Kreative Lösungen und ein wenig Selbsterkenntnis

In meinem Post über die Notizblock-Jacke war ja bereits ein blaues Kleid zu sehen. Ich hatte damit gerechnet, dass das ein schnelles Projekt werden würde: Grundschnitt zuschneiden, Nähte mit dem Overlocker schließen, farblich passendes Bündchen am Hals ansetzen, anziehen.

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Aber momentan ist ja nichts einfach im Leben. Erstes Problem war, dass dieses Kleid viel zu weit ausfiel, obwohl ich es zugeschnitten hatte wie immer. Gibt es Stoffe, die sich wie Hefeteig nachträglich noch ausbreiten? Ich habe dieses wallende Gewand erst mal an den Seitennähten zwei Mal enger gemacht und schließlich noch eine Rückennaht gelegt, obwohl ich beide Teile im Stoffbruch zugeschnitten hatte. Jetzt geht es einigermaßen.

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Blieb das Problem mit dem Strickbündchen am Hals. Leute, ich weiß ja, dass es in jeder Farbe tausend unterschiedliche Nuancen gibt, aber bei Dunkelblau ist es echt die Härte. Ich habe mir das vorher bei unterschiedlichen Lichtbedingungen angesehen – aber erst, als ich es mit dem Overlocker eingesetzt hatte, wurde deutlich, dass es gerade. eben. nicht. passt.

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Was tun? Abmachen wäre das reine Chaos geworden. Da setze ich doch lieber ein Satinband drüber, damit die Farbabweichung nicht so auffällt. Theoretisch eine gute Idee, praktisch nicht so einfach, weil das Band ganz schön flutschig ist. Ich hätte es besser von Hand ansticheln sollen, aber hinterher ist man ja immer schlauer.

Je länger ich nähe, desto deutlicher ist mir etwas über mich selbst klar geworden: ich investiere lieber viel zusätzliche Arbeit, um etwas nachzubessern, als die Mühe des Auftrennens für das, was man in der Architektur wohl „Rückbau“ nennt. Deshalb war mir mental auch nicht möglich, das Satinband wieder abzutrennen – aber viele kleine Knöpfe aus meiner Sammlung einzeln draufzunähen, das ging … Hier eine Nahaufnahme.

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„Pingel-Inge“ (ihr wisst schon, aus Guidos Näh-Wettbewerb) oder die Juroren des“Great British Sewing Bee“ wären vermutlich entsetzt. Aber ich zieh das Kleid jetzt an. Das sollte einfach so sein. In Zeiten des Coronavirus sieht mich ja sowieso keiner.

Aber virtuell können wir uns immer noch treffen, z.B. bei Du für Dich am Donnerstag oder Sewlala. Seid ihr mit dabei?

Unexpected Diva

Ich habe es nicht nachgeschlagen, aber ich würde eine Diva so definieren: sie weiß, wie großartig sie ist, und erwartet deshalb größtmögliche Aufmerksamkeit, ohne sich ihrerseits besondere Mühe zu geben. Opernsängerinnen fallen mir ein oder Filmstars. Gibt es das auch bei Stoffen?

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Offensichtlich ja. Hier ein erstes  leicht unscharfes Paparazzi-Foto meiner Diva.

Es gibt ja Materialien, bei denen erwartet man von vornherein, dass sie flutschig und unkooperativ sind. Aber wenn man bei stoffe.de einen Rest French Terry mitbestellt, dann rechnet man doch eher mit etwas Bravem, schnell zu verarbeitendem, aus dem man mal eben an einem Samstagnachmittag ein Sweatshirt nähen kann. Ich jedenfalls. Gehöre ich zu den Ahnungslosen?

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Hier habt ihr einen näheren Blick auf die Diva – aussehen tut sie nämlich wirklich gut. (Finde ich jedenfalls.) Aber als ich den Stoff aus der Verpackung holte, war ich nicht nur überrascht, dass er viel dünner war als ich erwartet hatte, er zeigte mir gleich sein wahres Gesicht, indem er mir wie Wackelpudding durch die Finger rutschte. (Nicht, dass ihr denkt, ich packe häufiger in Wackelpudding, ich stelle es mir nur so vor.)

