Fein gemacht

Am letzten Samstag wurde in unserer Familie eine Goldene Hochzeit gefeiert, und da sollte dieses Outfit zum Einsatz kommen. Leider sprach das sauerländische Wetter dagegen, und weil ich a) so ein Frierlappen bin und b) kein von Farbe und Stil passendes Jäckchen hatte, das ich dazu hätte kombinieren können, habe ich ein wärmeres Kleid angezogen. Da will ich diese Kombi doch wenigstens auf meinem Blog vorstellen.

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Vielleicht täuscht meine Katalogmodel-Pose darüber hinweg, dass ich das Top nicht noch mal gebügelt hatte? Das Material ist nämlich einer dieser riesigen Schals, die man momentan an jeder Ecke und in allen Farben kaufen kann. Das Bild vom Bügelbrett zeigt, wie durchscheinend es ist.

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Davon hatte ich mir eigentlich erhofft, dass es nicht so rasch knittern würde, aber … nun ja. Ein ähnliches Problem stellte sich mit dem Rock, weil ich den Stoff – ein Polyester, der wie Wildseide aussieht – schon so lange gelagert hatte, dass sich der Stoffbruch in der Mitte um keinen Preis der Welt wegzaubern lässt.

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Der Schnitt für den geraden Rock ist gut und gerne 25 Jahre alt. Damals gab es jede Menge Handarbeitshefte mit Fertigschnitten, die man nur noch auszuschneiden brauchte, und davon habe ich noch eine ganze Kiste voll. Die Oberteile nachzunähen ist schwierig, weil sie fast alle die Riesenschulterpolster der Achtziger/Neunziger Jahre vorsehen, mit denen man aussieht wie Sue Ellen aus „Dallas“. (Vermutlich kennt das gar keiner mehr ?!? Ich bin ja schon ziemlich alt …)

Aber so ein Rockschnitt ist ein Dauerbrenner. Ich wollte den Rock zuerst nicht füttern (sollte ja im Sommer getragen werden), aber dann erwies er sich als fast ebenso durchscheinend wie die Bluse, also habe ich ihn – aus Mangel an anderen Materialien – mit demselben Stoff gedoppelt. Der wäre auf jeden Fall warm genug gewesen ;o)

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Hier noch mal ein Foto von der Kombination mit einem weißen Spaghetti-Top drunter. Man beachte, dass ich gerade meine Uhr nicht trage und dort ein Streifen meiner Original-Hautfarbe zu sehen ist. Und daraus ergibt sich, dass ich dieses blasse Rosé nur tragen sollte, wenn ich über die gerade vorhandene Urlaubsbräune verfüge. Hat vielleicht jemand in den nächsten zwei Wochen was zu feiern?

 

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Allez les Bleus!

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Ziemlich spät reihe ich mich bei den „Blaumachern“ von Selmins 12 colours of handmade fashion ein. (Wisst ihr übrigens, woher dieser Ausdruck kommt? Früher wurden Textilien mit Waid blau gefärbt. Dafür mussten – um ein anrüchiges Thema kurz abzuhandeln – diese Pflanzenbestandteile mit menschlichem Urin vergoren werden, und darauf musste man eine Zeitlang warten und konnte zu dem Prozess nichts weiter beitragen als sich die Nase zuzuhalten. Das hab ich in Erfurt gelernt, wohin dieses Kleid seinen ersten Ausflug gemacht hat.)

Wo war ich? Ach ja, spät. Immerhin habe ich eine gute Entschuldigung, denn ich war im Urlaub, passenderweise in dem Land, in dem die Fußball-Nationalmannschaft Blau trägt und mit dem Spruch im Titel angefeuert wird. Da war dieses Kleid auch mit, wie man sieht. Wenigstens kann ich die Verspätung mit einem Tragefoto ausgleichen, das mal nicht mit Handykamera vor dem Spiegel entstanden ist.

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Jeanskleider sind ja dieses Jahr modern, teilen mir die Newsletter diverser Modefirmen mit. Ich habe mir eins mit sehr schlichtem Schnitt genäht. Eigentlich ist es ein Sack und wird nur durch die in der Seitennaht mitgefassten Bindebänder ein wenig auf Figur gebracht, aber das ist bei den hohen Temperaturen, die wir in der Provence hatten, sehr angenehm – es flatterte luftig um mich herum und hat doch die von der Sonne etwas geröteten Oberarme geschützt.

