Großes Plus

Das Wetter schreit heute nicht gerade nach warmen Pullovern. Ich poste aber trotzdem mal fix zwischendurch einen, weil sich inzwischen so viele Projekte bei mir stauen, die ich ja eigentlich alle zeigen möchte. Deshalb zunächst ein Tragefoto:

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Ähnliche Stoffe habe ich den ganzen Winter über im Netz gesehen, deshalb musste ich einfach zuschlagen, als ich diesen in einem netten kleinen Stoffgeschäft in Wildeshausen fand. Zuerst wollte ich mir ein Hoodie daraus nähen, habe aber wieder davon Abstand genommen, weil ich Kapuzen zwar ganz toll anzugucken finde, sie selber aber nicht trage – der viele Stoff am Hals ist mir die meiste Zeit zu lästig. Dann stieß ich wieder auf einige Versionen des „Toaster Sweater“ und beschloss, diese Form als Halsausschnitt zu nehmen. Ich habe dafür einfach meinen Grundschnitt verwendet und dort, wo man eigentlich im Stoffbruch die abfallende Kurve für die Halsöffnung zuschneiden würde, die Linie um etwa fünf Zentimeter hochgezogen und gerade weitergeführt. Dazu passend habe ich Belege geschnitten und, nachdem ich die Schulternähte geschlossen hatte, dagegengesetzt.

Dummerweise hatte ich beim Zuschneiden einen kleinen Blackout und konnte deshalb die Ärmel nicht in voller Länge hinkriegen. Sie unterhalb vom Ellbogen zu stückeln sah einfach nur doof aus, deshalb habe ich mich stattdessen für längere Bündchen aus schwarzem Sweat entschieden. Das sieht schon eher so aus, als wäre es gewollt.

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Als kleinen Gag (und um ehrlich zu sein, auch damit ich besser sehe, wo vorn ist) habe ich mal wieder ein kleines rotes Quadrat aufgebügelt (die Idee hatte ich hier schon mal) und dann einen Knopf draufgesetzt. Hier sieht es zwar ein wenig missglückt aus, aber „in echt“ ist es wirklich quadratisch, isch schwör!!

Ich bin jedenfalls ganz zufrieden mit meinem Sweatshirt mit den vielen Plus- und Mal-Symbolen, auch wenn ich noch nie ein Mathegenie war.

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Leinen los!

Bei den deutschen Nähbloggerinnen ist offensichtlich immer was los, stelle ich nach weniger als zwei Monaten eigener Blog-Aktivität fest. Gerade läuft zum Beispiel der #leinensewalong von TilliT und Unter meinem Dach bei Instagram. Da habe ich zwar keinen Account (und werde auch vorläufig keinen anlegen, ich habe mit meinem Blog und Pinterest schon genug Zeitfresser), aber das Thema passt mir trotzdem gut in den Kram, denn dazu kann ich zum Beispiel das hier zeigen:

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Zu spät für „Weiß“, die Mai-Farbe von Selmins „12 colours of handmade fashion“, zu früh für Blau, das Thema im Juni. Aber es trifft hervorragend auf das Thema „Streifen“, das heute der Me Made Mittwoch vorschlägt.

Und aus Leinen! Ihr müsst wissen, dass ich da erblich vorbelastet bin. Meine Mutter war Handwebmeisterin und hatte, weil sie mit in unserem Haus wohnte, eine Webwerkstatt in unserem Keller. Noch bis sie fast achtzig war, hat sie dort gearbeitet und einerseits Wandbehänge in Gobelintechnik  nach eigenen Entwürfen hergestellt, andererseits auf riesigen Flachwebstühlen auch Stoffe für Tischdecken, Gardinen und ähnliche Heimtextilien gewebt.

Nach ihrem Tod haben wir die komplette Werkstatt an ein Museum weitergegeben, das Material größtenteils verkauft, ihre Fachliteratur zugunsten unseres Sozialen Bürgerzentrums gestiftet und sind auch einige der noch vorhandenen Produkte an Liebhaber losgeworden, aber ein Teil befindet sich immer noch bei mir, vor allem die Stoffe, die sie nicht bearbeitet hatte. Dazu gehört dieser, ein Stück von etwa 1,70 m Länge und einer Breite von 1,20 m. Vielleicht war er als Gardine gedacht? Ich habe ihn neulich wiedergefunden und erst mal gewaschen, denn wenn die Stoffe vom Stuhl kommen, sind sie eher etwas steif und ribbeln schnell aus. Nach der Wäsche und einem Aufenthalt im Trockner war er aber erstaunlich weich und angenehm, und weil ich neulich noch überlegt hatte, mir ein Shirt aus Leinen zu nähen, habe ich kurz entschlossen meinen Standardschnitt für ein Oberteil mit überschnittener Schulter hervorgeholt.