Aber die Optik hat definitiv was. Ich wurde sofort an ein Foto aus meiner umfangreichen Pinterest-Sammlung erinnert:

Sweat Pinterest

Euer Kennerblick hat vermutlich sofort erspäht, dass sich dieses Teil hervorragend mit meinem Grundschnitt umsetzen lässt. Für einen Raglanschnitt, den ich erst erwogen hatte, war sowieso zu wenig Stoff da. Also habe ich mich an die Arbeit gemacht. Und Arbeit war es, glaubt mir, denn schon beim Zuschneiden zeigte der Stoff seine volle Zickigkeit (ist das ein Wort? In diesem Fall ja!)

Weil ich gern die Konturen wie auf dem Vorbild betonen wollte, habe ich auf meiner Superschlicht-W6-Nähmaschine einen der wenigen Sonderstiche gewählt – seht ihr oben am Halsausschnitt – und ansonsten keine weiteren Experimente gemacht. Das Ergebnis finde ich auf jeden Fall den Stress wert.

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Ja, ich kann genau wie ein Model verträumt nach unten gucken. Auch wenn’s in diesem Fall keine Absicht war.

Noch ein Foto von der Diva auf dem Sofa:

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Ich bin inzwischen ein Fan.

Auch heute gibt es wieder ein Treffen von Nähbegeisterten bei Du für Dich am Donnerstag und Sewlala – garantiert coronavirenfrei, wobei die Ansteckung mit dem Näh-Virus nicht ausgeschlossen werden kann.

Was sagt man dazu?

Leute, ich habe endlich mal was nach einem (mir) neuen Schnitt genäht. Und zwar ein Jäckchen, das in der Burda Easy so aussah:

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Die alten Hasen unter euch kapieren vermutlich direkt, was da los ist: das große Muster zeigt nicht genau, wie das Ding geschnitten ist, das T-Shirt darunter verlängert es optisch, und die Perspektive des Fotografen und die Haare des Models verschleiern auch eher den Halsausschnitt. Ja, ich hätte mir die technische Zeichnung genauer ansehen können, aber man sieht ja nur, was man sehen will, und das war in meinem Fall ein ziemlich cooles Teil.

Natürlich fand ich keinen Stoff, der diesem auch nur im entferntesten ähnlich sah (wenn ich nicht wieder den kaufen wollte, aus dem ich mir ein Kleid genäht und ein Jäckchen gefüttert habe), also habe ich „Bestandsabbau!“ gerufen und einen ganz anderen hervorgezogen. Dazu fand sich ein hervorragend passender Futterstoff, und es konnte losgehen. Das hier ist daraus geworden:

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Jetzt sehe ich aus wie ein Notizblock, oder? Okay, die Verzierung an den Taschen habe ich mir selbst ausgedacht und die gefällt mir auch. Aber der Abschluss so nahe an meinem Hals ist nicht wirklich schmeichelhaft, sondern wirkt einfach nur langweilig und zu brav. Zum Glück gibt es Schals, also schnell her damit:

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Schon besser, oder? Trotzdem hat das Jäckchen einen weiteren Mangel: es ist einfach total kurz. Was man daran erkennt, dass es quasi am (relativ hoch sitzenden) Bündchen meiner Cordjeans endet. Also brauche ich, ähnlich wie das Model in der Zeitschrift, ein T-Shirt oder Longsleeve, das länger ist und dieses kritische Mittelstück kaschiert. Einfacher gesagt als getan. Man sollte meinen, dass Blau eine unproblematische Farbe ist – ist es aber nicht, lasst es euch von mir gesagt sein. Vielleicht sollte ich eher nach einem Petrolgrün suchen, denn noch habe ich nicht aufgegeben!

Was dem Jäckchen in der Länge fehlt, holt es in der Weite wieder rein:

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Das stört mich im Prinzip nicht, aber es bedeutet, dass sich der nicht sehr weich fallende Stoff im Rücken beult, und das könnt ihr hier sehen:

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Nun noch ein Blick aus der Nähe auf die beiden verarbeiteten Materialien, die mir nach wie vor gefallen. Ich mag vor allem, dass es sich in beiden Fällen um ein Kästchenmuster handelt.

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Und zum Schluss die stolze „Guckt mal, ich habe meine Jacke passend zum Schirm gefüttert!“-Pose.

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Zu dem Kleid, das ich darunter anhabe und das natürlich farblich gerade eben nicht passt, erzähle ich demnächst mehr. Jetzt werde ich erst mal diesen Beitrag speichern, damit ich morgen am Me-Made-Mittwoch teilnehmen und schauen kann, was andere Nähbegeisterte zu zeigen haben – vielleicht sagen sie ja auch was zu meinem Jäckchen …

 

Fast eine Büttenrede

Alaaf alaaf, helau helau!
Hier zeigt sich wieder mal die Frau,
Die, ganz egal worum es geht,
Alles nach einem Grundschnitt näht.