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Hier sieht man Bindeband (ganz einfach aus der Selfkante produziert) und Stoff noch mal genauer. Es handelt sich um einen mit winzigen Glitzerpunkten bedruckten Baumwoll-Chambray vom Tedox. Ich hatte erst etwas Sorge um die Pünktchen, aber drei Runden in der Waschmaschine haben sie bereits ohne Verluste überstanden. Insofern kann ich das Material nur empfehlen.

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Ebenfalls mit in Urlaub war dieses Shirt, das ich noch kurz vor knapp aus einer Viskose genäht habe, die ich als Rest bei Stoff&Stil mitgenommen hatte. „Querstreifen machen schlank“ war der ironische Kommentar meines Fotografen, aber ich bin nicht nur wegen der Optik etwas unglücklich. Auch wenn viele von euch über Viskose als leichten Sommerstoff schwärmen (und ich weiß, es ist ein Holzprodukt und daher keine Kunstfaser im engeren Sinne), ich habe darin deutlich mehr geschwitzt als in meinen Baumwoll-Oberteilen. Deshalb mussten wir dieses Bild noch am Abend vor der Abreise machen, damit ich wenigstens ein Foto davon habe.

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Der Schnitt ist so simpel, einfacher geht’s nicht: überschnittene Schultern und hinten etwas länger als vorn, mal wieder von meinem tapferen Grundschnitt abgenommen. Den Halsausschnitt habe ich mit einem Beleg versehen, die Ärmelausschnitte einfach wie den Saum mit der Ovi versäubert und umgekippt. Tja, die Farben sind toll und das Muster originell, aber ob das Teil bei mir eine dauerhafte Heimat findet, weiß ich noch nicht.

So, jetzt hab ich aber genug „blau gemacht“, es geht zurück an die Arbeit. Demnächst sehen wir uns ja in Rot wieder – ich bin schon gespannt, was es da alles zu bewundern gibt! … und weil ich so lange weg war, schaue ich auch mal wieder bei RUMS vorbei.

 

 

 

Auch das noch

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Früher, als ich meine Sachen ausschließlich fertig gekauft hatte, gab es diese trügerische Einstellung, die mir zuraunte: „Nur noch dieses T-Shirt, dann hast du erst mal alles, was du brauchst!“ Das stimmte natürlich nicht, denn kaum war das T-Shirt erworben, kam irgendein anderes Teil des Weges, das ebenfalls zur Komplettierung meiner Garderobe unbedingt nötig war. Ihr merkt: ich bin ein Sammler. (In jeder Beziehung gibt es meines Erachtens einen Sammler und einen Wegschmeißer, und letztere Position hält seit jeher mein Mann). Aber die Welt ist nun mal voll von Läden, die schicke Kleidungsstücke verkaufen, und ich bin doch nur eine schwache Frau … nun ja.

Seitdem ich versuche, meine Klamotten mehrheitlich selbst herzustellen (ausgenommen davon sind natürlich komplizierte Stücke wie Mäntel, Jacken, Jeans und definitiv Schuhe), hatte ich erwartet, dass sich diese Sachlage ändern würde. Schließlich ist es viel aufwändiger, ein Shirt zu nähen, statt es rasch irgendwo zu kaufen. Aber dann kam leider Pinterest, und seitdem sammle ich wieder auf diversen Pinnwänden alle möglichen schönen Sachen, deren Menge all die Dinge, die ich vorher beim Shoppen und beim gelegentlichen Durchbättern von Katalogen und Zeitschriften gesehen hatte, um ein Vielfaches übersteigt. So viel Inspiration ist kaum auszuhalten – wie macht ihr das?

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Auf jeden Fall ist das der Grund, weshalb es zu dieser Bluse kam. Zum einen interessierte mich die Frage, ob man den hochgezogenen Kragen des „Toaster Sweater“ auch mit Webstoffen hinkriegen kann. Zum anderen hatte ich schon häufiger Fotos gesehen – und natürlich gepinnt – von Kombinationen aus ganz unterschiedlichen Mustern. Das reizte mich auch, aber ich hatte die Vermutung, dass sich die Stoffe von Machart und Gewicht nicht zu sehr unterscheiden sollten.

