Grau und gemütlich

Womit soll ich diesen Beitrag beginnen? Mit der Feststellung, dass ich immer friere? Mit der Entschuldigung dafür, dass ich schon wieder keinen neuen Schnitt verwendet habe (eigentlich brauche ich die nicht mehr, wer meinen Blog bis hierher verfolgt hat, weiß das sowieso)? Oder soll ich das supergemütliche Sweatshirt aus weißem Nickistoff erwähnen, das ich meiner Tochter zu Weihnachten geschenkt habe und das wir dann beide ganz andächtig gestreichelt haben, weil es so unfassbar weich war?

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Ja, vielleicht steige ich damit ein. Denn diese Kuschelorgie erinnerte mich daran, dass ich selbst noch so einen Stoff im Fundus hatte, allerdings nicht in Schäfchenweiß, sondern in Elefantengrau, aber vielleicht passt das ja auch besser zu mir (nicht wegen des Gewichts, sondern weil Elefanten so ein sprichwörtlich gutes Gedächtnis haben – wobei meines in letzter Zeit doch etwas nachlässt).

Nachdem mein Nähzimmer nicht mehr durch ein Gästebett belegt war, ging ich deshalb direkt auf die Suche. Auch den Schnitt hatte ich noch fix von dem Geschenk-Pulli kopiert (endlich mal wieder was mit eingesetzten Ärmeln), und dann wurde zugeschnitten. Beim Halsausschnitt war ich etwas großzügig, aber ich rede mir ein, dass das gar nicht schlecht ist, weil ich im Zweifelsfall immer noch einen meiner vielen Schals umwickeln kann und ich es eh nicht mag, wenn mir was am Hals zu eng ist.

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Nachdem das mit der Kängurutasche an meinem Samtshirt so gut geklappt hatte, habe ich wieder so eine zugeschnitten. Was soll ich sagen? Normalerweise schreibt ihr manchmal in euren Blogs: „das sieht jetzt schief aus, aber in Wahrheit ist es das nicht“ – bei mir ist es eher umgekehrt. Auf dem rutschigen Nicki ist die Tasche tatsächlich etwas verzogen, was durch das glänzende Zierband zusätzlich hervorgehoben wird, aber auf dem Foto sieht es gar nicht so schlimm aus! Aufzutrennen habe ich mich nicht getraut, weil man die Stiche in dem dicken Material kaum erkennen kann – das hätte bestimmt Löcher gegeben,und ich plane sowieso nicht, das Teil irgendwo offiziell zu tragen.

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In den unteren Saum habe ich noch ein Gummiband eingezogen. Ob das unter dem Aspekt „vorteilhaft für die Figur“ eine gute Entscheidung war, lassen wir mal dahingestellt, aber mit diesem Ding will ich – wie gesagt – niemanden außerhalb meiner Wohnung beeindrucken; inzwischen kann ich aber bestätigen, dass es wirklich warm hält, wenn man mehr oder weniger bewegungslos am Schreibtisch sitzt, und das war die Absicht. Also: Ziel erreicht!

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Unter der Überschrift kann ich euch aber noch ein zweites Machwerk zeigen, das in den letzten Tagen entstanden ist. Ich hatte mir bei einer falschen Bewegung einen Hexenschuss eingefangen (ja, ausgerechnet an Silvester!), und da soll man sich ja mäßig bewegen. Für mich hieß das: erst mal in meinem Nähkeller einige Kisten aufräumen, und als das geschehen war und ich mich tatsächlich ohne Ibuprofen durchschlagen konnte, ging es an ein Projekt zur Resteverwertung. Dieser Samtstoff war übriggeblieben, als ich mir ein anderes Oberteil genäht hatte. Natürlich reichte er nicht mehr für ein Shirt mit Ärmeln (und ein Samtshirt ohne Ärmel, mal ehrlich, wann zieht man das denn an???) – aber der Aufräumaktion sei Dank war noch ein Schal aufgetaucht, den ich ausgemustert hatte, weil er sich immer wie eine Würgeschlange um meinen Hals winden wollte. Und das mag ich ja nicht, siehe oben.

