Orange is the new Black

BW

Dieses Knäuel Baumwolle hat eine Geschichte. Nachdem ich eigentlich jahrelang diese Farbe als völlig indiskutabel betrachtet hatte, fand ich letztes Jahr im Lidl ein Angebot mit Baumwoll-Garnpaketen (und der geneigte Leser weiß: ‚Garnpaket‘ ist ein unwiderstehliches Stichwort für mich), unter anderem in dieser Farbe. Und fuhr völlig darauf ab. Beim ersten Mal hatte ich aber keinen Wagen, weil ich nur ganz rasch einen Sechser Mineralwasser holen wollte, also blieb die Wolle liegen. Zwei Tage später war ich wieder unterwegs und fest entschlossen, vier Pakete mitzunehmen, damit es garantiert für eine Strickjacke reicht.

Aber gerade als ich im Gang mit den Angeboten ankam, kriegte ich mit, wie eine andere Frau sich diese Pakete in den Wagen legte. Genau vier Pakete. Die letzten ihrer Art. Verpasst um vielleicht dreißig Sekunden. Leute, das ist bitter, wenn man sich das so sehr in den Kopf gesetzt hat!

Ich gestehe: ich habe diese Frau regelrecht durch den Laden verfolgt und war kurz versucht, ihr die Wolle aus dem Wagen zu klauen, als sie ihn stehen ließ, während sie etwas anderes suchte. Aber das tut man ja nicht, und es wäre ihr sicher auch aufgefallen. Aber was sollte ich sonst machen? Ich war so fixiert auf diese Farbe … und natürlich auf die Einkaufskarre einer wildfremden Person.

Und jetzt kommt’s: kurz vor der Kasse kehrte sie noch mal um. Und ich auch, immer in gebührendem Abstand. Sie näherte sich dem Gang mit den Wochenangeboten. Nahm vier Garnpakete in Dunkelblau und legte sie in ihren Wagen. UND LEGTE DIE ORANGEFARBENE WOLLE ZURÜCK.

Eigentlich darf man diese Geschichte niemandem erzählen. Ich kam mir total bescheuert vor und gleichzeitig so, wie sich vermutlich Donald Trump gefühlt hat, als er wider Erwarten die Wahl gewonnen hatte (ich weiß, schlecht gewähltes Beispiel, aber die Farbe legt es halt nahe.) Mit etwas Abstand fuhr ich meinen Wagen an eine andere Kasse und kaufte meine orangenen Garnpakete.

IMG_0978

Jetzt denkt ihr sicher: Toll, da hat sie bestimmt noch am selben Abend losgelegt mit ihrer Jacke. Hab ich aber nicht. Denn die erste Maschenprobe (doppelfädig) sah überhaupt nicht so aus, wie ich mir das vorgestellt hatte. Vor allem war sie sehr, sehr orange. Und da verließ mich der Mut.

So lagen die vier Garnpakete erst mal über ein Jahr bei mir in einer der Boxen, in denen ich meine Vorräte vor der Welt verstecke. Bis ich auf der Suche nach etwas völlig anderem auf einen Rest Seidengarn aus den Beständen meiner Handweber-Mutter stieß. Und da fiel mir plötzlich auf, dass sich diese beiden Qualitäten sowohl farblich als auch von der Beschaffenheit perfekt ergänzen. So entstand diese Jacke: nicht mehr ganz so knall-orange, aber auch nicht so krass meliert wie manche Sockenwollen.

IMG_0989

Jetzt habe ich nur zwei Fragen. Die eine: statt der veranschlagten 800 Gramm habe ich von meinem Lidl-Schnäppchen nur 400 g verbraucht. Also liegen hier noch zwei komplette Garnpakete, die ich garantiert nicht verarbeiten werde. Hat jemand von euch Interesse? (Ich würde sie gegen Erstattung der Portokosten abgeben. Damit ihr mich findet, reihe ich mich heute mal beim Creadienstag ein.)

Und die andere Frage ist, ob es irgendwo hier in der Gegend eine Frau gibt, die sich etwas aus dunkelblauer Baumwolle gestrickt oder gehäkelt hat. Ist sie heilfroh, dass sie sich quasi in letzter Sekunde noch umentschieden hat – oder denkt sie immer mal wieder darüber nach, welche mysteriöse Fremdbestimmung sie rein mit der Kraft ihrer Gedanken dazu bewogen hat, die orangefarbenen Pakete  wieder aufzugeben?

Liebe Unbekannte, wenn du das jetzt liest: das war ich.