So begab es sich, dass ich eines Tages ein kleines Päckchen mit Baumwoll-Stoffstücken erwarb (bei Quiltern heißen die glaube ich „fat quarter“), aus denen ich mit meinem neu erworbenen Geräte-Set testweise eigenes Schrägband herstellen wollte. (Das mit dem Schrägband klappt übrigens hervorragend, ich kann es nur empfehlen. Aber vermutlich habt ihr alle längst diese Dinger zuhause.)

Schrägbandset

Und da lagen nun drei ganz leichte Baumwollstoffe nebeneinander, die sowohl farblich als auch von der Qualität genau zusammen passten, und da musste ich einfach experimentieren – ansonsten kann man mit so kleinen Stück ja wenig anfangen (außer Schrägband und Patchwork, wie gesagt). Das Risiko war überschaubar. Also rasch alle Stoffe halbiert und mit der Overlock zusammengeschustert. Auf das Vorderteil noch ein rundes Stück eines Reststoffs appliziert, einfach, weil ich es hatte. Dann gezittert, ob die Breite reicht (so gerade eben, ich sollte nicht zunehmen wollen!) und mithilfe eines schlichten Schnitts für ein Oberteil die Kragenlösung zugeschnitten. Aus dem Streifen, den ich unten von der Länge abgenommen hatte, kriegte ich die Belege für den Halsausschnitt zugeschnitten. Die Armausschnitte sind so gerade, dass ich sie mit der Overlock versäubern und einfach umkippen konnte. In Rekordzeit war das Stück genäht und konnte anprobiert werden.

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Hier sieht man, wie ich mich dabei fotografiere, wie ich mich fotografiere, wie ich mich … Ich will euch nämlich nicht vorenthalten, dass der hintere Halsausschnitt zunächst mal ziemlich bescheuert abstand. Deshalb habe ich noch einen Abnäher in die Mitte gesetzt, um meinem Rundrücken zu huldigen. Vielleicht sähe da ein Reißverschluss noch besser aus, aber jetzt ist es ganz gut so, da werde ich doch nicht noch dran herumdoktern … vielleicht wäre so ein Reißverschluss eh etwas zu schwer für den leichten Stoff … und überhaupt.

Nachdem ich die Fotos gemacht hatte, fand ich beim Aufräumen einen Vogelknopf aus Keramik, den ich vor urlanger Zeit mal in einem Kunstgewerbeladen gekauft hatte. Damals wollte ich den für Kinderkleidung verwenden, aber es fand sich nie das passende Projekt. Damit der endlich mal zu Ehren kommt, habe ich ihn nachträglich aufgenäht, und das sieht dann so aus:

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Süß, nech? Jetzt brauche ich natürlich noch einen dazu passenden dunkelblauen Sommerrock, dann wäre meine Garderobe komplett. Wenigstens für ein paar Tage. Bis ich das nächste Mal bei Pinterest hängenbleibe. Ach ja.

Leichtgewicht

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Was soll ich sagen – ich habe schon wieder einen warmen Pullover fertiggestellt. Nennt man das antizyklisches Verhalten oder einfach nur doof? Ist mir aber auch egal, weil ich auch im Sommer gelegentlich warme Sachen brauche und nicht zu den Leuten gehöre, die pünktlich am 20. März ihre Wintergarderobe in den Keller bringen und ab sofort nur leichte Sachen tragen. Und bis Oktober nur T-Shirts nähen.

Die Wolle ist eine wilde Mischung aus Schurwolle (32%), Alpaka (20%), Polyamid (33%) und Polyacryl (15%), heißt Lana Grossa Ragazza und ist farblich in Wirklichkeit ein fast schwarzes Anthrazit (auf dem Foto oben hat sie leider einen Blaustich). Ursprünglich wollte ich mir keine Wolle mehr kaufen, ich habe ja schon welche, und zwar mehr als ich in den nächsten zwei Jahren realistisch gesehen verstricken kann. Aber es gab mehrere gute Gründe, es dennoch zu tun:

  1. sie passt von Farbe und Struktur genau in mein Beuteschema
  2. sie war runtergesetzt
  3. es gab sie in Oldenburg. Das ist ein sehr schönes Städtchen in der Nähe von Bremen; damit liegt es nicht gerade zentral in Deutschland und deshalb war ich zum ersten Mal dort – da musste ich mir doch ein Souvenir mitnehmen!
  4. der Laden hatte zusätzlich zum reduzierten Preis angegeben, dass man für einen Pulli Gr. 38 nur 250 g braucht

Gegen so viele gute Argumente kam ich nicht an. Ich entschied mich allerdings, lieber gleich 300 g zu kaufen, denn ich trage eher Größe 40 und kann momentan nicht absehen, wann ich das nächste Mal in Oldenburg sein werde. Das fand ich sehr vernünftig in dem Moment (aber wenn ich in Woll- und Stoffgeschäften bin, erscheint mir eh alles vernünftig, was für den Kauf von Material spricht).