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In der Kombination sahen die beiden Materialien gut aus. Nachdem ich sie mit dem Overlocker zusammengefügt hatte, leider nicht mehr so optimal. Deshalb konnte ich gleich noch ein Samtband aus dem Fundus verwenden (das hatte sich R*ssmann eigentlich zum Verpacken von Geschenken vorgestellt), und nun gefällt es mir.

Leider kann ich euch noch keine Tragefotos zeigen, weil es hier immer so dunkel ist und es auch noch keinen offiziellen Anlass gab, es auszuführen. Aber vielleicht kommt das noch. Es wartet eine ganz neue Dekade mit ungeahnten Möglichkeiten. Vielleicht sogar mit einem neuen Schnittmuster für mich? Man soll nie „nie“ sagen.

Bei ebenfalls grauem Wetter stelle ich meine Oberteile wieder bei Du für Dich am Donnerstag und der von MadeMOIselle weitergeführten Linkparty Sewlala vor  – schaut doch mal vorbei und reiht euch ebenfalls ein!

Looking back over my shoulder

Wie günstig, dass die Zwanziger Jahre direkt an einem Mittwoch beginnen, bei dem wir uns alle beim Me-Made Mittwoch treffen, um noch mal auf das vergangene Jahr zurückzuschauen und unsere Lieblingsstücke zu zeigen. Und auch wenn ich in den letzten Wochen wieder mal wenig Zeit hatte und deshalb nichts Neues zeigen kann – meine Lieblingsstücke kann ich hier noch einmal vorführen.

Was also habe ich 2019 genäht und dann besonders gern und/oder besonders oft angezogen?

1. Der Mantel

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Im Nachhinein fand ich schon mutig, einfach zwei Wolldecken zu kaufen und daraus nach einem selbst erstellten Schnitt einen Mantel zu nähen. Aber ich habe nicht nur eine Menge positiver Reaktionen bekommen (sogar von so kritischen Zeitgenossen wie meinen eigenen Kindern), ich ziehe ihn auch wirklich gern an. Er ist kuschlig und warm und eine echte Bereicherung für meine Garderobe. Außerdem findet man ihn immer sofort wieder, wenn man ihn irgendwo aufgehängt hatte. So einen Mantel hat sonst wirklich niemand!

2. Das Kleid

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Bequem und doch chic (zumindest für meinen Geschmack) ist dieses Glencheck-Kleid mit roten Galonstreifen. Ich hatte es für meine letzte Lesung an und auch Heiligabend und noch zu mehreren weiteren Gelegenheiten. Winner!

3. Die Sweatjacke für alle Gelegenheiten

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Nicht gerade ein Runway-Teil, aber sehr vielseitig einsetzbar für mich, weil ich von zuhause aus arbeite und schnell friere. Die Jacke passt zu Jeans und Röcken und ergänzt sowohl meine zahlreichen Longsleeves als auch Blusen.

4. Das Longsleeve

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Eigentlich sollte aus dem Stoff ein Nachthemd werden – gut, dass ich mich noch umentschieden und dieses Shirt daraus genäht habe! Ich hatte es wirklich oft an, es ist eins dieser Basic-Teile, nach denen man immer wieder greift. Gerade in Kombination mit der oben gezeigten Sweatjacke.

Lassen wir es mal dabei. Für 2020 habe ich viele Pläne. Sie umfassen eine oder vielleicht sogar mehrere Hosen (ich weiß, davon rede ich seit Jahren), Teile aus kuschligem Panne-Samt, ein Kleid mit Colorblocking-Effekten, sommerliche Baumwollpullover und einige andere Dinge, für die ich aber erst mal den passenden Stoff finden muss. Ach ja, Stoff abbauen möchte ich natürlich auch.

Starten wir also mit Zuversicht in die neue Dekade und lassen wir uns überraschen, was sie uns bringt. Ich wünsche euch alles Gute, viel Erfolg, Gottes Segen und all das, was ihr euch sonst noch erhofft!