Advertisements

Dreimal Hoch

Eigentlich sollte ich eher über Tiefs schreiben, denn zeitweilig war es bei uns hier im Sauerland (aber wohl nicht nur da) ziemlich kalt. Nicht unbedingt so, wie man sich Augustwetter vorstellt. Aber deshalb kann ich auch drei Kleidungsstücke vorstellen, die nicht ganz so sommerlich sind. Zwei davon hatte ich dieser Tage an. Und zwar zusammen.

IMG_0959

Definitiv ist Simone von „Mein Lieblingsdings“ schuld, denn bei ihr habe ich diesen tollen Sweatstoff von Stoff&Stil zum ersten Mal gesehen. Es passiert mir nicht oft, dass ich etwas im Internet finde und sofort haben muss, aber hier war es so. Das geniale Muster, die sanften Farben, und das Ganze auch noch als Baumwoll-Sweat – ein paar Tage später (noch lange, bevor ich diesen Blog gestartet habe) kamen zwei Meter davon bei mir an und fragten mich, was ich denn mit ihnen anfangen möchte?

Meine erste Anwort: ein Kleid. Leider sind die Tragefotos davon so miserabel, dass ich euch nur ein Bild auf dem Kleiderbügel zeigen kann, aber daran sieht man, dass es sich um einen ganz schlichten Schnitt handelt, durch den der Stoff gut zur Wirkung kommt.

DSC03939

Ihr ahnt schon, es handelt sich wieder um meinen Grundschnitt, mit dem ich vom T-Shirt bis zum Nachthemd schon ungefähr alles genäht habe. Deshalb war das Kleid in Rekordzeit fertig. Und obwohl ich erwartet hatte, dass ich durch das Streifenmuster mehr Stoff brauchen würde, war noch eine ganze Menge übrig. Die durfte nicht einfach im Schrank verschwinden! Weil ich von einem anderen Projekt noch grauen Sweat in ähnlicher Qualität übrig hatte, beschloss ich deshalb, einen alten Raglan-Schnitt anzuwenden und eine Jacke zum Kleid zu nähen.

Um es kurz zu machen: das hat nicht so geklappt wie geplant. Keine Ahnung, was es mit den Schnittteilen auf sich hatte, aber es war alles ein bisschen zu knapp: die Ärmel zu kurz, die Vorderteile sehr eng. Aber auch wieder nicht zu eng, um das Ding direkt wegzuschmeißen. Stattdessen habe ich mit dem Overlocker  die Vorderteile so knappkantig wie möglich geschlossen und nur am Halsausschnitt etwa 10 cm offengelassen, und plötzlich hatte ich ein Sweatshirt:

DSC03970

Ich bin ganz stolz, dass ich das mit dem Zusammentreffen der Streifen so gut hingekriegt habe. Dafür hatte ich ein kleines Problem mit dem Halsbündchen. Einerseits ist es so schwer, dass die Ecken des Schlitzes immer nach vorn kippen, statt brav am Hals anzuliegen. Andererseits hat es den Schlitz aber auch ein wenig auseinandergezogen, so dass ich ihn nicht mehr schließen konnte, ohne dass er sich beult. Meine Lösung ist nun diese ganz schlichte Nadel, die das Ganze zusammenhält. Und weil sie mir da ganz gut gefällt, behaupte ich einfach mal: das muss so.

Ihr werdet es nicht glauben, aber ich hatte immer noch Stoff übrig. Und damit habe ich nun tatsächlich noch eine Jacke genäht, und zwar – haltet euch fest – nicht mit einem schon vorhandenen Muster, sondern nach dem Bomberjacken-Schnitt aus der Burda Easy FS/2017:

IMG_0972

DSC03932

Ich habe den Halsausschnitt etwas erweitert, weil ich das nicht so eng am Hals mag, und tatsächlich noch Taschen hingemurkst, die aber bis unten hin offen waren, so dass alles rausfallen konnte. Deshalb eine weitere schnelle Lösung: zwei Lederstreifen, die gnädig verdecken, was ich vorher mit einem engen Zickzackstich verbrochen hatte, um die Tasche wieder ein Stückchen zu schließen.

Jetzt ist wirklich kein Stoff mehr übrig. Und ich habe drei Kuschelteile, die ich sehr liebe. Ab zu RUMS damit.

