Leinen los!

Bei den deutschen Nähbloggerinnen ist offensichtlich immer was los, stelle ich nach weniger als zwei Monaten eigener Blog-Aktivität fest. Gerade läuft zum Beispiel der #leinensewalong von TilliT und Unter meinem Dach bei Instagram. Da habe ich zwar keinen Account (und werde auch vorläufig keinen anlegen, ich habe mit meinem Blog und Pinterest schon genug Zeitfresser), aber das Thema passt mir trotzdem gut in den Kram, denn dazu kann ich zum Beispiel das hier zeigen:

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Zu spät für „Weiß“, die Mai-Farbe von Selmins „12 colours of handmade fashion“, zu früh für Blau, das Thema im Juni. Aber es trifft hervorragend auf das Thema „Streifen“, das heute der Me Made Mittwoch vorschlägt.

Und aus Leinen! Ihr müsst wissen, dass ich da erblich vorbelastet bin. Meine Mutter war Handwebmeisterin und hatte, weil sie mit in unserem Haus wohnte, eine Webwerkstatt in unserem Keller. Noch bis sie fast achtzig war, hat sie dort gearbeitet und einerseits Wandbehänge in Gobelintechnik  nach eigenen Entwürfen hergestellt, andererseits auf riesigen Flachwebstühlen auch Stoffe für Tischdecken, Gardinen und ähnliche Heimtextilien gewebt.

Nach ihrem Tod haben wir die komplette Werkstatt an ein Museum weitergegeben, das Material größtenteils verkauft, ihre Fachliteratur zugunsten unseres Sozialen Bürgerzentrums gestiftet und sind auch einige der noch vorhandenen Produkte an Liebhaber losgeworden, aber ein Teil befindet sich immer noch bei mir, vor allem die Stoffe, die sie nicht bearbeitet hatte. Dazu gehört dieser, ein Stück von etwa 1,70 m Länge und einer Breite von 1,20 m. Vielleicht war er als Gardine gedacht? Ich habe ihn neulich wiedergefunden und erst mal gewaschen, denn wenn die Stoffe vom Stuhl kommen, sind sie eher etwas steif und ribbeln schnell aus. Nach der Wäsche und einem Aufenthalt im Trockner war er aber erstaunlich weich und angenehm, und weil ich neulich noch überlegt hatte, mir ein Shirt aus Leinen zu nähen, habe ich kurz entschlossen meinen Standardschnitt für ein Oberteil mit überschnittener Schulter hervorgeholt.

Genäht ist das Teil ratzfatz, man muss nur alle Schnittteile sofort mit dem Overlocker versäubern, sonst franst es in jede Richtung. Den Halsausschnitt habe ich der Einfachheit halber mit naturweißem Schrägband versäubert. Die Armausschnitte habe ich noch verkürzt, trotzdem stehen sie ziemlich ab – aber das stört mich nicht, weil ich relativ schmale Schultern habe und das meine deutlich breiteren Hüften etwas ausbalanciert (typische Birnenform, Herr von Ribbeck auf Ribbeck wäre begeistert). Hier noch mal ein näherer Blick auf den Schnitt:

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Ganz sicher bin ich nicht, ob es nicht auch eine Leinen-Baumwoll-Mischung ist, aber es trägt sich wunderbar, gerade jetzt während der richtig heißen Tage Ende Mai. Ganz bestimmt reines Leinen ist aber dieses Oberteil:

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Diesen Stoff hatte meine Mutter für Handtücher gewebt (vermutlich in den 50er Jahren). Ziel ist dabei, die Naturfarbe (etwa der Ton von Bindfaden) so lange zu waschen, bis das ursprünglich etwas störrische Leinen ganz weich und strahlend weiß wird. Diese Geduld hatte ich nicht, sondern ich habe den Stoff in der Waschmaschine gefärbt und dann verarbeitet. Wegen der mangelnden Breite wäre aus meinem Grundschnitt (siehe oben) nur ein bauchfreies Top geworden – also musste ich unten einen Streifen ansetzen, man sieht ganz gut die Unterschiede im Fadenlauf. Weil ich in meinen Beständen zufällig rotes Schrägband hatte, das mir gut dazu gefiel, habe ich nicht nur den Halsausschnitt nach außen hin versäubert, sondern in der Naht unten auch ein Reststück mitgefasst, an dem ein Metallring hängt.

Jetzt warte ich ab, wie sich das Material beim Waschen verhält. Ich hätte nichts dagegen, wenn es etwas blasser wird. Das wird sich zeigen – vielleicht kann ich Ende des Sommers einen Vorher-Nachher-Vergleich machen. Aber erst mal freue ich mich auf ein paar Monate, in denen ich meine Leinen-Tops tragen kann.

 

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Autor: Ulla

Immer auf der Suche nach kreativen Ideen

6 Kommentare zu „Leinen los!“

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