GeSAMTansicht

Ein passender Titel zum Jahresende, finde ich. Durch unseren Umzug hat sich in diesem Jahr einiges für uns geändert. Eine Weile blieb mir absolut keine Zeit zum Nähen, und auch in den letzten Wochen blieb das Nähzimmer dunkel, weil ich unbedingt meinen historischen Roman fertigschreiben musste, der nächsten Sommer erscheinen soll. Aber das ist jetzt erledigt, das Manuskript liegt zum Lektorat beim Verlag, und ich konnte mich endlich wieder mit anderen Dingen beschäftigen, bevor die Familie zu Weihnachten einfällt und mein Nähraum als Nachtlager benötigt wird.

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Samt markiert sozusagen den Beginn meiner Nähleidenschaft. Es muss Anfang der Siebziger gewesen sein, als ich (vermutlich in der BRIGITTE) ein Kleid aus blauem Pannesamt sah, das ich unbedingt haben wollte. Kaufen war keine Option, also – nähen! Leider war ein solches Material nirgendwo bei uns in der Gegend aufzutreiben (behauptete meine Mutter wenigstens), deshalb musste ich mir das Kleid aus einem Blümchenstoff nähen. Aber ich war mordsmäßig stolz auf mein erstes selbstgenähtes tragbares Kleidungsstück (und völlig verzweifelt, als unser junger Hund dann beim Toben einen Winkelhaken reingerissen hat).

Mein nächster Versuch war mein Brautkleid – ich wollte auf keinen Fall ein konventionelles weißes Gewand mit Schleier, sondern erfüllte mir einen Traum in Form eines dunkelroten bodenlangen Samtcapes mit Kapuze (gesehen als Vorschlag für einen Opernbesuch in der Burda…) über einem selbstgenähten Kleid.

Dann war Samt wieder „out“ und galt als spießig, bis es irgendwann für eine Festtagssaison plötzlich überall schwarze Samtkleider gab. Meins damals war gekauft, denn mit drei kleinen Kindern und Teilzeitjob blieb keine Zeit für spezielle Hobbys. Aber jetzt, nachdem dieses Material wieder aktuell zu sein scheint, da konnte ich endlich wieder zuschlagen. Ich habe dafür sogar mit meinem Vorsatz gebrochen, keine Kunstfaser-Stoffe zu verarbeiten.

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Die Frage war eher: was mache ich damit? Ihr wisst vermutlich alle, wie flutschig das Zeug ist, also wollte ich nicht unbedingt als erstes etwas angehen, was beim Zuschneiden wie Verarbeiten höchste Präzision verlangt wie zum Beispiel so ein Mantel, auch wenn ich den atemberaubend schön finde. Und ein neues Weihnachtskleid brauche ich auch nicht – bei uns geht es an den Feiertagen eher lässig zu. Aber zum Glück hat Pinterest ja immer eine Lösung parat, und dieses Sweatshirt gefiel mir auf Anhieb durch den Gegensatz zwischen dem eleganten Material und dem sportlichen Schnittkonzept.

Das passt schon eher zu mir – und natürlich habe ich sofort wieder meinen üblichen Schnitt rausgeholt. Wenn ich jemals ein Nähbuch herausgeben sollte (wird nicht passieren, ich bleibe lieber bei meinen Romanen), dann würde es vermutlich heißen „Wie ich mit einem Schnittmuster zehn Jahre lang alles nähte, was ich brauche“.

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Um das Projekt besonders zu würdigen, habe ich in den Kragen zwei Metallösen eingeschlagen und ein farblich passendes Band durchgezogen (ein dreifach Hoch auf meine endlosen Vorräte), das dann auch die Kängurutasche vorne noch etwas hervorhebt. Weil ich das Band auch mit Pünktchen besitze, kam das dann unten zum Einsatz – das hätte ich im Nachhinein lieber weggelassen, aber nun ist es dran. Durch die Ärmelbündchen und den Bund habe ich Gummi gezogen, damit es nicht so schlabbrig hängt.

Tja, das war’s auch schon – damit werde ich mich mal wieder bei Du für Dich am Donnerstag einreihen. Ich wünsche euch schöne Feiertage und hoffentlich auch im Jahr 2020 fröhliches Schneidern!

Nachtrag: gerade habe ich gesehen, dass Sewlala weitergeführt wird – merci, MadeMOIselle! Da bin ich natürlich auch dabei.