 

 

Stars and Stripes

IMG_0759

Weil man ja nie weiß, wann im Sauerland Sommer ist, habe ich mir noch ein Top genäht. Die Stoffe (eine ganz weiche Baumwollqualität) hatte ich irgendwann im Tedox mitgenommen ohne klare Vorstellung, was daraus werden soll. Als Schnittmuster diente mir wieder mal ein uralter Grundschnitt. So sieht es angezogen aus:

IMG_0770

Und hier sieht man ein bisschen besser, dass ich die angesetzten Stücke nicht zusammengenäht habe, so dass ein Schlitz entsteht (es ist gar nicht so einfach, das mit dem Handy zu fotografieren):

IMG_0772

Jetzt muss es nur noch wieder warm genug werden …

Die komplette Palette

IMG_0843

Diesen Stoff habe ich im Mai in Oldenburg gekauft, und zwar als Reststück. Vermutlich wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir davon etwas gezielt abmessen zu lassen, und auch als ich ihn zuhause liegen hatte, war ich zunächst etwas unsicher, was daraus werden sollte. Aber wie so oft brachte Pinterest mich auf die Spur, denn dort hatte ich mir dieses Foto von Carolyn gemerkt (ihr Blog Handmade by Carolyn ist für mich sowieso ein ständiges, wenn auch unerreichbares Vorbild).

Nachdem die Entscheidung einmal gefallen war, ging der Rest ganz fix, denn dieser Rock ist mal wieder nach einem vielfach bewährten Grundschnitt genäht (inzwischen schon hier und hier vorgestellt), nur oben habe ich ihn um etwa 7 cm verlängert, damit er etwas über meiner Taille und dem darauf sitzenden Gürtel endet.

Viel mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen, außer dass ich ihn seitdem mit Begeisterung immer wieder trage, weil er einfach zu allem passt, wenn es nicht gerade gemustert ist (und davon gibt es in meinem Schrank nicht viel). Außerdem kann ich jetzt ganz gelassen auf Selmins nächste Farben der „12 colours of handmade fashion“ warten, denn in diesem Rock ist alles drin ;o)

IMG_0842

Natürlich werde ich ihn nicht fünf Mal am Stück verlinken, das wäre ja langweilig. Aber bei RUMS bin ich auch diese Woche natürlich dabei!

(Kleidungs)stück in 3 Akten

Kreativität bedeutet für mich nicht nur, Kleidung zu nähen und zu stricken. Ich meine, es ist die grundsätzliche Fähigkeit, Probleme auf eigene und vielleicht manchmal ungewöhnliche Weise zu lösen. Deshalb erzähle ich euch hier die Geschichte einer Bluse aus meinem Schrank, an der ich keinen Stich selbst genäht habe und die trotzdem ein ganz individuelles Stück ist. Ich lese gern solche Beispiele, weil sie mir neue Impulse geben für Projekte, bei denen ich festhänge – geht es euch auch so?

Fangen wir also mit Akt 1 an. Ich hatte aus den Beständen meiner Mutter (die – wie schon mal berichtet – Handweberin war) unter anderem eine Rolle breites rotes Einfassband geerbt. Ein erstes Experiment mit weißem Strickstoff zeigte, dass dieses Band auch bei Kaltwäsche ungefähr die Farbechtheit von Krepppapier besitzt, also etwa gar keine. Seitdem lag das Zeug unbenutzt herum – ich will ja nichts nähen, was ich nicht waschen kann.

IMG_0821 (002)

Es folgt Akt 2: der Kauf einer weißen Leinenbluse bei einem Discounter (an Leinen kann ich ganz schlecht vorbeigehen, egal wo). Gleichzeitig las ich in der InStyle oder sonst einem Fachmagazin, dass Batik der Trend der kommenden Saison wäre, und da überkam mich der unerklärliche Drang, das auch mal auszuprobieren. Aber statt mit abgebundenen Bereichen und Textilfarbe zu arbeiten, kam mein rotes Band ins Spiel: ich schnitt davon Streifen ab und legte sie auf die nasse Leinenbluse, die ich danach zu einem Paket zusammenfaltete und einige Stunden liegen ließ. Als ich sie wieder auseinanderrollte und trocknen ließ, war dies dabei herausgekommen:

IMG_0714

Ich weiß nicht, wie ihr das findet, aber mir hat es total gefallen, und so lief ich in dieser Saison endlich mal mit einem Trend-Teil herum. Im Jahr darauf fand ich es schon etwas auffällig, und diesen Sommer hatte ich dann endgültig keine Lust mehr, mit einem so krassen Pink aufzutreten. Jetzt hätte ich das Ding natürlich einfach aussortieren können, aber stattdessen hatte ich wieder eine kreative Eingebung, und so kommen wir zu

