Resteauflauf

„Zero Waste“ ist ja ein großes Thema in der Nähwelt in letzter Zeit. Was macht ihr mit den Resten, die beim Schneidern anfallen? Da ich es momentan liebe, kleine Kontraste aus anderem Stoff zu setzen, habe ich mir angewöhnt, alle Schnipsel auszubewahren, die größer sind als eine Handfläche. Man kann ja nie wissen …

Jetzt habe ich aber doch was gegen diese Mengen von Überbleibseln unternommen: ich habe mir ein Shirt genäht.

Damit ist natürlich nur ein kleiner Schritt gemacht – meine Restkiste sieht immer noch sehr voll aus -, aber immerhin. Zunächst habe ich alle Stoffe gesichtet, die aus dem Bereich Leinen/Baumwolle so ungefähr dieselbe Stärke haben. Damit es nicht zu bunt wird, bin ich farblich im Spektrum grau-blau-violett geblieben.

Voraussetzung: sie mussten 40 cm breit sein, damit ich daraus Streifen schneiden konnte, die unterschiedlich hoch sein durften. Die habe ich erst mal mit dem Overlocker zusammengefügt.

Die Overlock-Nähte wurden alle in eine Richtung gebügelt und dann abgesteppt. Für Vorder- und Rückenteil habe ich jeweils zwei der entstandenen Stoffstücke zusammengenäht. Der Schnitt ist wieder mein selbstgebauter Grundschnitt – ideal, weil er ganz schlicht ist.

Der einzige Nachteil: jetzt mag ich den einen Ärmel lieber als den anderen!

Mitten im größten Durcheinander der Vorbereitung (ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie viele Stoffstücke da zunächst auf dem Tisch liegen, während man eine Auswahl trifft) tauchte plötzlich auch noch eine Schachtel mit Sticktwist in allen Farben auf. Gestickt habe ich schon ewig nicht mehr, aber meine Schwiegertochter hat mir zu Weihnachten ein Buch mit Stickvorlagen geschenkt, das mich eh schon die ganze Zeit angepiekst hat. Deshalb entstand der Plan, mal mit selbstgestickten Aufnähern zu experimentieren. Der hier sitzt hinten im Nacken:

Und dieser landete auf dem Vorderteil:

Bei der Qualität ist sicher noch Luft nach oben, wenn ich mir jetzt die großen Fotos angucke. Macht aber nichts, da kann ich noch etwas üben für zukünftige Projekte.

Natürlich ist auch bei diesem Unterfangen einiges übriggeblieben. ‚Zero waste‘ lässt sich wirklich nur umsetzen, wenn man konsequent nur gerade Nähte macht oder ein Projekt wie den Pouf umsetzt (kostenlose Anleitung in Englisch bei Closet Core Patterns), eine Art Sitzkissen, bei dem nicht nur die Konstruktion aus Reststoffen erfolgt, sondern auch die Füllung aus all den Textilresten besteht, die man sonst in den Müll schmeißen würde. Bisher habe ich mich aber noch nicht getraut, das anzupacken. Mal sehen …

Zuerst mal bin ich jedenfalls ganz zufrieden mit meinem Oberteil. Da werden sich in meinem Schrank bestimmt auch einige Teile wiederfinden, mit denen es sich kombinieren lässt, mir fällt sofort der fliederfarbene Leinenstoff auf, aus dem ich mir letzten Sommer eine Calyer Pants genäht habe! Jetzt fehlt nur noch das warme Wetter. Aber da besteht ja Hoffnung.

Jetzt noch schnell mit meinem Resteprojekt zu Du für Dich am Donnerstag. Vielleicht gibt es da noch viel mehr neue Inspirationen!