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Ohne Vorlage (wie auch sonst?) fing ich sofort nach meiner Heimkehr an zu stricken. Für das Rückenteil reichte ein Knäuel. Für das Vorderteil auch. Beide Ärmel waren ebenfalls mit nur einem Knäuel geschafft, und es gab sogar einen Rest für das Halsbündchen. Somit wiegt das ganze Stück nur 150 Gramm, ist aber total kuschelig und wärmt sehr angenehm, wenn auf der Terrasse die Sonne weg ist. Für Flugreisen ist er auf jeden Fall gesetzt!

Nur: jetzt habe ich immer noch 150 g von der Wolle. Ich könnte mir also noch mal genau den gleichen Pulli stricken. Werde ich aber mit ziemlicher Sicherheit nicht tun. Oder ich grabe irgendwo in meinen Vorräten noch einen Rest in einer passenden Farbe aus, der wenigstens ein Streifenmuster ergibt für eine Strickjacke. Bis dahin sollte ich aber Wollgeschäfte meiden, glaube ich. Ach ja.

Die Summe aller Laster

Was soll dieser Titel? Wir haben ja gerade das Luther-Jubiläumsjahr, in dem man allseits daran erinnert wird, dass der schwunghafte Handel mit Ablassbriefen zum Auslöser der Reformation wurde. Damit konnte man sich Befreiung von Sünden erkaufen – aber keine Sorge, ich fange jetzt hier keine theologische Diskussion an. Allerdings hat mich die Beschäftigung mit den Lastern, die zur Begehung von Todsünden führen, an ein Projekt erinnert, das ich heute vorstellen möchte.

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Es beginnt mit der Habgier. Damit stehe ich vermutlich nicht allein. Kennt ihr das auch: ihr fahrt nach Paris (das wollte ich schon ganz lange,und letztes Frühjahr haben wir es endlich gemacht) und erkundet die Stadt. Dazu gehört natürlich auch, die vielen Stufen zum Sacre Coeur zu erklimmen, sich der fliegenden Händler zu erwehren, die einem Selfiesticks und anderen Unfug verkaufen wollen, einen grandiosen Blick über die Stadt zu genießen und dann zu entdecken, dass es direkt unterhalb dieser Sehenswürdigkeit ein Viertel voller Stoffgeschäfte gibt. Da wird dann rasch der Ehemann in einem Bistro geparkt, und los geht’s. Leider wurden dem Kaufrausch durch die geringen Gepäckreserven Grenzen gesetzt, und so ein Überangebot an Waren macht mich nicht gerade entscheidungsfreudiger, aber schließlich habe ich zwei Leinen-Coupons erworben – einen davon, ein mattes Braun mit helleren Streifen, habe ich inzwischen verarbeitet (siehe Bild oben).

Zu einer weiten Hose. Eigentlich stehen mir Hosen mit weit geschnittenem Bein ganz gut, aber bei dieser habe ich es übertrieben. Außerdem hatte ich mir vorgestellt, dass eine „paperbag waist“ (wie heißt das auf deutsch? Papiertüten-Taille? – noch nie gehört!) dazu toll aussehen müsste. Aber das war ein Irrtum. Nach einem Blick in den Spiegel landete die Hose ungetragen im Schrank, und infolge meiner Eitelkeit werde ich euch auch das Bild von der rückwärtigen Ansicht nicht zeigen, weil da nämlich mein Hinterteil aussieht wie ein Medizinball (die hatten wir früher im Sportunterricht – gibt es die noch?).