Akt 3: der modische Richtungswechsel. Pastell ist angesagt. Deshalb kommt ein Eimer, warmes Wasser und eine gehörige Portion Dan-Klorix ins Spiel. Darin wurde die Bluse erst mal für eine Stunde eingeweicht, bevor ich die Lösung in meine Toilette schüttete, um damit einen Kalkrand abzulösen (so kam das Sauzeug wenigstens zweimal zum Einsatz). Aber meine Kloschüssel interessiert euch bestimmt weniger als die arme Bluse, die ja inzwischen schon eine Menge mitgemacht hat. Also Trommelwirbel … jetzt sieht sie so aus:

IMG_0717

Und weil viele von euch gern auch Tragefotos sehen möchten, kommt hier noch das übliche Selfie vorm Spiegel:

IMG_0736

Allerdings weiß ich jetzt auch wieder, wieso ich das Teil ursprünglich färben wollte. Weil es nämlich sehr transparent ist und ich nun wieder ein Top darunter anziehen muss. Tja, man kann halt nicht alles haben.

Vorhang und Verbeugung. Und bitte nicht mit Tomaten werfen.

test … test … test

Ich gebe es zu, ich hasse es, Schnittmuster zu kopieren. Deshalb greife ich im Zweifelsfall immer lieber auf meine bewährten Grundschnitte zurück, die ich mir über die Jahre zugelegt bzw. zum Teil auch selbst entwickelt habe. Aber in letzter Zeit war ich auf der Suche nach einem ordentlichen Raglan-Schnitt, und als ich die Frühjahrsausgabe von „Lust auf Handarbeiten“ sah, ahnte ich, dass ich ihn gefunden hatte:

IMG_0760

Es scheint sich hier um die deutsche Ausgabe einer skandinavischen Publikation zu handeln, und beim schnellen Durchblättern fand ich gleich mehrere interessante Modelle. Aber hier geht es um das Kleid auf dem großen Foto, für das ich mich irgendwann dazu durchringen konnte, die ungeliebte Mühsal des Schnitt-Übertragens auf mich zu nehmen. Allerdings habe ich im Juli keine Lust, mir ein Winterkleid zu nähen, deshalb beschloss ich, diesen Schnitt erst mal mit einem langärmligen Shirt zu testen. Ich durchforstete also meine Stoffe und auch meine Inspirationen bei Pinterest und fand diese Anregung: ein Oberteil mit zwei unterschiedlich gemusterten Ärmeln. Das gaben meine Vorräte tatsächlich her – und so entstand dieses Longsleeve:

IMG_0745

Könnt ihr erkennen, dass ein Ärmel gestreift ist und der andere nicht? Wenn ihr mehr sehen möchtet, zeige ich euch das Teil auch in liegender Position:

IMG_0757

Ich fand es jedenfalls ziemlich cool, als ich die Ärmel eingesetzt und das Teil anprobiert habe. Aber dann wollte ich natürlich wie bei meinem Vorbild auch das rote Bündchen haben, und da habe ich mich wohl beim Zuschneiden verrechnet und es zu lang zugeschnitten. Auf jeden Fall beult es sich, wie man schon auf dem Foto sehen kann, und das hat sich leider auch durch Waschen und ausgiebiges Bügeln nicht völlig abstellen lassen. Dabei war ich so begeistert von der Idee, mit einem Rest Patchwork-Stoff und einem roten Knopf aus dem reichhaltigen Fundus die Bündchenfarbe noch mal aufzugreifen.

IMG_0754

Tja, ich bin nicht ganz glücklich damit. Und da die japanische Königin des Ausmistens, Marie Kondo, ja empfiehlt, nur Dinge zu behalten, die Freude ins Leben bringen, werde ich mich vermutlich davon trennen. Es könnte natürlich auch sein, dass mir der Baseball-Stil nicht steht und ich einfach keine Raglan-Ärmel in Kontrastfarben nähen sollte. Insofern werde ich diesen Schnitt weiter testen – ich habe mir doch nicht erst die Mühe des Aus-Kopierens gemacht und gebe dann sofort auf! Ich doch nicht!

IMG_0750

Demnächst also vielleicht mehr zum Thema Raglan. Jetzt aber erst mal ab zu RUMS – eventuell hat ja jemand dort einen erhellenden Kommentar für mich.