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Ob Mantel, Nachthemd oder Kleid,
Das Schnittmuster liegt stets bereit!
Wenn andere St. Burda heiligen,
An Probenähen sich beteiligen,
Die neuste Fibremood kopieren
Oder selbst Schnitte konstruieren,
Um immer Neues vorzulegen,
Dann sagt die Frau dazu: von wegen!
Ich mache mir das Leben leicht,
Weil dieser eine Schnitt mir reicht.
Den hab ich einmal mir erdacht,
Nun wird da alles mit gemacht!

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Weil sie im Winter meistens friert,
Hat sie ihr Lager inspiziert
Und zog aus ihrer Stoffe Menge
Den schwarzen Sweat in guter Länge,
für welchen sie besonders schwärmt,
weil er so weich ist und schön wärmt.
Auch Bündchen hatte sie im Haus,
So wurde schnell ein Sweatshirt draus.

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Im Grunde steht sie ja auf Schnelles,
Doch hat sie gern auch was Spezielles –
In diesem Fall ist es ein Band,
Das sie in ihrem Fundus fand,
Das ließ mit zwei Gardinenringen
Sich prima auf die Ärmel bringen,
Ganz zweckfrei zwar, aber was soll’s –
Die Frau ist trotzdem darauf stolz.

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Und die Moral von der Geschicht:
Unterschätzt diesen Grundschnitt nicht,
Denn wieder hat die Frau zum Glück
Davon ein neues Kleidungsstück.
Es lässt sich prima kombinieren
Und schützt sie wirkungsvoll vorm Frieren.

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(unerklärlicher Versmaß-Wechsel)

Sie hat in diesen närrischen Tagen
Das schwarze Teil schon öfter getragen,
Weshalb sie auch voller Begeisterung schreibt:
Die Karawane zieht weiter, das Schnittmuster bleibt!

Auch nach Aschermittwoch treffen sich begeisterte Hobbyschneiderinnen (mit oder ohne Stoffdiät in der Fastenzeit) bei Du für Dich am Donnerstag und Sewlala. Außerdem stammt der schwarze Sweatstoff aus den Tiefen meines Stoffregals, so dass ich mich nun auch bei Tweed & Greet einreihe. Damit reicht es dann aber auch an Linkpartys – für diese Woche jedenfalls 🙂

Hauptsache gemütlich

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Mein Projekt „Cordjacke“ ist auf das Frühjahr verschoben – mir wurde klar, dass ich das Jäckchen, selbst wenn es richtig super wird, bei winterlichen Temperaturen nicht anziehen werde, und das wär ja zu blöd. Augenblicklich friere ich mal wieder, was das Zeug hält. Ich brauche richtig warme Sachen.

Deswegen habe ich stattdessen aus den Tiefen meines Stoffbunkers einen Rest Walkstrick ausgegraben, von dem ich bisher dachte, er wäre zu knapp für ein komplettes Kleidungsstück. Einen weiteren Stoff, der gut dazu passt und sich nicht zu knallig gegen das dunkle Anthrazit abhebt, fand ich leider nicht. Aber mit ein bisschen Fummeln und ein paar zusätzlichen Nähten habe ich tatsächlich aus dem Stück ein kurzes Jäckchen hingekriegt. Die Ärmel musste ich z.B. durch einen 15 cm breiten Ansatz verlängern, aber das sieht tatsächlich aus, als müsste das so (wenn es bei dem dunklen Stoff überhaupt zu sehen ist.)

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An Belege war bei der knappen Stoffmenge natürlich nicht zu denken, aber vielleicht wäre das auch ziemlich dick geworden. Stattdessen bot sich ein Rest Strickstoff, der von diesem Kleid übrig geblieben war, geradezu an. Vielleicht zieh ich demnächst Jäckchen und Kleid sogar zusammen an.

Noch drei große Druckknöpfe aus dem Fundus, und schon hatte ich wiedern was Warmes, das zu vielen Outfits passt. Zum Beispiel zu meinem hellgrauen Rock mit weißer Hemdbluse:

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Aber auch ganz lässig zu Jeans:

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In amerikanischen Filmen hieße es jetzt: „Thanks, I needed that.“

Und natürlich darf sich das Jäckchen auch bei Du für Dich am Donnerstag und Sewlala sehen lassen, wo wir uns jede Woche neue Inspirationen holen.