 

Gelbfieber

Boah, was für ein blöder Titel. Aber fällt euch was Besseres ein für die Tatsache, dass ich mir schon wieder etwas Gelbes genäht habe, obwohl mir diese Farbe nicht besonders steht? Immerhin ist es ein Rock geworden, weit weg von meinem blassen Gesicht und den blond(iert)en Haaren.

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Und das war’s auch schon fast. Das Material ist ein Wildleder-Imitat aus der Deko-Stoff-Abteilung meines Lieblingsladens (ihr wisst schon, fängt mit T and und hört mit x auf), das sich supersoft anfühlt. Für den Schnitt habe ich mal wieder meine Uralt-Vorlage aus einer Burda Easy hervorgekramt und beide Teile im Stoffbruch zugeschnitten, der Reißverschluss wurde also an die Seite verlegt.

Ein Futter war unverzichtbar, denn der Rock tut, was jedem Polytierchen quasi angeboren ist: sich statisch aufladen und an den Beinen kleben. Deshalb könnt ihr auf dem zweiten Foto einen Eindruck davon gewinnen, wie das gute Stück als Bermuda aussähe.

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Aber die Farbe ist toll und fügt sich hervorragend in meine bestehende Garderobe ein. Ich hätte auch einen schwarzen Cardigan anziehen können, das sieht allerdings schon verdächtig nach Fußball-Fan aus und würde diejenigen meiner Freunde provozieren, die mehr dem blau-weißen Lager zuneigen. Deshalb wird es wohl eher Kombinationen mit Grau, Marine oder Weiß geben, wovon mein Kleiderschrank ebenfalls voll ist. Mission accomplished!

Mit anderen Näh-Infizierten treffe ich mich heute wieder bei Sewlala und Du für Dich am Donnerstag.

Unter einer Decke stecken

Autoren sind ja Geschichtenerzähler. Meine heutige Geschichte geht so: ich war in unserem hiesigen Tedox unterwegs, um Leuchtmittel für meine Bürolampen zu kaufen. Irgendwie muss ich mich dabei mal wieder in eine andere Abteilung verlaufen haben (ach nee, wie kommt das denn?!?) und stand plötzlich vor dem Regal mit den Kuscheldecken. Und da gab es eine, die nicht nur eine tolle Farbgebung hatte (hellgrau mit unregelmäßigen senfgelben Streifen, genau mein Beuteschema), sondern auch einen Baumwoll-Anteil von 60%, was inzwischen im Zeitalter der Fleecedecken ungewöhnlich ist. Sie fühlte sich so super-weich und gemütlich an, dass ich sie mit nach Hause nahm und mir einen Mantel davon nähte.

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Das ist allerdings nur die Kurzversion, und Geschichten-Fans rufen jetzt vielleicht: „Och nö! Ein bisschen mehr Spannung! Mehr Details!“ Und da lasse ich mich natürlich nicht lange bitten.

Genauer gesagt bin ich um diese Decke erst einmal mehrere Tage herumgeschlichen. Ich fand sie sooo schön, aber Wolldecken haben wir als Nachfahren einer tüchtigen Handweberin mehr als genug im Haus; außerdem habe ich schon mehrmals im Urlaub eine dieser billigen Fleecedecken gekauft, wenn mir nachts öfter kalt war oder wir nichts hatten, um uns auf eine Wiese zu setzen oder … zurück zur Geschichte.

Ich hatte mir neulich ja selbst einen Schnitt für eine Jacke gebastelt, der fast nur aus geraden Nähten bestand. Weil das so gut geklappt hatte, wurde ich übermütig und beschloss, diesen Schnitt noch einmal zu verwenden – für einen Mantel. Sowohl meine Nähmaschine als auch mein Overlocker haben vermutlich fast die Panik gekriegt, denn dieses Material ist schon recht dick und flust auch ordentlich, wenn man es verarbeitet. Aber da hatte ich bereits losgelegt, und es gab kein Zurück mehr.

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Oder doch, denn ich musste tatsächlich noch mal in den Baumarkt zurück und eine zweite Decke kaufen, weil ich sonst nicht genug Stoff für den langen Schalkragen/Beleg hatte. Eine Herausforderung war auch die Platzierung der Taschen. Die sollten natürlich dem Streifenmuster folgen, aber das ist so unregelmäßig, dass ich es nicht hundertprozentig hingekriegt habe.