Genäht ist das Teil ratzfatz, man muss nur alle Schnittteile sofort mit dem Overlocker versäubern, sonst franst es in jede Richtung. Den Halsausschnitt habe ich der Einfachheit halber mit naturweißem Schrägband versäubert. Die Armausschnitte habe ich noch verkürzt, trotzdem stehen sie ziemlich ab – aber das stört mich nicht, weil ich relativ schmale Schultern habe und das meine deutlich breiteren Hüften etwas ausbalanciert (typische Birnenform, Herr von Ribbeck auf Ribbeck wäre begeistert). Hier noch mal ein näherer Blick auf den Schnitt:

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Ganz sicher bin ich nicht, ob es nicht auch eine Leinen-Baumwoll-Mischung ist, aber es trägt sich wunderbar, gerade jetzt während der richtig heißen Tage Ende Mai. Ganz bestimmt reines Leinen ist aber dieses Oberteil:

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Diesen Stoff hatte meine Mutter für Handtücher gewebt (vermutlich in den 50er Jahren). Ziel ist dabei, die Naturfarbe (etwa der Ton von Bindfaden) so lange zu waschen, bis das ursprünglich etwas störrische Leinen ganz weich und strahlend weiß wird. Diese Geduld hatte ich nicht, sondern ich habe den Stoff in der Waschmaschine gefärbt und dann verarbeitet. Wegen der mangelnden Breite wäre aus meinem Grundschnitt (siehe oben) nur ein bauchfreies Top geworden – also musste ich unten einen Streifen ansetzen, man sieht ganz gut die Unterschiede im Fadenlauf. Weil ich in meinen Beständen zufällig rotes Schrägband hatte, das mir gut dazu gefiel, habe ich nicht nur den Halsausschnitt nach außen hin versäubert, sondern in der Naht unten auch ein Reststück mitgefasst, an dem ein Metallring hängt.

Jetzt warte ich ab, wie sich das Material beim Waschen verhält. Ich hätte nichts dagegen, wenn es etwas blasser wird. Das wird sich zeigen – vielleicht kann ich Ende des Sommers einen Vorher-Nachher-Vergleich machen. Aber erst mal freue ich mich auf ein paar Monate, in denen ich meine Leinen-Tops tragen kann.

 

Oldies but Goodies

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Die Vorgabe von RUMS ist, heute einen Post zu schreiben, in dem man etwas vorstellt, das man selbst für sich gemacht hat. Diese Forderung erfüllt das oben gezeigte Objekt hundertprozentig. Ich habe es neulich beim Aufräumen wiedergefunden, denn die Herstellung ist schätzungsweise 45 Jahre her. Jetzt fragt ihr euch sicher: was ist das für ein Lappen?

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Hier sieht man noch mal die Maße: etwa 11 x 21 cm. 3 Druckknöpfe etwa auf 1/3 der Länge. Na? Ideen?

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Ich löse auf: es ist ein Portemonnaie, das ich als Teenie für mich gestickt und genäht habe. Hier auch die Innenseite mit meinen damaligen Initialen:

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In der Zeit, als mein Vermögen in erster Linie aus Münzen bestand, war das völlig ausreichend. Ich habe es längere Zeit benutzt und war ziemlich stolz darauf. Die Anregung kam von einer Freundin, die ein ähnliches, aber deutlich aufwändiger gemachtes Täschchen aus Marokko mitgebracht bekommen hatte.

Zu der Zeit habe ich viel gestickt. Die Jeans, die ich mit allen möglichen bunten Mustern für mich und mehrere Freunde verziert habe, sind leider nicht erhalten geblieben; ich kann mich an Taschen erinnern und mehrere Blusen in einem Stil, den man heute als „Ethno-Look“ bezeichnen würde. Eine Freundin meiner Mutter vermachte mir eine ganze Tüte voll Sticktwist, und vermutlich finden sich sämtliche Farben daraus auf dem Portemonnaie wieder. Meine Vorlagen fand ich in Handarbeitsbüchern, die zum Teil noch von meiner Oma stammten, und eins habe ich tatsächlich noch:

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Ich trau mich kaum noch es aufzuschlagen, so morsch ist es inzwischen. Die Copyright-Angabe im Impressum („Schutz vor Nachdruck in Amerika“) ist von 1920. Die Texte sind in Fraktur-Schrift, die ich zum Glück noch lesen kann. Und hier findet sich auch eine Anleitung für Blusen im Ethno-Look:

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Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir so eine Bluse zu machen (auch wenn Folklore nicht unbedingt zu meinem Kleidungsstil passt). Was ist wohl „leichter weißer Waschstoff“ und wo kriege ich den?