 

Jagd auf Roter Oktober

IMG_0689

Da ich mal wieder nicht die Erste bin, die bei Selmins 12 colours of handmade ihre roten Sachen postet, war mir klar, dass „Lady in Red“ als Titel schon vergeben sein würde. Aber das Stichwort „Oktober“ passt eigentlich auch besser, denn obwohl dieser Rock sehr sommerlich aussieht, ist er bei Temperaturen über 20 Grad zu warm. (Eigentlich schade, denn ich finde die Schuhe dazu ganz toll – endlich mal schickes Schuhwerk ohne diese Märtyrer-High-Heels.)

Es stellte sich nämlich schon vor der Fertigstellung heraus, dass der Stoff (sieht aus wie Leinen, ist aber ein Baumwoll-Polyester-Gemisch) gefüttert werden musste, um nicht ständig an den Beinen hochzukriechen. Roten Futterstoff hatte ich nicht (mal ehrlich, wer von euch hat Futterstoff in allen Farben vorrätig, um an einem Näh-Wochenende auf solche Notfälle vorbereitet zu sein?), also ist es lila geworden – eine Kombination, vor der ich mich früher gegraust hätte, aber erstens sieht man es ja nicht und zweitens macht es diesen schlichten Rock zu etwas Besonderem. (In meinem Kopf zumindest.) Denn so sieht er ja aus, als hätte man bestellt: „Einmal langweiliger Grundschnitt ohne alles.“

IMG_0684

IMG_0682

Aber manchmal braucht man schließlich solche schlichten Teile, um sie mit einem besonderen Oberteil zu kombinieren. Weil in diesem Fall aber der Rock die Hauptrolle spielen soll, habe ich dazu ein Shirt angezogen, das eher in die Kategorie „tragbares Probeteil“ fällt. Ich wollte testen, ob ein alter Raglan-Schnitt noch funktioniert (auch ohne gigantische Schulterpolster wie vor 20 Jahren) und habe deshalb das Teil ganz fix auf der Overlock zusammengezimmert. Der Baumwoll-Jersey war ein Rest vom Tedox-Grabbeltisch. Aber wie es manchmal so geht – das Ding ist plötzlich unverzichtbar geworden, ich musste es im Urlaub sogar zwischendurch waschen (was ich sonst zu vermeiden versuche), weil es mir sonst gefehlt hätte. Es bekommt etwas Besonderes durch die knappkantig abgesteppte Naht am Stoffbruch (ein sehr spontaner Entschluss, den ich nicht bereue) und das kleine Stück Stick-Bordüre mit meinen Initialen. Das habe ich vor vielen Jahren mal auf einem Flohmarkt entdeckt und hüte es seitdem wie meinen Augapfel – bescheuert, oder? Es wurde jedenfalls endlich mal Zeit, dass wenigstens ein Teil davon  verwendet wird, und auch deshalb freue ich mich, dass das Shirt so einen zentralen Platz in meiner Garderobe eingenommen hat.

IMG_0692

Ergänzen wollte ich das Outfit durch meine rote Strickjacke, aber das wäre absoluter Feuerwehr-Overload geworden. Deshalb zeige ich sie euch lieber in Kombination mit einem  Kaufshirt von Tchibo, dessen Schnitt ich definitiv abkupfern werde, weil es so gut sitzt. Davon erkennt ihr natürlich nicht viel, denn in erster Linie seht ihr wieder Rot:

IMG_0674

Gestrickt ist es ohne Anleitung aus einem Garnpaket von Schachenmayr Nomotta Rainbow. Weil es recht dünn ist, habe ich es doppelfädig verarbeitet, damit das Jäckchen etwas mehr Stand hat. Das Muster ist eins dieser materialsparenden „Moos“-Muster (1 rechts, 1 links, in jeder Hinreihe wechseln), aber wegen des bunten Effektgarns sieht man das auch in der Nahaufnahme nicht wirklich. Die Kanten habe ich umhäkelt und dabei die Schlaufen für die Knopflöcher gemacht.

IMG_0685

Auch das ist ein Teil, das durch erstaunliche Vielseitigkeit überzeugt, denn es passt zu Jeans, zu allen meinen Shorts, zu Sommerkleidern und über Tops, so lange sie nicht zu bunt sind. Das hatte ich gar nicht erwartet – aber manchmal wird man halt auch durch solche positiven Überraschungen für seine Arbeit belohnt.

Das war also mein Beitrag aus dem Rot-Stich-Milieu (ächz! was für ein übles Wortspiel!) – und weil Donnerstag ist, geht es auch gleich noch zu RUMS.