Von vornherein war mir klar, dass ich um ein Futter nicht herumkommen würde. In meinen Beständen hatte ich noch einen schönen glatten Baumwollstoff mit Sternen, der auch von der Menge genau passte. Leider habe ich mich bei der Länge vermessen und musste unten noch einen fünfzehn Zentimeter breiten Streifen nachträglich ansetzen. Jetzt haut es so gerade eben hin. Aber ich sage mir: da guckt wohl selten jemand genauer hin.

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Zuerst dachte ich, ich könnte diesen Mantel verschlusslos lassen oder vielleicht einfach mit einem Ledergürtel zusammenhalten (so wie hier), aber das sah katastrophal aus. Dieser Mantel muss locker fallen. Deshalb kam ich auf die Idee mit den großen Druckknöpfen – manchmal lohnt es sich doch, wie eine Elster alles zu horten, was irgendwie nach Nähzubehör aussieht. Ich habe zwei Stück davon verwendet, das reicht voll und ganz.

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Jetzt warte ich auf kaltes, trockenes Wetter, um das gute Stück für einen Testlauf auszuführen. Es fühlt sich auf alle Fälle sehr gemütlich an. Ende gut, alles gut!

A propos Geschichte: ich schreibe jedes Jahr eine Weihnachtsgeschichte, die ich Anfang Dezember statt Karten per Email an alle Freunde, Bekannte und Geschäftspartner verschicke. Wenn man will, kann man sie auch weitergeben oder bei Weihnachtsfeiern vorlesen. Wenn ihr diese Geschichte auch haben möchtet, dann schreibt mir einfach eine Mail, und ich nehme euch in die Empfängerliste auf – ansonsten verwende ich die Adresse nicht, versprochen!

… gern stecke ich übrigens mit den anderen Kreativen bei Sewlala und Du für Dich am Donnerstag unter einer Decke.

Lieblingstrends

Irgendwann hat man ja diverse Modetrends kommen und gehen sehen: bestimmte Farben, spezielle Schnitte, Muster und Accessoires. Manches würde ich nie wiederholen wollen (die Neon-Farben der Siebziger, nostalgische Rüschen, Knautschlack oder luftgetrocknete Dauerwellen), andere können meinetwegen ruhig wiederkehren – wie zum Beispiel der Cord im Augenblick ein Revival feiert, dazu habe ich bereits einen Stoff in der Warteschleife. Und toll wäre auch, wenn es wieder mehr Broschen und Anstecknadeln zu sehen gäbe, denn da könnte ich eine ganze Abteilung meiner Schmuck-Kiste wieder hervorholen.

Wichtig finde ich, dass man genau hinschaut, was zu einem passt. Skinny Jeans und körperbetonte Schnitte mag ich an mir nicht, Rüschen und Volants sind nichts für mich, Culottes finde ich ebenso unvorteilhaft wie Capri-Hosen. Aber dann tauchen plötzlich wieder Sachen auf, bei denen ich sofort denke: ja, das ist es!

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Zum Beispiel Glencheck. Vielleicht liegt es daran, dass das erste Kostüm, das ich mir für meine damals neu gestartete Selbstständigkeit gekauft habe, in diesem Muster war. Ich fühlte mich darin immer chic und gut angezogen. Deshalb bin ich auch an diesem Strickstoff nicht vorbeigekommen, obwohl er größtenteils aus Polyester ist, was ich ansonsten vermeide. Aber mit meinem bewährten Raglanschnitt ist daraus ein locker fallendes Kleid geworden, das sich sehr angenehm trägt.

Und ich konnte gleich noch einen Trend hinzufügen, den ich ebenfalls sehr mag: den Galonstreifen.

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Ich gebe zu, ich bin relativ schmerzfrei, was das mangelnde Aufeinandertreffen des Musters bei Vorder- und Rückenteil angeht, und ich mache mir auch nicht vor, der aufgesetzte Samtstreifen würde das vertuschen. Im Gegenteil, vermutlich betont er das eher noch, aber ich habe beschlossen, dass mich das nicht stört – ich habe nun mal beim Zuschneiden nicht aufgepasst, aber dafür den Stoff wegzuschmeißen und von vorn anzufangen ist ja auch nicht im Sinne der Nachhaltigkeit.