WEISSt du, wie viel Sternlein stehen?

Eingeweihte ahnen schon, dass diese Headline auf Selmins Aktion „12 colours of handmade fashion“ hinweist. Weiß ist – wie ich bei einem Blick in meinen Kleiderschrank feststellen konnte – ein echtes Heimspiel für mich. Fangen wir also mit den besagten Sternlein an, und von denen befinden sich tatsächlich unzählige auf meiner Bluse im „Bellah“-Stil:

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Wer meinen relativ neuen Blog schon vorher entdeckt hat, dem kommt der Stoff vielleicht bekannt vor. Ich habe nämlich meinen Rucksack mit einem Reststück gefüttert, denn Sterne kann man ja nun mal nicht genug haben:

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Nun sind die aber beim Tragen des Rucksacks nicht sichtbar, insofern gilt das nicht, oder? Kurz darauf habe ich allerdings meine Häkeltasche präsentiert, und die ist auch zur Hälfte weiß:

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Jetzt glaubt bloß nicht, dass ich damit schon mein Pulver verschossen hätte. Vielleicht eine etwas unglückliche Redewendung angesichts der Safari, die sich auf dieser Bluse wiederfindet:

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Die gibt es schon etwas länger, aber ich habe bisher kein Tragefoto – vermutlich weil sie so lang ist und unter allen Jacken herausschaut. Ich sollte sie jetzt anziehen, wenn es warm ist (zumal ich mir am Feiertag beinahe meinen ersten Sonnenbrand des Jahres eingehandelt hätte). Es soll am Wochenende ja richtig heiß werden, dann käme das Afrika-Feeling von ganz allein.

Aber damit nicht genug, denn ich habe auch noch einen Sommerpulli zu bieten, ganz locker aus leichtem Bändchengarn gestrickt. Er hat einen ziemlich weiten Ausschnitt und in der Mitte eine Reihe aus linken Maschen (das ist kein Strickfehler, sondern Absicht, damit ich weiß, wo vorne ist).IMG_0228

Damit soll es aber auch gut sein. Wie komme ich überhaupt an so viele weiße Klamotten? Ich weiß auch nicht.

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Das Geheimnis des bunten Pullovers

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Dieser Pulli stammt aus der BRIGITTE KREATIV 1/2017. Ich habe ihn schon mehrfach im Internet gesehen – ich bin offensichtlich nicht die einzige, der er aufgefallen ist. Aber sieht er nicht etwas seltsam aus? Wollt ihr wissen, warum?  Stellt euch vor, wir belauschen den entsprechenden Moment der Heft-Produktion.

Model: Tut mir leid, dass ich den schwarzen Pulli vollgekotzt habe.
Redakteurin: Kann ja immer mal passieren. Wir fotografieren ihn später, wenn er nicht mehr so stinkt, und behaupten, das wäre Textilfarbe und soll so.
Fotograf: Dann hab ich aber keine Zeit. Wir müssen das letzte Foto jetzt machen.
Redakteurin: Aber wir haben keinen Ersatz-Pulli!
Fotograf: Schlamperei! Aber dahinten sitzt doch eine Frau und strickt. He, Sie! Wir brauchen diesen Pulli zum Fotografieren!
Strickerin (erschrocken): Aber der ist noch nicht ganz fertig, und außerdem ist das ein Geburtstagsgeschenk für Sigmar Gabriel!
Fotograf: Ist mir völlig egal. Kloppt den irgendwie zusammen, ich kann nicht ewig warten.
Model: Die Ärmel sind viel zu lang.
Redakteurin: Dann steck einfach die Hände in die Taschen.
Model: Und wenn ich mich bewege, rutscht der mir von den Schultern, und ich stehe im Freien.
Fotograf: Dann beweg dich halt nicht! Zieh die Schultern hoch, damit er wenigstens auf der einen Seite oben bleibt.
Redakteurin: Außerdem stellen wir fix ein paar Kakteen in den Vordergrund, dann fällt das gar nicht auf. So, fertig. Wer sagt’s denn.
Strickerin (leise für sich): Ich wette, das merkt doch jemand. Der geht ja oben an den Nähten schon wieder auf. Ein ordentlicher Abschluss sieht anders aus.
Fotograf: Ruhe bitte, ich muss mich konzentrieren. Das ist Kunst.