Ablenkungsmanöver

Passiert euch das auch, dass ihr eigentlich ein ganz tolles Nähprojekt im Kopf habt, mit einem großartigen Stoff und einem neuen Schnitt, das sich außerdem fabelhaft in eure sonstige Garderobe einfügen würde – und dann habt ihr so viel Angst vor der eigenen Courage, dass ihr lieber erst mal was anderes näht?

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So bin ich auf jeden Fall zu meiner neuen Hose gekommen. „Eine Hose?!?“, höre ich euch  verblüfft ausrufen. „War eine Hose nicht immer ihr Angstgegner?“

„Im Prinzip Ja“, antwortet Radio Eriwan (jetzt hoffe ich, irgendjemand da draußen erinnert sich noch an diese Witze aus den Siebziger Jahren, die mein Vater so liebte). „Aber erstens ist dies ein ganz einfacher Schnitt ohne Reißverschluss, den sie voriges Jahr schon mal genäht hat. Zweitens hat sich die Blauwalfluke, bei der immer alles so klasse aussieht, neulich eine ähnliche Hose genäht, und da kommt natürlich der Herdentrieb ins Spiel. Und drittens hat sie viel mehr Schiss vor der Cordjacke, die sie sich nähen möchte, und da ist es doch sinnvoll, erst mal an einem simpleren Teil mit Cord zu experimentieren. Tatsächlich hat sie es nämlich geschafft, die Strichrichtung bei den rückwärtigen Schnittteilen nicht zu berücksichtigen, obwohl so ungefähr jeder weiß, dass man darauf höllisch achten muss.“

Okay, so war das. Die unterschiedlichen Schatten auf Vorder-und Rückseite ernenne ich hiermit zum Designelement. Auf dem Foto oben fallen sie auch nicht auf, aber ihr wisst natürlich, wie schwierig schwarze Sachen zu fotografieren sind – im wirklichen Leben sieht man es schon.

Der simple Schnitt hat am Bund zwei Schauben für Gummizüge, deshalb konnte ich leider nicht so schöne Eingrifftaschen machen. Eine Hose ohne Taschen wiederum ist der absolute Blödsinn, deshalb gab es zwei aufgesetzte Taschen – weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich sie lieber vorn oder hinten hätte, habe ich sie mittig platziert.

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Eine kleine silbrige Perle mit einem „U“ drauf ist eine bescheidene Verzierung. Und das war’s auch schon.

Ich bin gespannt, was ich noch alles einschiebe, um mich nicht an die im Prinzip so sehnlich gewünschte Cordjacke geben zu müssen. Ihr werdet es hier verfolgen können, es sei denn, ich schaffe es, mich selbst auszutricksen und die Jacke kurzfristig in Angriff zu nehmen. Psychologie ist schon was Faszinierendes.

Als kleine Aufmunterung begebe ich mich mit meiner Hose gleich zu Du für Dich am Donnerstag und Sewlala (haha, da geht es auch um Cord …). Und ihr so?

Winterzeit

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Zugegeben, heute hat die Sonne ausgiebig geschienen, aber am Sonntag, als ich diese Fotos gemacht habe, war das nicht so. Grau draußen, grau drinnen – trotzdem wollte ich wenigstens festhalten, dass ich inzwischen mein Samt-Oberteil getragen und mich sehr wohl darin gefühlt habe, auch wenn ich bekennende Gefriertruhe natürlich eine Strickjacke darüber tragen musste. So sieht das Ganze ohne Jacke aus:

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Tatsächlich passen ja längst nicht alle Grautöne zusammen, aber in diesem Fall bin ich sehr zufrieden. Wahrscheinlich fliege ich einfach immer wieder auf dieselben Nuancen.

Und im Zusammenhang mit dem Thema „Samt“ möchte ich euch ebenso mein Kleid nicht vorenthalten, so schlicht es auch ist:

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Wohlgemerkt, das habe ich mir genäht, nachdem Weihnachten und Silvester vorüber waren, und in absehbarer Zukunft steht auch kein feierlicher Event an, zu dem ich es ausführen könnte. Tolle Planung! Aber ich konnte diesem Streichelstoff einfach nicht wiederstehen – hier noch mal ein kopfloses Foto, das die Farbe ein bisschen besser zeigt:

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Eines Tages wird es schon seinen Moment haben. Bis dahin verkrieche ich mich wieder in meine warmen Winterpullis – und was macht ihr so? Seid ihr auch mit neuen Projekten wieder bei Du für Dich am Donnerstag und bei Sewlala?