Ärmelkanal

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„Die Selbstkritik hat viel für sich“, schrieb Wilhelm Busch. Die Selbstfotografie eher nicht, muss ich feststellen, wenn ich dieses Foto sehe. Da seh ich aus, als hätte ich gerade erfahren, dass ich nur noch drei Tage zu leben hätte. Muss ich mir wohl was anderes einfallen lassen.

Aber warum dieser Titel? In meinen Beständen landen manchmal interessante Kleidungsstücke, nicht zuletzt, weil ich ehrenamtlich in unserem Sozialen Bürgerzentrum arbeite und dort für die Kleiderkammer zuständig bin. Deshalb bin ich ursprünglich überhaupt auf die Näh-Blogs im Internet gestoßen, als ich auf der Suche nach Anleitungen war, wie man Klamotten ändern kann. Kennt ihr die Seite Refashion-Coop? Manches dort ist zwar ganz furchtbar gruselig, aber immer mal wieder bekommt man auch tolle Inspirationen.

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Zurück zum Thema. Da gab es also dieses Shirt – materialtechnisch ein Zwischending zwischen Sweatshirt und Longsleeve-T-Shirt – mit ganz zart aquarelliertem Blumenmuster. Ich bin sonst kein großer Fan von Blumen auf Kleidung, aber das hatte es mir angetan. Es passte mir sogar, aaaaber leider hatte es vorn einen riesigen schwarzen Schrift-Aufdruck, und sowas mag ich noch weniger als Blümchenmuster. Das ging gar nicht.

Und so lag es fast so lange wie Dornröschen hinter der Dornenhecke, bis ich eines Tages einen Rest naturweißen Jersey mit nach Hause brachte und auf die Idee kam, die beiden zu verheiraten. Also nicht Dornröschen, sondern das Shirt und den Stoff. Wenigstens die Ärmel, denn die saßen eh so gut. Also schnitt ich Vorder- und Rückenteil in uni zu und setzte die gemusterten Ärmel ein. Aus dem Rückenteil konnte ich ohne Probleme das Halsbündchen zuschneiden und eine Känguru-Tasche, damit auch vorn das Muster noch zur Geltung kommt.

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Das alles geschah abends, und ich ging sehr zufrieden ins Bett. Am nächsten Morgen wollte ich dann das neue Teil direkt anziehen…

… und musste feststellen, dass die beiden Weißtöne bei Tageslicht üüüberhaupt nicht zusammenpassten. Es sah aus wie gewollt und nicht gekonnt. War jetzt alles vergeblich? Nein! Denn genau wie man nicht umkehrt, wenn man den Ärmelkanal zu dreiviertel der Strecke durchschwommen hat, gibt man auch hier nicht so einfach auf. Stattdessen wird eine Kanne Tee gekocht und das Projekt zu Wasser gelassen. Und siehe da, nach einem halben Tag Darjeeling-Bad und einer Runde in der Waschmaschine kam dann doch noch etwas Tragbares heraus. Jetzt hätte ich gern noch einen abschließenden Satz über die weißen Klippen von Dover formuliert und sie in Verbindung zu der Überschrift und der Farbe des Shirts gebracht, aber das kriege ich einfach nicht mehr hin.

Morgen vielleicht. Mal sehen.

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Für Schwarzseher.

Fangen wir mal mit was Schwierigem an. Schwarz ist ja eine tolle Farbe (ist es überhaupt eine Farbe? Diskutieren Sie!), aber es lässt sich nun mal schwer fotografieren. Deshalb sieht mein erstes Vorzeigestück so aus:

160821 6Wie Sie sehen, sehen Sie … nicht viele Details. Das Material ist das im Moment so viel besprochene Musselin, also eigentlich nix anderes als Windel in Schwarz. Ich weiß nicht mehr, von welchem Grabbeltisch ich es mitgenommen habe, natürlich gab es auch kein Etikett mit der genauen Zusammensetzung, aber ich vermute mal, es ist ein Poly/Baumwoll-Mix in irgendeiner Form, sehr leicht und angenehm zu tragen.