So oder so ähnlich könnte es gewesen sein. Trotzdem hat es mich nicht davon abgehalten, den Pulli nachzustricken, weil ich eine Chance sah, meine Baumwoll-Vorräte damit drastisch zu reduzieren, und das sieht dann so aus:

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Natürlich passten meine vorhandenen Farben nicht vollständig mit der Vorlage überein – das Weiß zum Beispiel ersetzt eine Nuance, die in der Anleitung als „Khaki“ beschrieben wird und auf dem Foto fast genauso grün aussieht wie das Grün selbst. Und außerdem waren meine Garne dünner, so dass der Pulli kürzer ausfiel und ich oben noch einige zusätzliche Streifen nach eigenem Gutdünken hinzugefügt habe. Schließlich habe ich noch entschieden, dass mir ein richtiges Bündchen (zwei links, zwei rechts) sowohl unten als auch am Hals besser gefällt. Wenn ich einfach abgekettet hätte wie auf dem Foto, würde ja jeder denken, ich wäre ein blutigerAnfänger und hätte keine Ahnung. Dabei habe ich die Raglan-Partie von der Schulter bis zum Halsausschnitt zusammen auf der Rundnadel gestrickt und nicht so dilettantisch zusammengenäht, wie es bei der Vorlage den Anschein hat.

Vielleicht wollt ihr nach all diesen Ausführungen ja gern sehen, wie der Pulli angezogen aussieht. Bitte sehr:

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Mein skeptisches Gesicht kommt nicht von ungefähr. Er ist doch sehr bunt geworden und übertrifft damit noch die LEGO-Pullis aus dem vorigen Post. Vielleicht fehlen aber auch die Kakteen? Oder er braucht einfach eine nackte Schulter? (Da hat er Pech gehabt, denn so dünn werde ich nie mehr werden, dass das funktionieren könnte.)

Ich denke, ich werde ihm eine Chance geben und ihn im Sommer mit nach Frankreich nehmen. Wenn er sich abends in einem provencalischen Straßencafé gut anfühlt, hat er die Bewährungsprobe bestanden. Mitte Juli wissen wir mehr.

Bis dahin dauert es noch eine Weile – deshalb erstmal ab zu RUMS!

Stricken in LEGO-Farben

Vor ein paar Tagen habe ich mich noch mit jemandem über Kleidungsstil unterhalten – und mich daran erinnert, dass das neulich im Netz auch Thema war (wenn ich noch wüsste wo, dann würde ich natürlich einen Link setzen). Jedenfalls würde ich immer behaupten, dass sich in meinem Kleiderschrank hauptsächlich gedeckte Farben befinden: Grau in jeder Schattierung, Schwarz und Marine … und Weiß ist ja auch nicht wirklich eine Farbe (obwohl ich schon sehr gespannt bin auf Selmins nächste Folge von ’12 colours of handmade fashion‘).

Aber vor allem beim Stricken mache ich schon mal eine Ausnahme. Zum Beispiel mit diesem Pullover:

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Der ist schätzungsweise vor 2 Jahren entstanden, deshalb weiß ich nicht mehr genau, woher die Wolle war (Mischung aus Baumwolle und etwas Kunstfaser, schlägt sich jedenfalls sehr tapfer in der Waschmaschine). Mit Nadeln Nr. 4 ratzfatz fertig, das war super. Allerdings eignet er sich nicht für Momente, in denen man sich verkriechen möchte, weil er schon etwas auffällig ist.

Dann habe ich neulich – beim Stöbern auf Pinterest (eine absolute Zeitfalle, es sollte eine Funktion geben, dass man dort nur am Wochenende surfen darf) das Label Hudson Bay Company entdeckt. Deren Markenzeichen sind die vier Farben Rot, Gelb, Blau und Grün im Wechsel mit Weiß, und ich war hin und weg:

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Ich weiß nicht, warum ich auf dem Foto so ernst gucke, denn die Farben machen einfach gute Laune. Bis auf das Grün musste ich auch nichts zukaufen, weil meine Vorräte an Baumwolle ziemlich ergiebig sind. Allerdings war die Nadelstärke dieses Mal nur 3, so dass die Fertigstellung etwas länger gedauert hat, aber immerhin habe ich dabei mehrere sehr unterhaltsame Filme gesehen. Das nennt man wohl win-win. Und wenn ich eines Tages mal Enkelkinder habe (und der Pulli es bis dahin schafft), dann hab ich wenigstens was Passendes zum LEGO-Bauen!