Also ab in die Kleiderkammer?  Prompt meldete sich der Geiz und flüsterte: „Nein, dieses schöne Material – das kannst du doch nicht weggeben!“ Und dann kam mir die Idee, aus der ungeliebten Hose einen Rock zu machen. Bitte sehr:

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Ich konnte die Eingrifftaschen retten, weil ich die Hose nur an der Mittelnaht aufgetrennt habe. Durch den weiten Schnitt war es kein Problem, die Kanten zu begradigen, mit der Overlock zu versäubern (ist schließlich Leinen!) und wieder zu schließen. Als kleine Erinnerung an die Papiertüte habe ich in der Taille keine Abnäher gesetzt (eventuell hat das auch ein bisschen mit Faulheit zu tun), sondern jeweils eine offene Falte. Die Gürtelschlaufen hatte ich ja auch schon, die kamen dann wieder dran. Wie auf dem ersten Bild zu sehen ist, habe ich aus dem Reststoff einen Gürtel mit einer dornlosen Schließe aus meinem Fundus gemacht, aber letztlich gefällt mir mein Ledergürtel besser dazu.

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Jetzt kommt der Stolz auf den Plan, weil ich nicht nur mit dem Rock sehr zufrieden bin, sondern auch mit dem Oberteil. Eigentlich war es nur ein Test, bei dem sich dann auch zeigte, dass der Ausschnitt zu weit ist, aber mit den beiden eingesetzten „Trägern“ ist das Ding tatsächlich tragbar.

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Wollt ihr wissen, welche Laster jetzt noch fehlen in meiner Aufzählung? Ich habe zusätzlich die Völlerei gefunden (da war ich vielleicht beim Stoffeinkauf kurz gefährdet), die Wut (die tritt manchmal auf, wenn ein Teil absolut nichts werden will, aber das war zum Glück hier nicht der Fall) und der Neid. Der kommt vielleicht gleich, wenn ich mir ansehe, was die anderen Künstlerinnen bei RUMS alles Großartiges zeigen.

 

Großes Plus

Das Wetter schreit heute nicht gerade nach warmen Pullovern. Ich poste aber trotzdem mal fix zwischendurch einen, weil sich inzwischen so viele Projekte bei mir stauen, die ich ja eigentlich alle zeigen möchte. Deshalb zunächst ein Tragefoto:

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Ähnliche Stoffe habe ich den ganzen Winter über im Netz gesehen, deshalb musste ich einfach zuschlagen, als ich diesen in einem netten kleinen Stoffgeschäft in Wildeshausen fand. Zuerst wollte ich mir ein Hoodie daraus nähen, habe aber wieder davon Abstand genommen, weil ich Kapuzen zwar ganz toll anzugucken finde, sie selber aber nicht trage – der viele Stoff am Hals ist mir die meiste Zeit zu lästig. Dann stieß ich wieder auf einige Versionen des „Toaster Sweater“ und beschloss, diese Form als Halsausschnitt zu nehmen. Ich habe dafür einfach meinen Grundschnitt verwendet und dort, wo man eigentlich im Stoffbruch die abfallende Kurve für die Halsöffnung zuschneiden würde, die Linie um etwa fünf Zentimeter hochgezogen und gerade weitergeführt. Dazu passend habe ich Belege geschnitten und, nachdem ich die Schulternähte geschlossen hatte, dagegengesetzt.

Dummerweise hatte ich beim Zuschneiden einen kleinen Blackout und konnte deshalb die Ärmel nicht in voller Länge hinkriegen. Sie unterhalb vom Ellbogen zu stückeln sah einfach nur doof aus, deshalb habe ich mich stattdessen für längere Bündchen aus schwarzem Sweat entschieden. Das sieht schon eher so aus, als wäre es gewollt.

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Als kleinen Gag (und um ehrlich zu sein, auch damit ich besser sehe, wo vorn ist) habe ich mal wieder ein kleines rotes Quadrat aufgebügelt (die Idee hatte ich hier schon mal) und dann einen Knopf draufgesetzt. Hier sieht es zwar ein wenig missglückt aus, aber „in echt“ ist es wirklich quadratisch, isch schwör!!

Ich bin jedenfalls ganz zufrieden mit meinem Sweatshirt mit den vielen Plus- und Mal-Symbolen, auch wenn ich noch nie ein Mathegenie war.

Leinen los!