Der Schnitt  ist mehr oder weniger selbst gemacht. Ich habe einen Grundschnitt für Oberteile (im Englischen heißt das glaube ich „sloper“), der sich über Jahre entwickelt hat, bis ich ihn irgendwann auf ein Reststück einer sehr hochwertigen Papiertischdecke übertragen habe. Das Zeug ist sein Geld wert: man kann es falten und rollen, darauf schreiben und beim Zuschneiden immer wieder Stecknadeln reinpieksen. Also nähe ich mit diesem Schnitt jetzt jedes Kleidungsstück, das folgenden Anforderungen entsprechen soll: locker am Oberkörper sitzen, normale Ärmel haben, einen Ausschnitt zeigen, der so ein Mittelding ist zwischen rund und U-Boot. Läuft.

In diesem Fall habe ich unten vor dem Säumen zwei Knopflöcher genäht und eine Kordel durchgezogen. Darüber sitzt eine Känguruh-Tasche, nach Augenmaß von einem Sweatshirt abgeguckt. Die Kragenlösung ist eigentlich nichts anderes als ein breiter Schlauch: Umfang des Halsausschnittes ausgemessen, etwa 30 cm hoch zugeschnitten, angesetzt. Außen habe ich mit Satinband eine Schaube angesteppt, weil ich mir relativ spät überlegt hatte, dass ich hier gern den Rest Kordel  verwenden möchte. Das macht den Kragen etwas schwerer, aber ich mag, wie er jetzt fällt. Hier ein Detailfoto:

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Das Weiße ist der Kleiderbügel, der ist beim Aufhellen sonst etwas gelblich geworden.

Und weil wir gerade beim Thema „Schwarz“ und „schwer zu fotografieren“ sind, noch ein Foto von unserem Kater. Ich habe ja die Theorie, dass 9 von 10 Kreativbloggern eine Katze haben, die gelegentlich auch in den Gestaltungsprozess eingreift. Oder ihn blockiert, indem sie sich einfach mittendrin niederlässt. So wie hier.

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Er will das Strickzeug ja nur bewachen, schon klar. Und er hat auch gelernt, dass er nicht auf mir, sondern nur neben mir sitzen darf, wenn ich stricke. Aber auch wenn ich es ihm nicht beweisen kann, bin ich doch sicher, dass er es war, der jetzt neulich meine schöne dicke Stopfnadel, mit der ich immer meine Fäden vernähe, ganz hinten hinter die Heizung geschossen hat. Aber selber schuld: was lasse ich sie auch auf der Fensterbank liegen! Das Tier mag es halt gern ordentlich.

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Auf die Plätze, fertig, los!

Braucht die Welt einen weiteren Selbermacher-Blog? Keine Ahnung! Deshalb probiere ich es einfach mal aus. Schon länger bewege ich mich als heimliche Zuschauerin in dieser Welt, in der die Schreiberinnen lustige Sachen sagen wie „drölfzig“ oder „örgs“, von ihrem Partner als „Herzensmann“ sprechen und deren Kolleginnen immer lieb sind. (Jedenfalls reden sie auffällig oft von der „lieben Amalie“ oder so. Bin gespannt, ob mir das auch so geht.)

In den letzten Jahren habe ich sehr davon profitiert, in diversen Blogs coole Anregungen zu finden oder mich einfach nur motivieren zu lassen, wieder an die Nähmaschine zu gehen. Allerdings nähe ich nicht nur, sondern probiere so ungefähr alles andere auch aus (mit unterschiedlichem Erfolg): stricken (immer gerne), häkeln (selten), Schmuck basteln (und dann keine Gelegenheit, ihn zu tragen), malen (oh nein, bloß nicht!).

Gleichzeitig hat sich einiges angesammelt, was verbloggt werden möchte – da fange ich doch einfach mal an!

 

 

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