Hier noch ein näherer Blick auf das Muster: Hinreihen 1 rechts, 1 links, Rückreihen nur links. Eine konkrete Vorlage hatte ich nicht (seien wir ehrlich, die würde ich ja sowieso nicht befolgen), aber vermutlich würde sich jeder schlichte Baumwollpullover eignen, bei dem die Maschenprobe passt. Den Halsausschnitt habe ich wieder mit Krebsmaschen eingefasst. Und damit kann ich euch nun allen eine bunte, sonnige Woche wünschen.

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Tragbar

Meine frühesten Erfahrungen mit dem Häkeln sind nicht sehr positiv besetzt. Schon in der Grundschule (die damals noch Volksschule hieß) lernten wir, wie man Topflappen herstellt, die man dann seiner Mama schenken konnte. Meine waren leider nie so quadratisch wie gewünscht, sondern hatten einen klaren Hang zum Trapez. Dann kam ich ins Gymnasium, wo uns allen Ernstes nahegelegt wurde, ein Taschentuch zu umhäkeln. Als es nach einer gefühlten Ewigkeit endlich fertig war (vermutlich hat meine handarbeitserfahrene Oma dabei auch ein wenig unterstützt), musste es erst mal gewaschen werden, um wieder seine ursprüngliche Farbe zu bekommen – und dann wurde es, gestärkt und gebügelt, natürlich der Mama geschenkt.

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Trotzdem war mir das Häkeln offensichtlich noch nicht vollständig verleidet, denn ich beschloss, endlich etwas zu produzieren, was für mich selber sein sollte: eine moosgrüne Weste. Um ihr sozusagen den letzten Pfiff zu geben, versah ich sie ringsum mit einer kirschroten Borte aus Mäusezähnchen. Ich war mächtig stolz auf mein Werk, bis eine gerade zu Besuch weilende Tante meine Begeisterung mit einer einzigen Bemerkung auf Null herunterfuhr: „Rot und Grün ist Narrentracht, wer es trägt, wird ausgelacht!“

Und das war’s. Ich war endgültig fertig mit dem Häkeln, abgesehen von den interessanten Krebsmaschen, mit denen man Halsausschnitte bei Strickpullovern optimieren kann. Bis Pinterest in mein Leben trat und damit eine Fülle von unerwarteten Inspirationen, zum Beispiel diese überdimensionale Tasche von Michael Kors. Ich frage mich zwar, wie man damit noch aufrecht gehen kann, wenn man sie mit all dem Ballast füllt, der in sie reinpassen würde – aber irgendwie gefiel sie mir, und ich fügte den Pin einer meiner Sammlungen hinzu.

Danach wurden mir natürlich immer wieder ähnliche Modelle vorgeschlagen, wie das bei Pinterest so ist: unterschiedliche Farben und Formen und längst nicht immer so übertrieben groß wie auf Michaels Laufsteg. Und als ich dann beim Sichten meiner Bestände auf eine Ladung Baumwoll-Garn stieß, dass für alles zu dick und zu steif war, was mit Kleidung zu tun hatte, startete ich das Experiment „Tasche häkeln“. Dies ist das Ergebnis:

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Fragt mich nicht nach dem genauen Muster. Ich habe einfach eine Reihe Luftmaschen gehäkelt, dann darüber feste Maschen und auch in die Gegenrichtung. Von da aus ging es immer im Kreis, wobei ich bei dem grauen Teil in jeder Reihe jeweils 2 Maschen an jeder Seite zugenommen habe – bei dem weißen habe ich nur die vorhandene Maschenzahl weitergearbeitet.

Das graue Garn waren etwa 200 g, das weiße etwa 240 g, und gehäkelt habe ich mit Nadelstärke 5. Wie man sieht, habe ich vier Reihen vor dem oberen Rand jeweils 2 Maschen mit Luftmaschen übersprungen, um Öffnungen für die Träger zu schaffen. Die bestehen aus zwei Lederstreifen, jeweils 1 m lang, in die ich Löcher gebohrt und sie dann mit Buchschrauben verbunden habe. Sowohl die Lederriemen als auch die Schrauben habe ich bei Amazon bestellt, weil ich in meinem Fundus nichts Passendes finden konnte. So ist es leider kein reines Vorrats-Abbau-Projekt geworden, aber immerhin bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Hier noch ein Tragefoto, um die endgültige Größe besser zu erkennen:

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Nicht so riesig wie die von Michael Kors, aber ich denke, mein üblicher Krimskrams hat darin Platz. Damit reihe ich mich erstmals bei RUMS ein und ziehe das zufriedene Fazit: Diesmal beim Häkeln nichts zu mäkeln!

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