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Ein Detail, das man auf den anderen Fotos nicht sieht, sind diese drei Bleistiftknöpfe aus meinem Fundus. Schon ziemlich lange warteten sie dort auf ihren Einsatz, und da ich in letzter Zeit viel in meinem Nähkeller hin- und hergeräumt habe, fielen sie mir wieder in die Finger. Ich habe sie als kleinen Farbtupfer recht nah an die vordere Raglannaht gesetzt (wie gesagt warte ich ja auf die Rückkehr der Brosche, und so ähnlich wirken sie da), damit sich das Rot der Galonstreifen irgendwo wiederfindet.

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Heute hatte ich das Kleid in Kombination mit einem großen Schal an (der flust leider fürchterlich, fühlt sich aber sehr kuschlig an) und habe mich sehr wohl darin gefühlt. Und wenn auch Trends kommen und gehen – dass wir uns in Kleidung, die zu uns passt, besser und selbstbewusster fühlen, wird immer so bleiben, oder?

Und so lasse ich mich auch beim Me-Made-Mittwoch blicken.

 

Einer für alle…

… und alle mit einem. Schnitt, soll das heißen. Ich weiß, ich sollte endlich mal meine seit langem angepeilte Hose nähen. Aber ich kann nichts dafür, dass der Schnitt für Oberteile mit überschnittenen Schultern so vielseitig ist.

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Schon länger hatte ich über eine Jacke mit V-Ausschnitt nachgedacht. Sie sollte mir endlich die Möglichkeit geben, im Winter eine Hemdbluse zu tragen, ohne dass sich die Kragenecken mit dem Pulloverbündchen streiten, und wärmer sein als die gängigen Kauf-Strickjacken. Nun habe ich mir augenblicklich angesichts meiner überbordenden Vorräte an Strickwolle einen Kaufstopp verordnet, und außerdem stricke ich gerade Socken für die ganze Familie, also war selbst stricken erst mal raus.

Blouson wäre gut, dachte ich. Merkwürdigerweise gibt es Vorlagen und Pinterest-Fotos dafür aber nur mit Rundkragen, deshalb lief es darauf hinaus, mal wieder selbst etwas zu basteln.

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Herausgekommen ist ein wilde Mischung aus Collegejacke, Baseball-Shirt und Sweatshirt. Na ja, so wild auch wieder nicht, denn der graue Sweatstoff ist ja eher zahm. Dafür aber sehr gemütlich.

Hier seht ihr die Rückenansicht. Ich habe unten kein Bündchen angebracht, sondern einfach einen breiten Saum genäht, im Rückenbereich  aber einen Gummizug eingesetzt, um dort den Stoff etwas zu raffen. Das kann man auf dem Foto schlecht erkennen.

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Vorne hingegen habe ich den Saum glatt gelassen, damit nichts komisch rumbeult. Die Taschen waren eine Entscheidung in letzter Minute, und weil ich da zu später Stunde ein bisschen gemurkst habe, musste auf der einen Seite das Zierband mit den Alpakas drauf, was dem Teil einen sehr aktuellen Touch gibt. Oder sind Alpakas schon wieder out?

Zum Schluss habe ich noch fünf Kam-Snaps aus dem Fundus aufgepresst, und fertig ist das Basic-Teil. Tut mir leid, aber mit diesem Schnitt geht einfach alles.

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Na gut, fast alles. Wenn ich eines Tages auf die Idee kommen sollte, mir mit diesem Schnitt einen Badeanzug zu nähen (und wenn man meine Boris-Johnson-Frisur sieht, ist ja nichts Verrücktes mehr auszuschließen), dann kommt bitte vorbei und nehmt ihn mir weg. Wobei das auch keine endgültige Sache wäre, denn der ist so einfach, den kriege ich jederzeit wieder hin. Aber noch habe ich andere Pläne damit. Ihr werdet sehen.

Erst mal geht es wieder zu Sewlala und Du für Dich am Donnerstag.