Bei den deutschen Nähbloggerinnen ist offensichtlich immer was los, stelle ich nach weniger als zwei Monaten eigener Blog-Aktivität fest. Gerade läuft zum Beispiel der #leinensewalong von TilliT und Unter meinem Dach bei Instagram. Da habe ich zwar keinen Account (und werde auch vorläufig keinen anlegen, ich habe mit meinem Blog und Pinterest schon genug Zeitfresser), aber das Thema passt mir trotzdem gut in den Kram, denn dazu kann ich zum Beispiel das hier zeigen:

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Zu spät für „Weiß“, die Mai-Farbe von Selmins „12 colours of handmade fashion“, zu früh für Blau, das Thema im Juni. Aber es trifft hervorragend auf das Thema „Streifen“, das heute der Me Made Mittwoch vorschlägt.

Und aus Leinen! Ihr müsst wissen, dass ich da erblich vorbelastet bin. Meine Mutter war Handwebmeisterin und hatte, weil sie mit in unserem Haus wohnte, eine Webwerkstatt in unserem Keller. Noch bis sie fast achtzig war, hat sie dort gearbeitet und einerseits Wandbehänge in Gobelintechnik  nach eigenen Entwürfen hergestellt, andererseits auf riesigen Flachwebstühlen auch Stoffe für Tischdecken, Gardinen und ähnliche Heimtextilien gewebt.

Nach ihrem Tod haben wir die komplette Werkstatt an ein Museum weitergegeben, das Material größtenteils verkauft, ihre Fachliteratur zugunsten unseres Sozialen Bürgerzentrums gestiftet und sind auch einige der noch vorhandenen Produkte an Liebhaber losgeworden, aber ein Teil befindet sich immer noch bei mir, vor allem die Stoffe, die sie nicht bearbeitet hatte. Dazu gehört dieser, ein Stück von etwa 1,70 m Länge und einer Breite von 1,20 m. Vielleicht war er als Gardine gedacht? Ich habe ihn neulich wiedergefunden und erst mal gewaschen, denn wenn die Stoffe vom Stuhl kommen, sind sie eher etwas steif und ribbeln schnell aus. Nach der Wäsche und einem Aufenthalt im Trockner war er aber erstaunlich weich und angenehm, und weil ich neulich noch überlegt hatte, mir ein Shirt aus Leinen zu nähen, habe ich kurz entschlossen meinen Standardschnitt für ein Oberteil mit überschnittener Schulter hervorgeholt.

Genäht ist das Teil ratzfatz, man muss nur alle Schnittteile sofort mit dem Overlocker versäubern, sonst franst es in jede Richtung. Den Halsausschnitt habe ich der Einfachheit halber mit naturweißem Schrägband versäubert. Die Armausschnitte habe ich noch verkürzt, trotzdem stehen sie ziemlich ab – aber das stört mich nicht, weil ich relativ schmale Schultern habe und das meine deutlich breiteren Hüften etwas ausbalanciert (typische Birnenform, Herr von Ribbeck auf Ribbeck wäre begeistert). Hier noch mal ein näherer Blick auf den Schnitt:

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Ganz sicher bin ich nicht, ob es nicht auch eine Leinen-Baumwoll-Mischung ist, aber es trägt sich wunderbar, gerade jetzt während der richtig heißen Tage Ende Mai. Ganz bestimmt reines Leinen ist aber dieses Oberteil:

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Diesen Stoff hatte meine Mutter für Handtücher gewebt (vermutlich in den 50er Jahren). Ziel ist dabei, die Naturfarbe (etwa der Ton von Bindfaden) so lange zu waschen, bis das ursprünglich etwas störrische Leinen ganz weich und strahlend weiß wird. Diese Geduld hatte ich nicht, sondern ich habe den Stoff in der Waschmaschine gefärbt und dann verarbeitet. Wegen der mangelnden Breite wäre aus meinem Grundschnitt (siehe oben) nur ein bauchfreies Top geworden – also musste ich unten einen Streifen ansetzen, man sieht ganz gut die Unterschiede im Fadenlauf. Weil ich in meinen Beständen zufällig rotes Schrägband hatte, das mir gut dazu gefiel, habe ich nicht nur den Halsausschnitt nach außen hin versäubert, sondern in der Naht unten auch ein Reststück mitgefasst, an dem ein Metallring hängt.

Jetzt warte ich ab, wie sich das Material beim Waschen verhält. Ich hätte nichts dagegen, wenn es etwas blasser wird. Das wird sich zeigen – vielleicht kann ich Ende des Sommers einen Vorher-Nachher-Vergleich machen. Aber erst mal freue ich mich auf ein paar Monate, in denen ich meine Leinen-Tops tragen kann.